Steigende Lebenshaltungskosten und die damit verbundene Inflation belasten derzeit viele Haushalte in Deutschland und zählen laut der R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ zu den größten Sorgen der Bevölkerung. Die damit verbundenen Zukunftsängste haben nicht nur Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des eigenen Landes, wie das Portal marktforschung.de festhält, sondern auch auf die privaten Haushalte.
So geben 27 Prozent der 1007 Befragten in einer am 2. März 2026 veröffentlichten Erhebung des Markt- und Sozialforschungsinstituts Ipsos für die ING-Direktbank an, kein Geld auf der hohen Kante zu haben. Viele der befragten Bankkunden ohne Ersparnisse berichten, dass ihr Einkommen zu gering sei, um Rücklagen bilden zu können. Damit stellt sich die Frage: Verdienen deutsche Arbeitnehmer angesichts steigender Kosten zu wenig?
Gehalt: Verdienen die Deutschen zu wenig, um regelmäßig Geld zurücklegen zu können?
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der aktuellen Ipsos-Umfrage nennen ein zu geringes Einkommen als Hauptgrund für ihr zurückhaltendes Sparverhalten: Etwa 47 Prozent der Haushalte ohne Ersparnisse führen dies darauf zurück. Rund sechs Prozent geben zudem an, dass steigende Preise sie dazu gezwungen haben, ihre Rücklagen für den Alltag zu nutzen. Aber wie viel verdienen die Deutschen eigentlich?
Das Statistische Bundesamt teilt mit, dass Vollzeitbeschäftigte in Deutschland im April 2025 durchschnittlich 4784 Euro brutto verdient haben. Dabei hätten rund zwei Drittel der Beschäftigten Monatsgehälter bezogen, die geringer als das Durchschnittsgehalt gewesen seien. Der Anteil dieser sogenannten Geringverdiener, die einem Vollzeitjob nachgehen, liegt nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bei etwa 20 Prozent.
Finanzielle Sorgen scheinen in der deutschen Bevölkerung laut den Ergebnissen der Ipsos-Studie weitverbreitet: Fast jeder fünfte Befragte gab dort an, wegen Geldproblemen nachts wachzuliegen. Ein Viertel der Befragten erklärte überdies, in den vergangenen zwölf Monaten eine finanzielle Entscheidung getroffen zu haben, die sie heute bereuen.
Gibt es ein Ungleichgewicht zwischen dem Sparverhalten und dem tatsächlichen Vermögen?
In Deutschland gibt es laut der Ipsos-Studie ein deutliches Ungleichgewicht zwischen dem Sparverhalten der Bevölkerung und dem tatsächlichen Vermögen. So erreichte das gesamte Geldvermögen der privaten Haushalte laut der Deutschen Bundesbank im dritten Quartal 2025 einen neuen Höchststand von knapp 9,4 Billionen Euro.
Das Vermögen ist jedoch ungleich verteilt. Etwa die Hälfte entfällt laut dpa-Meldung auf die vermögendsten zehn Prozent der Haushalte, also rund vier Millionen Familien. Am unteren Ende der Skala befinden sich rund 20 Millionen Haushalte, die zusammen nur acht Prozent des Geldvermögens besitzen. Die Möglichkeit, regelmäßig Geld zurückzulegen, hängt stark vom Einkommen und der Vermögensstruktur ab. Reiche Haushalte können einen wesentlich höheren Anteil ihres Einkommens zurücklegen als einkommensschwache Haushalte.
Gegensätzliche Studienergebnisse: Sparen die Deutschen mehr oder weniger?
Interessant ist jedoch auch ein neuer Trend: Wie die Studie festhält, geben erstmals mehr Menschen an, keine Ersparnisse zu haben, weil sie ihr Geld für Konsum ausgeben, obwohl Sparen möglich wäre. Dieser Anteil stieg von fünf auf neun Prozent der Befragten ohne Rücklagen. Und das, obwohl hohe Lebenshaltungskosten die Geldbeutel zusätzlich belasten. Dieses Phänomen sei jedoch häufiger bei Haushalten mit höherem Einkommen aufgetreten.
Allerdings: Der Konsumklima-Index berichtet im Gegensatz dazu, dass die Sparneigung in diesem Jahr auf einen neuen Höchstwert seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 geklettert ist. Demnach würden die Deutschen eher zum Sparen geneigt – unter anderem aufgrund anhaltender weltpolitischer Krisen. Die dpa spricht hingegen davon, dass die Deutschen 2025 „nach wie vor fast weltmeisterlich“ gespart, aber nicht mehr so viel Geld zurückgelegt hätten wie noch 2024.
Wie sind die Ergebnisse der Ipsos-Studie also einzuordnen? Da das Meinungsforschungsinstitut im Dezember 2025 lediglich einige Bankkunden befragt hat und der soziodemografische Hintergrund sowie die Altersstruktur der Befragten unklar bleiben, ist fraglich, inwiefern die Befragung repräsentativ für die gesamtdeutsche Bevölkerung ist. Die gegensätzlichen Beobachtungen beim Sparverhalten der Deutschen können sich somit möglicherweise durch unterschiedliche Stichproben erklären. Trotz der aktuell widersprüchlichen Studienlage zeichnet sich für die Bundesrepublik doch ein Stimmungsbild ab: Finanzielle Unsicherheiten prägen den Alltag vieler Haushalte in Deutschland.
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