Die Deutschen stehen im Ruf, Sparweltmeister zu sein: Schwierige wirtschaftliche Lage hin oder her, Geld wird weiterhin fleißig zurückgelegt. Das Geldvermögen der Bundesbürger ist 2025 auf über zehn Billionen Euro gestiegen. In einem internationalen Vergleich rangieren die Deutschen auf Platz 2, gleich hinter den Schweizern. Die Bayerinnen und Bayern sind dabei besonders tüchtige Sparer, das geht aus einer neuen Studie der Commerzbank hervor.
Tatsächlich ist die finanzielle Situation vieler Bayerinnen und Bayern nach wie vor gut. Laut der Commerzbank-Umfrage sagen 23 Prozent der befragten Sparer im Freistaat, dass sie am Monatsende immer Geld übrighaben, das sind fünf Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. Ganz gehen die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen aber nicht an der Bevölkerung vorbei: Denn 18 Prozent sagen, dass sie am Monatsende nie Geld übrighaben, vor zwei Jahren waren es erst 14 Prozent. Der Rest befindet sich dazwischen. Die Schere geht immer stärker auseinander. „In vielen Haushalten muss inzwischen knapp kalkuliert werden“, sagt Helmut Grob, Regionalleiter der Commerzbank. Wer aber Geld übrig hat, legt es häufig auf die hohe Kante.
51 Prozent der Bayern sparen regelmäßig – mehr als in allen anderen Bundesländern
Zählt man die regelmäßigen Sparer, erreicht Bayern im Bundesvergleich den Spitzenwert. 51 Prozent der Befragten geben an, dass sie regelmäßig Geld sparen. Auch der durchschnittliche monatliche Sparbetrag in Bayern ist gestiegen. Zwei Drittel der Sparerinnen und Sparer legen mehr als 100 Euro im Monat zurück, bei einem Drittel sind es sogar 250 Euro oder mehr. „Der häufigste Grund ist, Rücklagen zu bilden oder Vermögen für das Alter aufzubauen“, sagt Grob.
Galten lange Zeit das Sparbuch oder Tages- und Festgeld als die beliebtesten Anlageformen der Deutschen, kommt in dieses Feld Bewegung: Die Sparer sind deutlich aufgeschlossener für Fonds und Aktien. „Immer mehr Sparer erkennen die Vorteile von Wertpapieren“, sagt Grob. Auch hier liegt der Freistaat mit an der Spitze: „In Bayern besitzen 60 Prozent der Befragten Wertpapiere, in Deutschland sind es im Schnitt 50 Prozent“, berichtet die Commerzbank. Immer mehr investieren in Sparpläne, nämlich 35 Prozent. Vor zwei Jahren waren es erst 21 Prozent. Aktien und Fonds sind dabei die beliebteste Anlageform bei den Wertpapieren. „Dies spiegelt auch den Aufschwung an der Börse wider“, sagt Grob. Einen regelrechten Boom hätten ETFs erlebt. Diese sogenannten Exchange Traded Funds bilden einen kompletten Aktienindex nach, etwa den deutschen Aktienindex Dax oder den Weltindex MSCI World. „ETFs sind eine breit gestreute Anlage und sehr transparent“, sagt Grob. Doch es gibt auch Kritik an ihnen.
Helmut Grob, Regionalleiter der Commerzbank: „Renditechancen für Anleger, die Schwankungen aushalten“
Im Weltindex MSCI World beispielsweise nehmen US-Konzerne mit rund 70 Prozent einen sehr großen Anteil ein. Besondere Schwergewichte sind Tech-Konzerne wie die Google-Mutter Alphabet, der Facebook-Konzern Meta, Amazon, Microsoft oder der Chip-Hersteller Nvidia. „Eine Lösung für dieses Ungleichgewicht ist es, seine Anlage breiter zu streuen und andere Fonds ins Portfolio zu nehmen, die zum Beispiel auf Europa oder auf mittelständische Unternehmen setzen“, rät Grob. Trotz aller Schwankungen sind Investitionen in den Aktienmarkt für ihn bisher aber die beste Strategie.
„Wer vor zehn Jahren begonnen hätte, monatlich 100 Euro mit einem Sparplan in weltweite Aktien zu investieren, läge heute bei einem Wert von 21.500 Euro“, rechnet Grob vor. Man käme auf rund 9000 Euro Rendite. Allerdings gab es in der Corona-Krise und dem Ukraine-Kriegsausbruch auch Einbrüche. „Wer langfristig bereit ist, solche Schwankungen auszuhalten, kann diese Renditechancen nutzen“, sagt Grob deshalb. Braucht ein Anleger mehr Sicherheit, sei es besser, nur einen kleineren Teil des Ersparten an der Börse zu investieren.
Die Generation Z ist besonders aufgeschlossen für ETFs
Für einen Teil der Sparer ist die Börse aber auch heute keine Option. Sie geben überwiegend an, dass sie sich zu wenig über die Börse auskennen oder ihnen die Produkte zu komplex sind. Ein kleinerer Teil scheut das Risiko oder bemängelt die anfallenden Kosten. Recht aufgeschlossen gegenüber der Börse ist dagegen die junge Generation.
In der Generation Z der zwischen 1997 und 2012 Geborenen sind laut der Commerzbank-Studie ETFs heute die beliebteste Anlageform, gefolgt von Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und schließlich Kryptowährungen. Immerhin 65 Prozent aus dieser Generation können zwischen 50 und 250 Euro im Monat zurücklegen.
Noch mehr Schub erwartet man sich bei der Commerzbank durch die geplante Frühstartrente der Bundesregierung, bei der der Staat zehn Euro pro Monat und Kind für ein Depot zuschießt. „Das Schöne ist, dass Kinder einen langen Anlagehorizont haben, über den das angelegte Geld wachsen kann“, sagt Grob.
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