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Nachruf: Zum Tod von Tilo Prückner: Trauer um einen Sonderling

Nachruf

Zum Tod von Tilo Prückner: Trauer um einen Sonderling

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    Über mangelnde Angebote konnte sich Tilo Prückner, der Mann mit dem markanten Schnauzer, bis zuletzt nicht beklagen.
    Über mangelnde Angebote konnte sich Tilo Prückner, der Mann mit dem markanten Schnauzer, bis zuletzt nicht beklagen. Foto: Henning Kaiser, dpa

    Es gibt Schauspieler, die sich auf dem roten Teppich wohl fühlen und auch beruflich ihre Eitelkeit pflegen. Davon war Tilo Prückner weit entfernt. Er war in seinem Beruf eigensinnig, sperrig und auf eine liebenswerte Art grantig. Jetzt ist Prückner mit 79 Jahren überraschend in Berlin gestorben. Er mochte die kleinen, vordergründig unauffälligen Rollen, für die er nun mal stand.

    1940 in Augsburg geboren, besuchte er bis zum 16. Lebensjahr das Gymnasium bei St. Anna in der Innenstadt. Wie sein ehemaliger Klassenkamerad Manfred Braun aus Stadtbergen (Kreis Augsburg) unserer Redaktion berichtet, führten Tilo Prückner private Gründe nach Nürnberg, wo er am Melanchton-Gymnasium sein Abitur machte.

    Mit „Rentnercops“ wurde Tilo Prückner einem breiten Publikum bekannt

    Während Mitschüler Braun Jura studierte, zog es Tilo Prückner zum Theater. Braun erinnert sich, dass die Buben seinerzeit Nestroys „Einen Jux will er sich machen“ spielten. Also, Nestroy war also schuld an der Karriere Prückners.

    Dass er mit seinen zahlreichen Rollen populär wurde, lag nicht zuletzt an der seit 2015 laufenden ARD-Vorabendserie „Rentnercops“ mit einem eigensinnigen, in den Dienst zurückgekehrten Polizisten. Auch aus der ZDF-Reihe „Kommissarin Lucas“ kennt ihn das Fernsehpublikum. Er agiert darin als übellauniger Vermieter, den man wirklich niemandem wünscht. Und die „Kluftinger“-Krimis führten ihn zum Dreh ins Allgäu, in die Nähe seiner Heimat.

    Prückner überzeugte auch bei Regisseuren des Neuen Deutschen Films

    Mit dem Alter hatte der Augsburger, der als einer der vielseitigsten Schauspieler der deutschen Branche galt, keine Probleme. „Wenn ich mich auf dem Bildschirm sehe, denke ich: Was ist denn das für ein Veteran?“ Solange er noch gefragt war als Darsteller von Alltagsgestalten, oft aus kleinbürgerlichem Milieu, das auch prollig bis ländlich sein kann, brauchte Tilo Prückner keine Sorgen um sein Alter haben. Und gefragt war er bis zum Schluss.

    Der Schauspieler überzeugte auch vielfach bei Regisseuren des sogenannten Neuen Deutschen Films. 1975 bekam er eine Rolle in „Sternsteinhof“, dem Kinodebüt von Hans W. Geißendörfer. 1976 erhielt er den Deutschen Darstellerpreis in der Hauptrolle der Nikos-Perakis-Inszenierung von „Bomber und Paganini.“ Am Mittwoch zeigt das Erste in Abänderung des Programms den TV-Film „Holger sacht nix“ mit Prückner als verbittertem Bauern.

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