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Bilanz für Bayern: So stark trifft ÖPNV-Streik Städte

Streik im Nahverkehr

Erste Bilanz: So hart trifft der ÖPNV-Streik Bayerns Städte

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    Die Gewerkschaft Verdi hat bundesweit zu Warnstreiks im Nahverkehr aufgerufen. Am Montag blieben viele Busse und Bahnen im Depot. Und es könnten weitere Streiks folgen.
    Die Gewerkschaft Verdi hat bundesweit zu Warnstreiks im Nahverkehr aufgerufen. Am Montag blieben viele Busse und Bahnen im Depot. Und es könnten weitere Streiks folgen. Foto: Sven Hoppe, dpa (Archivbild)

    Nach dem 24-stündigen Warnstreik ist der kommunale Nahverkehr am Dienstagmorgen wieder angelaufen. Es herrsche regulärer Betrieb bei U-Bahn, Tram und Bus, teilte etwa die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit. Auch in anderen bayerischen Städten ist der Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte, beendet worden.

    Es war ein Stillstand mit Ansage: Wer am Montagmorgen auf Bus oder Bahn angewiesen war, bekam den Warnstreik zu spüren. In den meisten großen bayerischen Städten ist der Öffentliche Nahverkehr fast vollständig zum Erliegen gekommen. Nur ganz vereinzelt fuhren Stadtbusse und Straßenbahnen. Wie sind Bürger und Verkehrsbetriebe vor Ort mit dem Streik umgegangen? Das zeigt eine erste Bayern-Bilanz zum Nahverkehrs-Streik.

    München und Nürnberg leiden besonders unter Streik im Nahverkehr

    Drastisch waren die Auswirkungen der Warnstreiks in Bayerns Großstädten. Gerade dort nutzen viele Menschen jeden Tag den Nahverkehr, um zu Schule und Arbeit, zu Terminen oder für Besorgungen in die Zentren zu gelangen.

    Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, machte sich der Streik im morgendlichen Berufsverkehr insbesondere in den Ballungsräumen auf den Straßen bemerkbar. Einer Schnellauswertung des Verkehrsdatenspezialisten TomTom für die dpa zufolge führte der Streik in den großen Städten zu starken Staus. Dabei erreichte München den höchsten Wert. Das Staulevel stiegt dort um 8 Uhr auf 148 Prozent. Das Staulevel zeigt an, wie viel länger eine Fahrt im Schnitt im Vergleich zu einer Situation ohne Verkehrsbehinderungen dauert.

    Wie der Fahrdienstvermittler Freenow mitteilte, stieg am Morgen auch die Nachfrage nach Taxis stark an. Demnach habe man deutschlandweit insgesamt rund eineinhalbmal so viele Anfragen verzeichnet wie sonst an einem Montag.

    Besonders gebeutelt waren die Fahrgäste in München und Nürnberg. In beiden Metropolen fuhren am Montagmorgen keine U-Bahnen, bei den Straßenbahnen war zunächst nur eine einzige Linie in der Landeshauptstadt im Einsatz. Die Tramlinie 20 zwischen Moosach und Karlsplatz war aber den ganzen Vormittag in Betrieb. Sie soll auch noch bis in die Abendstunden (wohl bis circa 21 Uhr) fahren. Was die Stadtbusse im Münchner Nahverkehr angeht, waren die Auswirkungen des Streiks etwas glimpflicher für die Fahrgäste. Wie die Münchner Verkehrsgesellschaft mitteilt, fuhren die Busse nicht zuverlässig nach Takt, aber immerhin alle 20 bis 60 Minuten.

    Am Mittag teilte die MVG mit, dass der Streik noch bis in den frühen Dienstagmorgen (3.30 Uhr) andauern wird. Das heißt für Fahrgäste: Erst danach wird ein geregelter Betrieb wieder möglich sein, so die MVG. Die U-Bahn wird am Montag nicht mehr in Betrieb genommen.

    In Nürnberg demonstrierten etwa 300 Beschäftigte der dortigen Verkehrsbetriebe VAG für einen Tarifabschluss, wie BR24 berichtete. Am Warnstreik beteiligt haben sich rund 2000 Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Fahrer in Nürnberg, wie Verdi-Gewerkschaftssekretär Michael Bartog im Gespräch mit dem BR mitteilte.

