Es war ein treuer Begleiter der vergangenen Verkehrsministerkonferenzen: das Deutschlandticket. Anfangs von einigen wenig geschätzt, weil für den Steuerzahler teuer, haben die Verkehrspolitiker das erfolgreichste Nahverkehrsticket des Landes inzwischen ins Herz geschlossen. Mehr als 14,6 Millionen Kunden sind schließlich eine Wucht, die will man ungern enttäuschen. Genau das könnte aber in den kommenden Jahren passieren – allerdings nicht wegen des Preises für das Deutschlandticket. Das hat die Konferenz der Verkehrsminister in Lindau gezeigt.
Das haben die Verkehrsminister zum Deutschlandticket beschlossen
Das Deutschlandticket wurde zum 1. Mai 2023 eingeführt und gilt im ganzen Land in nahezu allen Nahverkehrsmitteln (Bus, Bahn, Tram) in der zweiten Klasse. Es ist ausschließlich im monatlich kündbaren Abo erhältlich und wurde Ende 2025 von 14,6 Millionen Menschen genutzt. Anfangs kostete es 49 Euro pro Monat, seit Januar sind es 63 Euro. Bund und Länder zahlen drei Milliarden Euro jährlich an die Verkehrsunternehmen, um deren Verluste auszugleichen. Lange war die Preisgestaltung ein politisches Tauziehen, das soll jetzt vorbei sein. Unter dem Motto „Mathematik statt Politik“ wird die jährliche Preissteigerung errechnet, wesentliche Faktoren für diese Formel sind Personal, Energie und allgemeine Kosten. Was das unterm Strich kommendes Jahr ausmachen wird, darauf wollte sich in Lindau kein Verkehrspolitiker festlegen. Spätestens am 30. September sollen Bahnkunden aber den Preis des Tickets im neuen Jahr kennen. Saarlands Verkehrsministerin Petra Berg (SPD) glaubt: „Der Preis bleibt attraktiv.“
Die Einführung des Tickets hat die Regionalzüge im Land zu unschlagbar günstigen Verkehrsmitteln gemacht – gerade in Städten wie München oder Augsburg, in denen die Fahrgäste so problemlos zwischen Bussen und Bahnen wechseln können. Doch den Ländern, welche die Regionalzüge als Rückgrat dieses Systems finanzieren, droht finanziell die Puste auszugehen. Jetzt präsentierten sie Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die Rechnung. Bis 2031 wollen sie zusätzlich 14 Milliarden Euro. Andernfalls würden Züge abbestellt, so Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Sein Kollege aus Baden-Württemberg, Winfried Herrmann (Grüne), sprach sogar von Abbestellungen in großem Stil, die bundesweit drohten.
Weil das Geld fehlt: Länder drohen damit, Regionalzüge zu streichen
Bundespolitiker Schnieder zeigte sich einigermaßen überrascht über die Höhe der Forderung, die er wohl im Falle des Falles Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) übermitteln müsste. Er könne die Summe jetzt inhaltlich nicht bewerten, so Schnieder, betonte aber das gemeinsame Interesse an einem funktionierenden Angebot. „Keinem ist damit gedient, wenn man Züge abbestellt.“
Doch das stetig wachsende Regionalzugangebot – allein in Bayern stieg es in den vergangenen 30 Jahren um mehr als 60 Prozent – ist nicht nur aus finanziellen Gründen bedroht. Zu schaffen macht ihm auch das bundesweit marode Streckennetz, in dessen Sanierung in den kommenden Jahren Milliarden gesteckt werden müssen. Weil zugleich internationale Anbieter auf den deutschen Markt drängen, die ebenso wie die Deutsche Bahn mit attraktiven Fernverbindungen zwischen den großen Städten Kasse machen wollen, drohen die Regionalzüge und damit die Anbindung kleinerer Orte unter die Räder zu kommen.
Das würden sich die Verkehrsminister der Länder keinesfalls gefallen lassen, sagte Bernreiter, der zugleich Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz ist, in Lindau unserer Redaktion. Er und seine Kollegen würden im Clinch mit Bund und Bahn hart bleiben. „Wir müssen da weiter Druck machen.“
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