Es war ein kleines Stück Hoffnung, kurz nach Weihnachten und vor dem Wechsel in ein neues Jahr: Am 26. Dezember rollte ein unscheinbarer Transporter auf den Hof des Impfzentrums in Dasing bei Augsburg. Im Inneren: die ersten 1000 Impfdosen für Schwaben. Von einem "historischen Moment in der Bekämpfung der Pandemie" sprach Klaus Holetschek, damals noch Staatssekretär im bayerischen Gesundheitsministerium. Zwei Monate ist dieser Moment nun her. Holetschek ist mittlerweile zum bayerischen Gesundheitsminister aufgerückt, doch die Begeisterung der ersten Tage ist einer Ernüchterung gewichen. Zu wenig Impfdosen, zu langsame Verteilung, immer wieder Schlagzeilen rund um den Impfstoff von AstraZeneca – die ersten Monate der Impfkampagne waren durchwachsen. Aber was bedeutet das konkret? Unsere Redaktion wollte wissen, wie die Lage in der Region aussieht: Wie kommen die einzelnen Landkreise mit der Impfung ihrer Bevölkerung voran? Wie viele Menschen über 80 wurden bereits geimpft? Welcher Landkreis ist besonders schnell, welcher eher langsam – und was sind die Gründe dafür?
Seit Beginn der Corona-Pandemie wird das Land ununterbrochen vermessen. Gesundheitsämter sammeln die Infektionszahlen, berechnen Inzidenzwerte und Testkapazitäten. Auch die Zahl der Impfungen wird streng protokolliert. Doch wie viele Dosen in den einzelnen Landkreisen bisher verimpft wurden, lässt sich für den normalen Bürger nicht zentral einsehen. Manche Städte wie etwa Augsburg berichten jeden Tag über den Fortschritt. Andere haben keine aktuellen Zahlen vorliegen oder reichen ihre Daten direkt an das bayerische Gesundheitsministerium weiter, wo sie gebündelt werden.
In Schwaben könnten am Tag 11.200 Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden
Die Zahlen des Ministeriums geben erstmals Einblick in den Impf-Fortschritt in der Region. Gleichzeitig sind auch sie eine Momentaufnahme: Eingerechnet sind alle Impfungen bis zum Stichtag 1. März. Allein in Schwaben können jedoch am Tag 11.200 Menschen geimpft werden. Während Sie diesen Text lesen, steigt die Impfquote der Landkreise also permanent an.
Daneben gibt es auch weitere Faktoren, die die Ergebnisse zusätzlich verzerren können: Zum Stichtag 1. März hatte das Ministerium etwa nicht alle Daten aus den Landkreisen Neu-Ulm und Donau-Ries vorliegen. Außerdem besuchen nicht alle Menschen auch wirklich das Impfzentrum, dem sie zugewiesen sind. So untersagte Baden-Württemberg erst in dieser Woche, dass sich Menschen aus anderen Bundesländern dort impfen lassen können. Bis dahin hatten sich viele Neu-Ulmer einen Termin im Ulmer Impfzentrum besorgt.
Insgesamt haben im Verbreitungsgebiet unserer Redaktion, also in Schwaben und den angrenzenden Landkreisen Landsberg und Neuburg-Schrobenhausen, 4,9 Prozent der Einwohner ihre Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Das sind 104.560 Impfdosen (Stand: 01.03.2021). Blickt man jedoch in die einzelnen Landkreise, dann gibt es beträchtliche Unterschiede: Während beispielsweise im Kreis Neuburg-Schrobenhausen bereits mehr als die Hälfte der über 80-Jährigen eine Erstimpfung erhalten haben, war es im Kreis Aichach-Friedberg nur knapp jeder dritte Mensch über 80 Jahren.
Corona-Impfungen in der Region: Neuburg-Schrobenhausen hat die meisten Einwohner geimpft
Bezogen auf die Anzahl aller Einwohner wurden bisher die meisten Menschen in den Landkreisen Neuburg-Schrobenhausen (5,9 Prozent), Lindau und Dillingen (beide 5,7 Prozent) geimpft. Die Kreise liegen damit über dem bayernweiten Durchschnitt: Im Freistaat haben bis zum 1. März 5,6 Prozent der Einwohner eine Erst-Impfung erhalten.
Deutlich unter dem Durchschnitt liegt dagegen der Landkreis Landsberg. Dort haben nur 4,5 von 100 Einwohnern schon eine Impfung verabreicht bekommen, im Landkreis Aichach-Friedberg und der Stadt Augsburg ist die Quote ähnlich niedrig (4,7 Prozent). Woran das liegt, kann der zuständige Sprecher aus dem Landratsamt Landsberg, Wolfgang Müller, nicht genau erklären. "Landkreise, deren Impfzentren und deren Logistik sind nie wirklich vergleichbar", betont Müller. "Wir fühlen uns sehr gut aufgestellt – soweit Impfstoff vorhanden ist, arbeiten bis zu 80 Personen daran, dass der vorhandene Impfstoff zügig verimpft wird." In den vergangenen Wochen seien 1600 Menschen geimpft worden. "Das ist für einen kleinen Landkreis eine ganze Menge."
