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Altkleider-Sammlung in der Krise: Was hinter dem Müllproblem steckt

Recycling

Altkleider-Sammlung in der Krise: Warum das System vor dem Kollaps steht

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    Aufgerissene Müllsäcke und wild umhergeworfene Kleidung liegen vor einem Altkleidercontainer. Ein Problem, das in immer mehr Städten auftritt.
    Aufgerissene Müllsäcke und wild umhergeworfene Kleidung liegen vor einem Altkleidercontainer. Ein Problem, das in immer mehr Städten auftritt. Foto: Jan Woitas, dpa

    In Türkheim hat die Aktion Hoffnung vor vier Wochen die Reißleine gezogen. In dem Container, in dem die Bürgerinnen und Bürger ihre Altkleider entsorgen können, landete regelmäßig Biomüll. „Der Standort war so stark vermüllt, dass wir ihn nicht aufrechterhalten konnten“, sagt Johannes Müller, Geschäftsführer der Aktion Hoffnung. In vielen Städten und Gemeinden hierzulande ist das Bild ähnlich. Vor den Containern sammelt sich Müll oder lose Kleidung, andere laden ihren Sperrmüll hier ab oder das, was nicht mehr gebraucht wird. „Es gibt Standorte, die zunehmend als Mülleimer benutzt werden“, sagt Müller.

    In Mindelheim, Rosenheim und Tirschenreuth hat das BRK seine Container abgebaut

    Seit 40 Jahren sammelt und verwertet die Hilfsorganisation der Diözese Augsburg Altkleider. Über viele Jahre war das ein einträgliches Geschäft. Doch inzwischen steckt das Sammelsystem in der Krise. Weil der Markt für Altkleider zusammengebrochen ist, ziehen sich gewerbliche wie auch soziale Träger zurück. Landauf, landab verschwinden Container für gebrauchte Kleidung. Beispiel Bayerisches Rotes Kreuz: In Mindelheim im Unterallgäu hat das BRK seine Behälter bereits abgebaut. Die Qualität der abgegebenen Kleidung habe stark nachgelassen, während gleichzeitig immer mehr Abfall in die Container geworfen werde, hieß es zur Begründung. Im Ostallgäu zieht man möglicherweise bald einen Schlussstrich. Dort will der Kreisverband in den nächsten Wochen entscheiden, ob die 20 Altkleidercontainer im Landkreis bestehen bleiben. Im Tirschenreuth in der Oberpfalz sind bereits alle BRK-Container abgebaut, ebenfalls in Rosenheim, in Nürnberg soll zumindest ein Teil wegfallen.

    Johannes Müller, Geschäftsführer der Aktion Hoffnung aus Ettringen beim Altkleidersortieren.
    Johannes Müller, Geschäftsführer der Aktion Hoffnung aus Ettringen beim Altkleidersortieren. Foto: Johann Stoll (Archiv)

    Gründe, warum sich das Geschäft mit dem Altkleiderrecycling immer mehr zum Draufzahlgeschäft wird, gibt es mehrere. Da ist zum einen der zunehmende Müll in den Behältern. Bei der Aktion Hoffnung wundern sich Müller und seine Mitarbeiter über nichts mehr. Hasenmist, Elektroschrott, Bauschutt – all das haben sie schon entdeckt. In diesem Fall sind auch die Kleider unbrauchbar. Am Dienstag erst hat ein Mitarbeiter eine klein geschnittene Matratze aus einem Behälter geholt. Insgesamt werde immer mehr Unbrauchbares im Altkleidercontainer entsorgt – verdreckte Unterwäsche, kaputte Turnschuhe, durchlöcherte Softshelljacken. Das kann höchstens noch zu Lappen und Dämmstoffen verarbeitet werden.

    Temu und Shein fluten den Markt mit Kleidung, die billiger ist als Second-Hand-Ware

    „Unser größeres Problem ist die falsch verstandene EU-Richtlinie“, sagt Müller. Seit Jahresbeginn gilt die sogenannte Getrenntsammlungspflicht von Altkleidern, die für Deutschland faktisch keine Änderung mit sich bringt – aber viel Verunsicherung ausgelöst hat. Mit der Folge, dass viele nicht mehr tragbare und verwertbare Textilien in den Altkleidercontainern landeten statt im Restmüll, wo sie nach wie vor hingehörten. 15 Pferdedecken etwa haben die Mitarbeiter der Aktion Hoffnung im Januar aus einem Container geholt. „Wir müssen dann für die Entsorgung aufkommen“, sagt Müller. Inzwischen ist nur noch die Hälfte dessen, was in den Kleiderbehältern landet, für den Weiterverkauf geeignet.

    Hinzu kommt: „Der Markt für bereits getragene Kleidung ist übersättigt“, sagt BRK-Sprecherin Claire Klodinski. Europaweit werden inzwischen mehr Altkleider gesammelt als benötigt werden. Zum einen, weil Absatzmärkte durch Kriege und Konflikte wegbrechen – etwa in der Ukraine oder im Nahen Osten. Zugleich konkurriert die Second-Hand-Ware mit immer mehr billiger, neuer Kleidung. Müller spricht von „Ultra-Fast-Fashion“, billigst produzierte und qualitativ minderwertige Kleidung von asiatischen Anbietern wie Temu und Shein, die mittlerweile auch in Osteuropa oder Afrika den Markt fluten. Für den Weiterverkauf aber ist die Billigstmode zu minderwertig. Allein das Sammeln, Sortieren und Transportieren koste mehr, als das Kleidungsstück überhaupt wert ist.

    Die Preise für Altkleider sind inzwischen dramatisch gefallen. Seit Herbst 2024 decken die Markterlöse die Kosten der Sammlung nicht mehr, erklärt ein Sprecher der Malteser. In Folge sind schon zwei große Sortier-Unternehmen in die Insolvenz gerutscht. Andere Verwertungsgesellschaften nehmen Altkleider nur noch unzuverlässig ab, heißt es beim BRK. Für eine Tonne Altkleider werden unterschiedlichen Berechnungen zufolge am Markt nur noch zwischen 10 und 30 Euro bezahlt – statt wie früher 250, 300 oder sogar 600 Euro pro Tonne. Aktion-Hoffnung-Geschäftsführer Müller sagt: „Wir arbeiten längst nicht mehr kostendeckend.“

    Die Aktion Hoffnung will an ihren 2337 Sammelbehältern in Bayern festhalten. Müller betont, man sei Partner der Landkreise und Kommunen, die als öffentlich-rechtliche Entsorger zum Sammeln von Müll und bestimmten Wertstoffen verpflichtet sind – auch von Altkleidern. „Wir müssen Wege finden, wie wir durch die Krise kommen.“

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