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„Das war gespenstisch“: Was E-Autofahrer an Ladestationen erlebt haben

Dasing

„Das war vielleicht gespenstisch“: Was E-Autofahrer schon an Ladestationen erlebt haben

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    Philipp Riedel aus München (links) und Andreas Hundseder aus Mering sind überzeugte E-Autofahrer. Das Laden sei kein Problem, versichern beide. Dennoch, die ein oder andere skurrile Situation hat zumindest Familienvater Hundseder schon erlebt.
    Philipp Riedel aus München (links) und Andreas Hundseder aus Mering sind überzeugte E-Autofahrer. Das Laden sei kein Problem, versichern beide. Dennoch, die ein oder andere skurrile Situation hat zumindest Familienvater Hundseder schon erlebt. Foto: Ina Marks

    Die Zeiten, in denen Elektro-Autofahrer noch als seltene, vielleicht auch „gspinnerte“ Spezies galten, sind lange vorbei. Philipp Riedel steckt seinen Tesla an einer der 16 Schnellladesäulen am Bauernmarkt Dasing an der A8 an und lacht, als er sich zurückerinnert. „Im ersten Jahr waren wir alle noch eine eingeschworene Clique. Traf man beim Laden auf andere E-Autofahrer, kam man immer ins Gespräch“, erzählt der 39-jährige Münchner. „Wie ist es bei dir? Klappt alles? Wie weit kommst du mit deinem? Das waren die Themen. Solche Gespräche gibt es kaum noch.“ Funktioniert das elektrische Reisen inzwischen wirklich so reibungslos? Bei einem Ortsbesuch an Ladestationen an der Autobahn 8 trifft man auf entspannte E-Autofahrerinnen und Autofahrer – und auf skurrile Anekdoten. Wie etwa jene vom Brenner, als das Handynetz etlichen Urlaubern in E-Autos einen Strich durch die Rechnung machte.

    „Aktuell bin ich sehr froh, ein E-Auto zu fahren“

    Geräuschlos parkt Rui ihren Tesla rückwärts an die Ladesäule, verbindet das dicke Kabel mit ihrem Auto. Läuft mit dem Strom. Die 31-Jährige läuft auch. In den Bauernmarkt, um sich einen Kaffee zu holen. Für Rui fast schon ein Ritual. Jede Woche pendelt die Frau, die in der Halbleiter-Branche arbeitet, auf der Autobahn 8 zwischen Stuttgart und München, legt viele hundert Kilometer zurück. Der Rastmarkt im Augsburger Umland mit seinen Tesla-Schnellladestationen ist für sie ein fester Haltepunkt. „Aktuell bin ich sehr froh, ein E-Auto zu fahren. Die Spritpreise sind ja so teuer.“ Auch sonst möchte sie das E-Fahrzeug nicht mehr missen. „Es ist unkompliziert, gerade mit den Superchargern bin ich sehr zufrieden. Ich kann überall laden und Zeit für einen Kaffee ist auch etwas Schönes.“ So wie die Geschäftsfrau sind immer mehr Deutsche vom Elektroauto überzeugt.

    Allein im Freistaat Bayern hat sich die Zahl der reinen E-Autos in den vergangenen Jahren vervielfacht. Waren im Jahr 2020 erst 30.571 und 2021 schon 59.549 E-Autos auf den Straßen unterwegs, waren es 2025 bereits 317.954. Auch die Zahl der Hybridfahrzeuge, die sowohl elektrisch als auch mit Verbrenner fahren können, legte stark zu. Im Jahr 2020 fuhren 101.712 Fahrzeuge durchs Land, 2025 waren es bereits 638.080. Nach wie vor aber, auch das gehört zur Realität, machen die elektrischen Fahrzeuge noch immer einen relativ kleinen Teil am gesamten bayerischen Fahrzeugbestand von über 8,4 Millionen Pkw im Jahr 2025 aus. Der Tesla von Rui zählt dazu. Nicht immer war die Fahrt in diesem Auto entspannt, verrät die 31-Jährige mit einem Augenzwinkern.