    Der Königsplatz ist am Montagmorgen leer geblieben. Wegen des Warnstreiks im Nahverkehr fuhren nur sehr wenige Busse und Bahnen.
    Der Königsplatz ist am Montagmorgen leer geblieben. Wegen des Warnstreiks im Nahverkehr fuhren nur sehr wenige Busse und Bahnen. Foto: Silvio Wyszengrad

    In Augsburg fuhren von normalerweise rund 140 Fahrzeugen nur acht Straßenbahnen und sieben Stadtbusse, die nur einzelne Linien und auch nur in sehr abgespecktem Takt bedienen konnten. Ab Mittag waren sogar nur fünf Straßenbahnen in Betrieb. Am morgigen Dienstag soll der ÖPNV in Augsburg laut Augsburger Stadtwerke wie regulär verkehren.

    Viele Pendlerinnen und Pendler waren gut informiert und wählten Fahrrad oder Auto, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Doch vereinzelt waren trotz der mehrfachen Ankündigung auch Menschen von dem Warnstreik überrascht – und warteten vergebens an den Bushaltestellen und Bahnsteigen.

    Wie BR24 berichtet, zeigte sich die Verdi-Branchenkoordinatorin für Busse und Bahnen in Bayern, Katharina Wagner, zufrieden mit der Streikbeteiligung in Augsburg. Demnach haben sich rund 200 Personen dem Ausstand angeschlossen. Wie Wagner dem BR24 mitteilte, könnte es aber zu Anlaufschwierigkeiten kommen.

    Streik im Nahverkehr: Pendler nutzen Regionalbus, Regionalbahn, Fahrrad und Auto

    Auch in Regensburg, Bamberg, Passau, Landshut und Schweinfurt gab es enorm viele Ausfälle. In Regensburg führt der Streik laut BR24 aktuell zum Ausfall der meisten Busse. „Aktuell finden etwa 20 Prozent der regulären Fahrten statt“, sagte der Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk zum BR. Daran sollte sich auch im Verlauf des restlichen Streiktag nicht mehr viel ändern. Rund 80 Busfahrer der Stadtwerke in Schweinfurt waren am Streik beteiligt, sodass neben dem Stadtbusverkehr auch die Schulbusse ausfielen. In Landshut gingen die Stadtwerke gleich am frühen Morgen davon aus, dass ganztägig keine Busse im Liniensystem fahren. Ob einzelne Fahrten stattfinden könnten, zeige sich erst mit Dienstbeginn der Mitarbeitenden. Auch in Passau fiel der Großteil des Nahverkehrs aus. Nur der Teil der Fahrten, die von privaten Unternehmen durchgeführt werden, könnte planmäßig durchgeführt werden. Leichte Einschränkungen im Nahverkehr waren zudem in Bayreuth, Schwabach und Ingolstadt zu beobachten.

    Im Augsburger Nahverkehrsnetz fahren heute nur sehr vereinzelt Straßenbahnen.
    Im Augsburger Nahverkehrsnetz fahren heute nur sehr vereinzelt Straßenbahnen. Foto: Stefan Krog

    Wo es möglich war, sind die Pendler in den Städten auf alternative Verkehrsmittel umgestiegen. Gerade in Augsburg waren viele Radfahrer, aber auch deutlich mehr Autofahrer als üblich zu beobachten. Auf manchen Strecken konnten Fahrgäste auch auf Regionalbusse oder Regionalzüge der Deutschen Bahn (DB) umsteigen, die nicht vom Streik im Nahverkehr betroffen waren. In München und Nürnberg fuhren zumindest die von der DB betriebenen S-Bahnen nach Plan. Viele Arbeitnehmer, die einer Büroarbeit nachgehen, blieben am Montag gleich im Homeoffice. Mehrere Münchner Unternehmen hatten dazu aufgerufen.

    Gewerkschaft Verdi: Bayern muss sich auf neue Streiks im Nahverkehr einstellen

    Der Warnstreik ist Teil der laufenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr. Verdi will mit dem Ausstand den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Bei den Gesprächen geht es dieses Mal nicht um höhere Löhne, sondern um den Manteltarifvertrag und damit um die Arbeitsbedingungen. Verdi fordert unter anderem höhere Zuschläge für Überstunden, Nacht- und Wochenendarbeit sowie Zulagen entsprechend der jeweiligen Entgeltstufe. Nach Darstellung der Gewerkschaft sind Überstunden derzeit günstiger als Neueinstellungen, die Belastung der Beschäftigten steige stetig.

    Und der Warnstreik an diesem Montag ist aller Voraussicht nach nicht der Letzte. Bis zur nächsten Verhandlungsrunde im Tarifstreit mit den Verkehrsunternehmen am 13. Februar sei „mit weiteren Warnstreiks zu rechnen“, sagte der stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiter, Sinan Öztürk. Wann und wie lange werde Verdi mit angemessener Vorlaufzeit bekannt geben.

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