Die Kosten für den Führerschein steigen, die Wartezeiten, allein um die Prüfungen zu begehen, ebenfalls. Dafür soll das Alter, ab wann es möglich ist, selbst ein Auto fahren zu dürfen, weiter nach unten korrigiert werden: Zumindest, wenn es nach einem Vorschlag der CSU geht, die sich unter anderem damit bei ihrer Klausur im Kloster Seeon befasst. Das begleitete Fahren, wie der Führerschein ab 17 gemeinhin genannt wird, reicht offenbar noch nicht aus. Ab wann der Führerschein beziehungsweise die Sonderregelung künftig für Jugendliche zu haben sein soll, welche Argumente Befürworter anbringen und was das Bundesverkehrsministerium dazu sagt, lesen Sie in diesem Text.
Darf man bald schon deutlich früher Autofahren?
Um mobil zu sein, kann es vielen Jugendlichen und Heranwachsenden mit dem Führerschein nicht schnell genug gehen. So bald wie möglich die Prüfungen absolvieren und schon vor der Volljährigkeit am Steuer Platz nehmen. Was laut TÜV Süd in Baden-Württemberg dank der Sonderregelung BF17 seit 2008 und bundesweit seit 2011 ab 17 Jahren möglich ist, soll schon bald in ganz Deutschland ab 16 Jahren Realität sein: begleitetes Fahren.
Sind etwaige Hürden wie die stetig weiter steigenden Kosten für den Schein, das Wohnortprinzip oder die Wahl der passenden Begleitperson überwunden, kann es auch vor dem 18. Geburtstag schon mit dem Führen eines Fahrzeugs losgehen. Die CSU, das geht aus einem Beschlussentwurf der Parteiklausur hervor, welcher der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt, will jetzt die Debatte neu anstoßen.
Wie das Angebot des begleiteten Fahrens ab 17 Jahren wahrgenommen wird, zeigen die Daten des Kraftfahrt-Bundesamts von 2024. Demnach wurden fast eine Million Fahrerlaubnisse der Führerscheinklasse B, also Auto, erteilt. Ein Viertel davon ging an Jugendliche unter 17 Jahren: 127.016 Männer sowie 119.982 Frauen.
Wieso scheiterte das begleitete Fahren mit 16 Jahren?
Die Partei setze sich, wie es im Papier heißt, dafür ein, „dass die EU-Mitgliedstaaten das begleitete Fahren ab 16 Jahren für die Fahrerlaubnisklasse B ermöglichen“. Das Thema ist nicht neu in der öffentlichen Diskussion, stand es doch beispielsweise bereits im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung 2021. Die Motivation? „Um Jugendliche schon frühzeitig für die Gefahren im Straßenverkehr zu schulen“, hieß es.
Laut dpa kam der Dämpfer jedoch jäh, als das Bundesverkehrsministerium damals meldete, dass das Vorhaben nicht mit europäischem Recht kompatibel sei. Ein Alleingang auf nationaler Ebene sei nicht möglich, vielmehr müssen die Führerscheinregeln EU-weit für alle Mitgliedsstaaten verbindlich geregelt sein. Auch bei den Verhandlungen über die neue EU-Führerscheinrichtlinie, die seit Ende 2025 gilt, habe sich das Ministerium gemäß der dpa für ein begleitetes Fahren ab 16 Jahren eingesetzt. Eine Mehrheit aber habe es nicht gegeben. Die CSU hält am Vorhaben fest – und führt allem voran einen Punkt an.
Übrigens: Dank neuer EU-Vorgaben soll es in Zukunft geringere Mindestaltersgrenzen auch für den Bus- und Lkw-Führerschein geben.
Altersgrenze beim Führerschein senken: Welche Vorteile sehen Experten und Befürworter?
CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sagte im Gespräch mit der dpa, dass der Führerschein ab 17 ein „großer Erfolg“ sei und man jetzt einen Schritt weitergehen möchte, indem das Alter auf 16 Jahre abgesenkt wird. „Gerade im ländlichen Raum bedeutet er Freiheit und Teilhabe – das wollen wir früher ermöglichen“, erklärte er. Der Vorschlag geht darüber hinaus: So sollen Fahranfänger, die dann bereits mit 16 Jahren Fahrpraxis sammelten, in Ausnahmefällen auch allein schon mit 17 Jahren fahren dürfen. Das Credo: Wer mehr beziehungsweise früher fährt, fährt sicherer. Zustimmung erhält der Plan von SPD-Verkehrspolitiker Truels Reichardt, der sich nach dpa-Angaben ebenfalls sicher ist, dass „frühes, begleitetes Fahren das Unfallrisiko weiter senken kann“.
Aktuell, so schreibt es beispielsweise das Serviceportal Baden-Württemberg, kann man zwar mit 16,5 Jahren beginnen. Um begleitet fahren zu können, bedarf es aber zusätzlich der Zustimmung der Erziehungsberechtigten sowie der Begleitperson, die den Fahrer bis zu seiner Volljährigkeit als Beifahrer unterstützt.
Andere Stellen wie etwa der ADAC begrüßen die Idee des begleiteten Fahrens mit 16 ebenso. Schon 2021, als die Diskussion erstmals aufkam, sprachen sich die Experten für das Absenken des Mindestalters aus. Ihre Argumente:
- Früher den Führerschein machen zu können, würde und könne dazu beitragen, junge Leute besser auf die Praxis vorzubereiten.
- Mit Verweis auf die Unfallforschung sei klar, dass gerade mangelnde Routine, Sorglosigkeit und Leichtsinn die Risikogruppe der jungen Fahrer öfter in Unfälle verwickelt als im Vergleich dazu erfahrenere Verkehrsteilnehmer.
- Es müsse die Möglichkeit für die jungen Fahrer geben, sich ein „objektives Feedback über ihr Können und ihre Grenzen am Steuer“ einholen zu können.
Übrigens: Unfallforscher haben sich außerdem angeschaut, warum sich Menschen auch ohne Führerschein ans Lenkrad setzen und damit Menschenleben gefährden.
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