Im Landkreis Dillingen haben drei Prozent aller Einwohner eine Zweitimpfung erhalten
In unserer Grafik schneidet der Landkreis Donau-Ries noch schlechter ab. Die Daten, die das Gesundheitsministerium für diesen Landkreis liefert, sind jedoch verzerrt. Bisher waren nur Impfungen aus dem Impfzentrum in Donauwörth, nicht aber jene aus Nördlingen in die bayerische Software eingetragen worden, erklärt das Landratsamt in Donauwörth. Und das, obwohl beide Zentren zeitgleich gestartet sind. Seit dieser Woche ist aber auch das Impfzentrum in Nördlingen an die bayerische Impf-Software angeschlossen. Auch für den Landkreis Neu-Ulm sind die Daten verzerrt, da nicht alle an das Gesundheitsministerium übermittelt wurden.
Auffällig ist: Im Landkreis Neu-Ulm haben vergleichsweise viele Menschen bereits eine zweite Dosis des Impfstoffs erhalten – bezogen auf alle Einwohner liegt die Zahl bei 3,3 Prozent. Auch im Landkreis Dillingen wurden drei Prozent der Bevölkerung bereits zum zweiten Mal geimpft. Weil dort auch die Zahl der Erst-Impfungen sehr hoch ist, ist die Zahl der insgesamt verabreichten Impfdosen die höchste in der ganzen Region: Pro 100 Einwohner wurden bisher 8,7 Dosen verimpft. In den meisten anderen Landkreisen sind es rund sieben.
Warum das Impfen im Kreis Dillingen so schnell vorangeht? Der Sprecher des Landratsamtes, Peter Hurler, hat dafür eine Erklärung: In die Dreifachturnhalle, das Impfzentrum im Landkreis, würden besonders viele Menschen passen. Dort können mittlerweile bis zu 700 Menschen am Tag geimpft werden. "Vorher betrug die Kapazität bis zu 240 Impfungen pro Tag", sagt Hurler. Eine Voraussetzung dafür sei aber, dass auch genügend Impfstoff ankäme.
Landkreis Dillingen verteilt die meisten Impfdosen unter seinen Einwohnern
Menschen über 80 Jahren gelten als besonders gefährdet durch das Coronavirus. Deshalb hat ihre Impfung in Deutschland oberste Priorität. Bei der Impfung der Senioren kommen die Landkreise jedoch wieder höchst unterschiedlich voran. Das wird einerseits klar, wenn man sich die verabreichte Menge des gelieferten Impfstoffs ansieht. Zählt man die Impfdosen, die bisher über 80-Jährigen injiziert wurden, zusammen und rechnet sie auf jeweils 100 über 80-jährige Einwohner in den jeweiligen Landkreisen um, liegt wieder der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen vorn. Dort wurden bisher 88,3 Impfdosen pro 100 über 80-Jährige verteilt. In Augsburg sind es dagegen bisher lediglich 48,9 Dosen – im Kreis Aichach-Friedberg nur 44,7.
Dieser Unterschied wird auch deutlich, wenn es darum geht, wie viel Prozent der über 80-Jährigen schon geimpft sind. Im Kreis Aichach-Friedberg haben bisher die wenigsten Senioren eine Impfung bekommen. Dort wurden bis zum 28. Februar nur 32,9 Prozent der über 80-Jährigen überhaupt geimpft. In Augsburg waren es 35,8 Prozent.
Eine Anfrage zu den Gründen ließ die Stadt Augsburg unbeantwortet. Aus dem Landratsamt in Aichach-Friedberg heißt es zur Erklärung, dass die Landkreise je nach Einwohnerzahl unterschiedlich viel Impfstoff bekämen. „Der Impfstoff, der dem Landkreis Aichach-Friedberg aufgrund seiner Einwohnerzahl zustand, wurde bisher vollumfänglich abgerufen und verimpft“, sagt Sprecherin Teresa Wörle. Zudem würden nicht nur über 80-Jährige geimpft, sondern etwa auch Menschen in bestimmten Berufsgruppen. „Je nachdem wie groß der Anteil der über 80-Jährigen an der Bevölkerung ist und wie viele Personen in der ersten Priorität Anspruch auf eine Coronaimpfung haben und impfwillig sind, kann daher die Quote der geimpften über 80-Jährigen variieren.“
Der Kreis Neuburg-Schrobenhausen liegt auch hier wieder vorn. Dort wurden mehr als die Hälfte aller über 80-Jährigen bereits geimpft. Im Landratsamt in Neuburg ist man nicht überrascht über die gute Platzierung. Sabine Gooss, Sprecherin des Landratsamtes, begründet sie damit, dass der Landkreis von Anfang an mit einem Software-Spezialisten zusammengearbeitet habe. "Das ist ein Grund dafür, dass die Impfungen im Landkreis sehr gut organisiert ablaufen", erläutert sie und ergänzt: "Wir halten zudem keine Impfstoffmengen zurück und verimpfen die uns zugeteilten Dosen."
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