    E-Auto-Alltag: Disput beim Ehepaar wegen der Reichweite

    „Mein Mann und ich sind einmal mit einem Akkustand von einem Prozent an die Ladesäule gekommen – gerade noch so. Es war Winter, kalt und die Ladekapazität sank schnell.“ Da sei schon ein Disput unter den Eheleuten ausgebrochen. „Mein Mann ist da cooler als ich. Er denkt, mit einem Prozent komme er noch locker an.“ Der Strom hatte noch gereicht, sie hatten Glück. Ein anderer Tesla-Fahrer hingegen nicht.

    Veronika Asam-Zighal gehört zum Geschäftsführer-Trio des Bauernmarktes Dasing. Sie erzählt von der Panne eines Fahrers, der bei ihnen im vergangenen Sommer laden wollte. In der Kurve vor ihrem Rastmarkt, nicht weit von den Ladesäulen entfernt, war der Akku seines Autos plötzlich leer. Nichts ging mehr. „Er rief den Abschleppdienst, der ihn zu einer unserer Ladesäulen transportierte.“

    Denn schieben sollte man ein E-Auto lediglich eine ganz kurze Strecke, etwa um es aus einer Gefahrenzone zu bringen. Laut ADAC dürfen E-Autos auch nicht mit einem Seil auf der eigenen Achse abgeschleppt werden. Der Elektromotor würde dabei Spannungen induzieren, das könnte die Elektronik des Fahrzeugs beschädigen. Asam-Zighal und ihre Kollegen von der Geschäftsführung, Umberto von Beck-Peccoz und Franziska Meitinger, haben weitere Anekdoten auf Lager. Etwa die vom herrenlosen E-Auto.

    Wochenlang hatte ein herrenloses, chinesisches Elektroauto zwei Supercharger-Ladesäulen von Tesla auf dem Parkplatz des Bauernmarkts in Dasing blockiert.
    Wochenlang hatte ein herrenloses, chinesisches Elektroauto zwei Supercharger-Ladesäulen von Tesla auf dem Parkplatz des Bauernmarkts in Dasing blockiert. Foto: Ishak Mecit

    Wochenlang hatte es im Winter gleich zwei Ladesäulen blockiert, weil es zum Laden so ungeschickt geparkt war. Es hatte sich um ein Mietfahrzeug gehandelt. Bei dem Versuch, das Auto zu entfernen, scheiterte die zuständige Mietfirma an der elektronischen Verriegelung. Diese macht ein Wegfahren während des Ladevorgangs unmöglich. Nach fast zwei Monaten war das Auto dann verschwunden.

    Wie dies letztendlich geklappt hatte, wissen die drei Geschäftsführer selbst nicht, da es sich um einen Vorgang zwischen Tesla und der Autovermietung gehandelt hatte. Der Bauernmarkt verpachtet seit rund vier Jahren die Parkfläche an Tesla. Umberto von Beck-Peccoz und seinen Kolleginnen war es wichtig, bei der neuen Mobilitätsentwicklung mit vorne dran zu sein. Zudem passten die 16 Schnellladestationen, die mit Ökostrom betrieben würden, zum Nachhaltigkeitskonzept des Marktes, der Produkte aus der Region anbietet, sagt er. Allein zwischen München und Günzburg sind an der A8 in den vergangenen Jahren immer mehr Ladesäulen entstanden.

    Eine der größten Elektroparks Europas befindet sich an der A8

    Bei Zusmarshausen etwa befindet sich inzwischen eine der größten Elektro-Tankstellen Europas. Insgesamt haben sich in Bayern die Lademöglichkeiten in knapp drei Jahren mehr als verdoppelt. Im Oktober 2025 gab es im Freistaat mehr als 35.000 Ladepunkte, wie aus dem Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur hervorging. Und doch wird die Infrastruktur noch nicht als ausreichend betrachtet.

