Was ist klein, kantig und verbringt mehr Zeit mit einem als sämtliche Freunde und mutmaßlich auch jedes Familienmitglied? Viele greifen schon beim Aufwachen danach, weil es den Wecker ersetzt hat. Bei manchen ist es schon längst zum externen Gehirn mutiert. Smartphones sind aus unseren Leben nicht mehr wegzudenken. Aus der Arbeit einer Redaktion auch nicht mehr. Denn die kleinen Geräte bedeuten Rund-um-die-Uhr-Information für Nachrichtenjunkies – was wiederum bedeutet, dass Journalistinnen und Journalisten in manchen Lagen 24/7 im Einsatz sind. Einen Andruck gibt es für die gedruckte Zeitung nach wie vor – einen Redaktionsschluss gibt es bei der Augsburger Allgemeinen streng genommen nicht mehr. Und das ist etwas, was sich seit Gründung der Online-Redaktion im Jahr 1999 – was immerhin auch schon mehr als ein Vierteljahrhundert her ist! – gravierend geändert hat.
Denn bevor Steve Jobs im Jahr 2007 zum ersten Mal dieses kleine kantige Ding auf einer Bühne präsentiert hat, war Feierabend, wenn man sich vom Computer entfernt hat. Sowohl für die Redaktion als auch für die Leserinnen und Leser. Und jetzt? Fangen frühmorgens um 5:30 Uhr die ersten Kollegen an, die wichtigsten Nachrichten aus der Nacht aufzuschreiben und andere machen damit bis um 22:30 Uhr weiter. Außer es passiert etwas Größeres – sei es das Jahrhunderthochwasser, das Schwaben im vergangenen Jahr heimgesucht hat oder die Wahl eines neuen US-Präsidenten – dann werden zusätzliche Schichten geschoben.
Im Internet müssen wir Dinge nicht nur beschreiben, wir können sie zeigen
Doch es ist nicht nur die Taktung, die unsere Arbeit stark verändert hat. Es geht auch um die Frage, wie wir unsere Geschichten erzählen und auf welchem Weg sie zu Ihnen finden. Denn dem Internet sei Dank müssen wir Dinge nicht mehr bloß beschreiben, wir können sie auch zeigen: Wie sich Klimaveränderungen in der Region auswirken, wird mit einem Blick auf Grafiken nachvollziehbarer. Wie sich ein Augsburger Pfarrer gefühlt hat, als Zölibat und Liebeskummer aufeinanderprallten, das erzählt er im Podcast einfach selbst. Und wenn ein Thema auf großes Leserinteresse stößt, etwa wie es eine Familie geschafft hat, ihr Traum-Fachwerkhaus selbst zu bauen, dann gibt es dazu nicht nur die Reportage von vor Ort, sondern auch noch eine ganze Reihe Bilder, eine 360-Grad-Tour und natürlich ein Video mit vielen Details und Eindrücken. Allein auf Instagram hat das Video fast 600.000 Menschen erreicht.
Warum das wichtig ist, obwohl es um ein eher „leichtes“ Thema geht? Weil wir als Augsburger Allgemeine auf diesen Kanälen auch Menschen erreichen wollen, die gar keine klassische Zeitung mehr lesen. Die vielleicht überhaupt wenig Nachrichten verfolgen, dafür aber viel im Internet unterwegs sind. Weil man auch mit guten Geschichten, die vor der Haustür oder in der Gegend spielen, Vertrauen aufbauen kann. Vertrauen, das Medien heutzutage dringend brauchen, wenn es um die ernsten Themen geht. Wenn uns Menschen erlauben, dass wir Ihnen Newsletter ins Mailpostfach schicken, Whatsapp-Nachrichten aufs Smartphone senden oder mit Videos im Tiktok-Feed auftauchen, dann besteht die Chance, an Fakenews-Bots und ungeprüften KI-Zusammenfassungen vorbei zu den Nutzerinnen und Nutzern zu gelangen. Denn ob in der gedruckten Zeitung, im E-Paper oder auf einem der vielen Digital-Kanäle: Am Ende geht's überall auch um Demokratie, die wir seit 80 Jahren erhalten wollen. Was als Nächstes kommt, wissen wir nicht. Aber hoffentlich berichtet die AZ auch in 80 Jahren noch über wichtige Nachrichten aus der Region und der Welt – und macht Geschichten über Menschen für Menschen.
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