Es vibriert in der Stadt, das merke man schon, sagt Christian Scharpf. Die Wiesn steht vor der Tür. Es vibrierte auch am Donnerstagvormittag im Museumszelt, wo Blasmusik den traditionellen Presserundgang über das Festgelände begleitete. Für Christian Scharpf (SPD) war dieser Rundgang ein erster Stimmungstest: Der Ingolstädter ist der neue Referent für Arbeit und Wirtschaft und damit Wiesnchef in der bayerischen Hauptstadt. Im März löste er seinen Vorgänger Clemens Baumgärtner (CSU) ab. Dieses Amt gebot es nun, vor Fotografen die Figur des zu präsentieren, Hände zu schütteln, Interviewfragen zu beantworten, die neuen Fahrgeschäfte probezufahren und immerzu zu lächeln.
Die Wiesn und die Stadt München sind Christian Scharpf nicht fremd: Hier studierte er Jura und trat 2004 seine erste Stelle im Rathaus an, als persönlicher Mitarbeiter des damaligen sozialdemokratischen Oberbürgermeisters Christian Ude. Später arbeitete der 54-Jährige eng mit dem heutigen Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zusammen. 2020 wagte er selbst den Sprung ins Bürgermeisteramt und bewarb sich in Ingolstadt – einer traditionell CSU-lastigen Wählergemeinde – wo er überraschend gewann. Seine Frau, die Kardiologin Stefanie Geith, blieb mit den vier Kindern in München. Er wolle wieder mit seiner Familie zusammenleben, so begründete Scharpf dann seinen Umzug zurück nach München – für den er im Frühjahr sogar seine Amtszeit als OB in Ingolstadt vorzeitig beendete.
Neuer Wiesnchef 2025: Scharpf nimmt den Posten ernst
Er sei ein passionierter Wiesngänger, hatte Scharpf im Vorfeld verlautbaren lassen. 14 von 16 Tage auf dem Oktoberfest, das sei zu Studentenzeiten sein Rekord gewesen. Den wird er dieses Jahr wohl knacken, jobbedingt. Den Posten als Wiesnchef nahm Scharpf beim Presserundgang jedenfalls schon mal ernst. Neben Oberbürgermeister Dieter Reiter, der gemütlich in Jeans und Trachtenjanker gekommen war, trat Scharpf traditionsbewusst in Lederhose und Leinenhemd auf – und mit roter Weste auch noch parteibewusst.
Unter dem blauen Bayernhimmel präsentierte er die neuen Fahrgeschäfte und Ausschänke auf der Wiesn. Da wäre die „Geisterhöhle“, streng genommen eine wiederentdeckte Geisterbahn aus dem Jahr 1965, die neue Isarschänke mit Weißbier und dem kultigen Siebzigerjahre-Getränk „Isarwasser“. Und das Hochkarussell „Montgolfiere“, wo Kinder in Heißluftballons acht Meter nach oben fahren können.
Christian Scharpf kehrt als Musiker auf die Wiesn zurück
Beim Fahrgeschäft „Happy Sailor“ durfte Scharpf mit der Riege aus dem Rathaus – Zweiter Bürgermeister Dominic Krause (Grüne) und OB Dieter Reiter – probefahren. Die 20 Gondeln im Bootdesign bewegen sich dabei nicht nur auf und ab, sondern drehen sich auch im Kreis, wie in einem Sturm auf hoher See. „Er möchte einmal rasant, aber wenn’s zu schnell geht, macht der Christian ein Zeichen“, gab Betreiberin Verena Krug die Anweisung an ihre Angestellten und dann ging es sehr rasant los, und Scharpf klammerte sich an die Halterung.
An vielerlei Stellen trat Christian Scharpf hinter seinen Chef zurück. So etwa an einem Fotopoint vor der Achterbahn „Olympia-Looping“. Ein Holzfass mit Fenster für den Schnappschuss wirbt dort für Münchens Sommerspiele-Bewerbung 2036. „Wir haben was vor für Olympia“, sagte Scharpf und überließ die Bühne OB Reiter, . Oder beim Fahrgeschäft „Skylift“, eine ebenfalls neue Attraktion. 71 Meter hoch fahren die gläsernen Gondeln und bieten einen Panoramablick über die Wiesn und München. „Fohrma heit net?“, fragte Scharpf da seinen Chef, aber der mochte nicht fahren, weil ihm der „Happy Sailor“ noch im Magen lag.
Im Café- und Weinzelt Café Theres‘ durfte Scharpf den Sieger des Liedwettbewerbs „A Liad für d’Wiesn“ verkünden, den die Stadt gemeinsam mit Antenne Bayern veranstaltet hatte. Eine Jury aus Wiesnwirten, Brauern und Musikern hatte zunächst unter den Bewerbern ausgewählt. In der Finalrunde entschied dann das Publikum. Die Wahl fiel auf den Rosenheimer – „der Traum eines jeden Wiesnwirts“, wie Scharpf kommentierte. 36.000 Stimmen hatte der Musiker beim Online-Voting bekommen und damit deutlich gewonnen.
Christian Scharpf will sich zudem selbst musikalisch auf der Wiesn betätigen und in seinem ersten Jahr als Festleiter ein musikalisches Debüt geben. Im Vorfeld hatte er erzählt, dass er Klarinette spiele und früher öfter mit einer Blaskapelle auf der Oidn Wiesn aufgetreten sei. Auch hier will Scharpf zu den Wurzeln zurückkehren und sich dieses Jahr die Zeit nehmen, um im Festzelt zu spielen. Am kommenden Donnerstag wird man ihn in der Boandlkramerei sehen und hören.
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