    So bemängelte der Verband der Automobilindustrie (VDA) Ende vergangenen Jahres, dass das Verhältnis von öffentlichen Ladepunkten zu Elektro-Pkw in Deutschland nahezu unverändert geblieben sei. Das Ausbautempo habe abgenommen. „Es braucht unbedingt wieder mehr Tempo, denn noch immer gibt es Nachholbedarf und zu viele weiße Ladeflecken auf der Deutschlandkarte“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller dazu. Das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher, immer und überall einfach und schnell laden zu können, sei zentral für die Akzeptanz der Elektromobilität. A propos schnell laden. Neben den Tesla-Säulen bietet der Bauernmarkt Dasing selbst auch eine Ladestation an – für E-Bikes. Der Service ist kostenfrei. Das erfreute einen E-Auto-Fahrer. Er hielt sich offenbar für besonders schlau.

    „Dann fand er bei uns in der Tiefgarage eine Steckdose“

    Geschäftsführerin Franziska Meitinger erzählt die kuriose Geschichte. Als eine Firma eine Tagung in den Räumlichkeiten des Bauernmarktes abhielt, schloss jener Teilnehmer sein E-Auto an die Steckdose für die Fahrräder an. „Die Ladesäulen waren zu dem Zeitpunkt aber alle frei.“ Der Mann wollte, ganz Schwabe, wohl Geld sparen. Zwar kam er der Bitte, sein Auto von der E-Bike-Station zu entfernen, nach, „aber dann fand er bei uns in der Tiefgarage eine Steckdose, von deren Existenz wir bis dahin selbst nichts wussten.“ Franziska Meitinger schüttelt lachend den Kopf. Gute Laune herrscht ein paar Kilometer weiter an der Schnellladestation des Anbieters Ionity an der A8-Ausfahrt Friedberg.

    Hier sind um die Mittagszeit fast alle Säulen belegt. Lkw-Fahrer Theo Pougaridis muss einige Male rangieren, bis er rückwärts an einen der letzten freien Supercharger gelangt. Wie ein Fremdling wirkt das wuchtige Fahrzeug ohne Auflieger unter all den aerodynamischen Autos. Seit über 40 Jahren fährt der 60-Jährige bereits Lkw, vor fünf Monaten erst hat ihm sein Arbeitgeber einen Elektro-Lkw vor die Nase gesetzt. Und jetzt? Ist er glücklich.

    Handynetz-Ausfall am Brenner und ein leeres Elektro-Auto: „War richtig deppert“

    „Anfangs war ich skeptisch, aber ich steige aus dem E-Lkw mit einem neuen, anderen Gefühl aus. Die Diesel-Lkw waren so laut. Jetzt habe ich nach einer Fahrt einen freien Kopf. Dieser Lkw beruhigt meine Nerven.“ Auch Andreas Hundseder, der ein paar Säulen weiter seinen Tesla lädt, spricht von einem entspannteren Fahren. „Früher fuhr ich gerne zügig, jetzt freut sich meine Frau, dass ich langsamer unterwegs bin.“ Schnelles Fahren leert nun mal die Batterie rascher. Und die Lade-Infrastruktur in Deutschland, die finde er nach wie vor sch..., wie er deutlich sagt. „In Dänemark bietet jeder zweite Supermarkt Schnellladesäulen an. Da hinken wir total hinterher.“ Die ein oder andere Anekdote aus seinem E-Autofahrer-Leben hat der 59-Jährige auch parat. Etwa, wie sein Tesla nach einem Ladevorgang keinen Mucks mehr von sich gab und der Touchscreen des Fahrzeugs schwarz blieb.

    Hundseder rief sofort beim Hersteller an. Per Remote wurde sein Auto wieder zum Laufen gebracht. „Das war vielleicht gespenstisch, aber es funktionierte.“ Unvergesslich ebenso der Zwischenfall am Brenner. Hundseder und seine Familie befanden sich auf der Rückreise vom Italienurlaub, der Meringer wollte dort an der Station laden. Doch das Handynetz war komplett ausgefallen. Fatal, da man oft nur über eine Handyapp den Ladevorgang starten kann. „Wir standen mit zig anderen E-Auto-Fahrern über zwei Stunden und nichts ging. Das war richtig deppert.“ Trotz solcher kleinen Zwischenfälle ist Hundseder überzeugter E-Autofahrer: „Ich werde keinen Liter Benzin mehr verbrennen.“ (mit mke und jako)

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