Startseite
Icon Pfeil nach unten
Bayern
Icon Pfeil nach unten

Sozialdemokraten: Florian von Brunn ist der Mann, der die Bayern-SPD retten soll

Sozialdemokraten

Florian von Brunn ist der Mann, der die Bayern-SPD retten soll

  • |
  • |
  • |
    Florian von Brunn nach seiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten im bayerischen Landtag.
    Florian von Brunn nach seiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten im bayerischen Landtag. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Eine Fraktionskollegin hat ihn neulich ein „politisches Trüffelschwein“ genannt. Florian von Brunn hat das gefallen – einerseits. Weil sie damit ausdrücken wollte, „dass ich weiß, welche politischen Themen wichtig sind“, sagt er. Für den zweiten Teil der Bezeichnung allerdings „würde ich mir ein anderes Wort wünschen“.

    Er wird das verschmerzen, schließlich ist von Brunn endlich da angekommen, wo er hinwollte. Seit ein paar Wochen Landesvorsitzender der Bayern-SPD an der Seite von Co-Chefin Ronja Endres und nun auch noch Vorsitzender seiner Fraktion im Landtag. Für beide Posten hatte er sich schon mal beworben. Beide Male verlor er.

    Was zeigt: Florian von Brunn, 52, verheiratet und Vater zweier Kinder, ist ehrgeizig. Eine Niederlage macht ihn nur noch ehrgeiziger. Und mit Niederlagen kennt sich seine Partei aus. Bei der Landtagswahl 1994 holte sie noch 30 Prozent. Seitdem: freier Fall. 2018 waren es kümmerliche 9,7 Prozent, ein historisches Tief. Die derzeitigen Umfragen sehen die SPD nun sogar bei sieben bis acht Prozent. Was also hat sie mit einem frischen Gesicht an der Spitze zu verlieren? Nichts und zugleich so einiges.

    Florian von Brunn will den Klimaschutz ins Zentrum seiner Politik stellen

    Von Brunn ist Münchner durch und durch. 1969 in der Landeshauptstadt geboren, dort – und in Oxford – Geschichte und Volkswirtschaft studiert, im Stadtteil Sendling lebt er mit seiner Familie, genießt sein Frühstück mit Kaffee und Zeitungslektüre und startet von dort in die Alpen, wenn er seiner Leidenschaft Bergwandern nachgeht. Er hat als Pressesprecher gearbeitet, zwölf Jahre als IT-Berater, seit 2013 ist er Abgeordneter.

    Florian von Brunn (links) und sein Kontrahent bei der Wahl zum Fraktionschef, Horst Arnold.
    Florian von Brunn (links) und sein Kontrahent bei der Wahl zum Fraktionschef, Horst Arnold. Foto: Matthias Balk, dpa (Archivbild)

    Von Brunn, das erkennen auch seine Kritiker an, ist intelligent, rhetorisch beschlagen und ein ausgewiesener Umweltexperte. Entsprechend will er den Klimaschutz ins Zentrum seiner Strategie stellen und damit eines der zentralen Politikfelder dieser Zeit besetzen. Das ist zugleich notwendig und riskant. Die Sozialdemokraten haben gemerkt, dass der Markenkern soziale Gerechtigkeit alleine nicht mehr reicht, um einen Weg aus der Krise zu finden. Aber wie einen eigenen Akzent setzen auf einem Gebiet, das die Heimat der Grünen ist und längst auch die Union für sich entdeckt hat?

    Einige bei der SPD kommen mit seinem forschen Auftreten nicht klar

    Florian von Brunn hat sich 15 Prozent für die Bayern-SPD vorgenommen. Gelingt ihm das, haben seine parteiinternen Kritiker wenig in der Hand. Und davon gibt es einige. Den auf Ausgleich bedachten und an der alten SPD-Linie festhaltenden Genossen geht das oft allzu forsche Auftreten ihres neuen Chefs gegen den Strich. Wie umstritten er ist, zeigten beide Abstimmungen. Beim Parteitag ging die Doppelspitze mit nur vier Stimmen Mehrheit durch, bei der Wahl zum Fraktionschef setzte sich von Brunn hauchdünn mit zwölf zu zehn Stimmen gegen den bisherigen Amtsinhaber Horst Arnold durch. Seitdem wird der eine oder andere vergiftete Pfeil in der Partei verschossen.

    Scheitert Florian von Brunn bei der Wahl 2023 am 15-Prozent-Ziel, könnte es schnell zum offenen Konflikt kommen – und die Bayern-SPD noch weiter dem Abgrund entgegen taumeln.

    Lesen Sie dazu auch:

    Zoff in der Landtags-SPD: Giftpfeile unter Genossen

    Die Bayern-SPD kämpft um ihre Existenz

    Winterklausur der Bayern-SPD: Die Genossen werkeln unverdrossen

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden