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Diese Politiker aus Schwaben hatten einst viel Macht

Bayerns Politiker

Kennen Sie diese einst mächtigen Politiker aus Schwaben noch?

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    Georg Schmid führte einst die CSU-Fraktion im bayerischen Landtag, bevor seine Karriere abrupt endete.
    Georg Schmid führte einst die CSU-Fraktion im bayerischen Landtag, bevor seine Karriere abrupt endete. Foto: Andreas Gebert, dpa (Archivbild)

    Anmerkung der Redaktion: Dieser Text zählt bei unseren Leserinnen und Lesern zu den beliebtesten Stücken und wird deshalb immer wieder ausgespielt.

    Sie machten Politkarriere, manche schrieben Geschichte, andere fielen tief: Aus Bayerisch-Schwaben haben es einige Politikerinnen und Politiker auf die große Bühne geschafft. Auch wenn manche von ihnen vielleicht schon vergessen sind, spielten sie zumindest eine Zeit lang eine wichtige Rolle in Deutschland oder Bayern. Wir haben einige von ihnen gesammelt.

    • Josef-Ferdinand Kleindinst

    Er gehört zu den Vätern des Grundgesetzes, obwohl er prominent dagegen gestimmt hat: Der 1881 in Mering geborene Josef-Ferdinand Kleindinst arbeitete jahrelang als einer der Spitzenbeamten in der Augsburger Stadtverwaltung, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ihm die Ehre zuteil, als eines der Mitglieder des parlamentarischen Rates am Grundgesetz der neuen Bundesrepublik mitzuarbeiten. Und in diesen Kreisen verdient sich Kleindinst seine Sporen: Nach Abschluss bittet ihn Bundeskanzler Konrad Adenauer gar, eine Chronik des parlamentarischen Rates zu schreiben. Dabei war Kleindinst eines von fünf Mitgliedern, das vor Verabschiedung des Grundgesetzes dagegen gestimmt hatte. Er fürchtete, dem Bund komme in dem föderalen System weiterhin zu viel Macht zu. Inzwischen ist Kleindinst selbst in Augsburg kaum noch bekannt, auch die von ihm verfasste Chronik wurde nie veröffentlicht. 1962 starb er in der Vorstadt Stadtbergen.

    • Georg Schmid

    Hier könnte die Erinnerung vielen sicher noch am leichtesten fallen, ist Schmids politische Karriere doch erst wenige Jahre passé. 2013 endete diese von einem Tag auf den anderen, Schmid fiel so tief, wie kaum ein anderer Politiker zuvor in Schwaben. Zu diesem Zeitpunkt gehörte der damals 60-Jährige zum absoluten Spitzenpersonal der CSU, leitete die Fraktion im Bayerischen Landtag, hatte einige Parteiämter inne und zuvor als Staatssekretär fungiert. Dann kam heraus: Jahrelang hatte der Donauwörther seine Frau beschäftigt. Damit verbunden waren mehrere Hunderrtausend Euro an hinterzogenen Sozialabgaben, Schmid wurde angeklagt und zu über einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Schon zuvor war er von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Heute arbeitet er als Selbstständiger.

    • Eduard Oswald

    Der Augsburger Eduard Oswald hat es unter Helmut Kohl sogar ins Bundeskabinett geschafft: Ende der Neunziger wurde der CSU-Politiker zum Bundesbauminister. Dieses Amt hatte er 1998 zwar weniger als ein Jahr lang inne, bevor Kohls Regierung noch im selben Jahr abgewählt wurde. Oswald blieb dem Bundestag allerdings erhalten, leitete mehrere Ausschüsse und wurde schließlich noch einmal Bundestagvizepräsident. 2013 schied er schließlich im Alter von 66 Jahren aus dem Politgeschäft aus. Inzwischen ist er Vorsitzender der Vereins Pro Mobilität, er lebt in Dinkelscherben im Augsburger Land.

    • Thusnelda Lang-Brumann

    So ganz vergessen ist die 1880 in Augsburg geborene CSU-Politikerin nicht, schließlich ist in München noch eine Straße nach ihr benannt. Die Landeshauptstadt war auch tatsächlich der Hauptwirkungsort der studierten Lehrerin, die heute als eine der Wegbereiterinnen für Frauen in der CSU und der bayerischen Politik gelten darf. Politisch vor dem Zweiten Weltkrieg aktiv im Münchner Stadtrat, war sie nach dem Krieg maßgeblich an der Gründung der Frauenarbeitsgemeinschaft in der CSU beteiligt –dem Vorläufer der heutigen Frauenunion in der CSU. Bis 1953 stand sie diesem vor, im selben Jahr starb sie in München, 2021 erhielt sie ihre eigene Straße.

    • Fritz Schäffer

    Zugegeben, der erste bayerische Ministerpräsident nach dem Zweiten Weltkrieg kann kaum als „Schwabe“ bezeichnet werden – enge Verbindungen in den Bezirk Schwaben hat Fritz Schäffer dennoch. 1888 in München geboren, besuchte er rund um den Jahrhundertwechsel eben dort sowie in Ingolstadt und Neuburg an der Donau die Schule. Prägende Jahre verbrachte er damit also an der Donau – zu einer Zeit, als Neuburg noch dem Bezirk Schwaben zugerechnet war. Spannender als die bayerischen Verwaltungseinheiten ist jedoch Schäffers Biographie: Schon Anfang der Jahrhunderts politisch aktiv, geriet er bei den Nazis immer wieder in Ungngade und wurde mehrfach inhaftiert. Dennoch gilt er zur Zeit der Entnazifizierung nach dem Krieg als wenig verdient: Nur wenige Monate nach seiner Installation als Ministerpräsident demontierten ihn die US-Amerikaner wieder und warfen ihm vor, den Beamtenapparat nur unzureichend von Nationalsozialisten befreit zu haben. Später wurde der CSU-Politiker Bundesfinanzminister und anschließend -justizminister unter Konrad Adenauer. 1967 starb er in Berchtesgaden.

    • Bruno Merk

    Daran, dass das eben erwähnte Neuburg an der Donau heute nicht mehr zu Schwaben, sondern zu Oberbayern gehört, hat unter anderem Bruno Merk einen großen Anteil. Der Großkötzer aus dem Landkreis Günzburg war von 1966 bis 1977 bayerischer Innenminister und somit unter anderem für die Gebietsreform in Bayern zuständig. Diese reduzierte die Anzahl der Gemeinden von 7004 auf 2050, der Landkreise von 143 auf 71 und der kreisfreien Städte von 48 auf 25. Auch das Olympia-Attentat 1972 fiel in seine Amtszeit, Merk leitete damals den Krisenstab und bot sich als Ersatzgeisel an. Im hohen Alter trat er aus der CSU aus, 2013 starb er im Alter von 90 Jahren.

    • Anton Jaumann

    Rekordverdächtig lang führte der Belzheimer Anton Jaumann das bayerische Wirtschaftsministerium. Von 1970 bis 1988 leitete der aus dem nördlichen Ries stammende Jurist das Ressort unter gleich zwei verschiedenen Ministerpräsidenten, genoss sowohl das Vertrauen von Alfons Goppel als auch von Franz-Josef Strauß. 32 Jahre lang für die CSU Mitglied des Landtags, amtierte er vor seiner Zeit als Minister noch als Staatssekretär, als Minister war er unter anderem maßgeblich am Bau des heutigen Münchner Flughafens beteiligt. 1994 starb er mit 66 Jahren in München.

    Der Grüne Fritz Kuhn wuchs in Memmingen auf und machte in Stuttgart Karriere.
    Der Grüne Fritz Kuhn wuchs in Memmingen auf und machte in Stuttgart Karriere. Foto: imago images/Lichtgut
    • Fritz Kuhn

    An den ehemaligen Stuttgarter Oberbürgermeister dürfte die Erinnerung noch recht lebendig sein – bei Fritz Kuhn ist jedoch nicht gerade augenfällig, dass er als Größe der schwäbischen Politik betrachtet werden darf. Seine Geburtsstadt Bad Mergentheim ist fränkisch geprägt und liegt in Baden-Württemberg, der Grüne Kuhn war Mitglied des Stuttgarter Landtags, vertrat den Wahlkreis Heidelberg im Bundestag und regierte anschließend die baden-württembergische Hauptstadt. Und doch: Kuhn ist in Bayerisch-Schwaben aufgewachsen, ging hier zur Schule, absolvierte sein Abitur in Memmingen. Viele Verbindungen hat er zudem zur Augsburgerin Claudia Roth, mit der er einst die Grünen führte. 2021 endete seine Zeit als Oberbürgermeister in Stuttgart.

    • Beate Merk

    Den Namen, aber nicht die Verwandtschaft mit oben genanntem Bruno Merk, teilt die frühere bayerische Justiz- und Europaministerin Beate Merk. 1957 im niedersächsischen Nordhorn geboren, studierte Merk schließlich in Bayern. Ihr Weg führte sie dann aus München und Würzburg weiter in Richtung Schwaben: Zunächst arbeitete sie als Beamte in der Neu-Ulmer Stadtverwaltung, 1994 wurde die CSU-Politikerin Oberbürgermeisterin der Kreisstadt an der baden-württembergischen Grenze. Dieses Amt hatte sie bis zu ihrem Aufstieg ins bayerische Kabinett inne: 15 Jahre diente sie unter vier Ministerpräsidenten: Zunächst als Justizministerin unter Edmund Stoiber, Günther Beckstein und Horst Seehofer, dann als Europaministerin weiterhin unter Seehofer und schließlich Markus Söder. 2023 schied sie im Alter von 66 Jahren aus dem Landtag aus.

    • Rudolf Zorn

    Abgesehen von Fritz Kuhn fanden sich in dieser Liste bislang nur CSU-Politiker – der Kemptener Rudolf Zorn hingegen saß 1946 und 1947 als Wirtschaftsminister und 1951 bis 1953 als Finanzminister in der bayerischen Regierung. In beiden Amtszeiten agierte er unter dem CSU-Ministerpräsidenten Hans Ehard, der zwei Mal eine Koalition mit der SPD bildete – zu der auch Zorn gehörte. Zorn starb 1966 im Alter von 72 Jahren in München, seine letzte Ruhestätte findet sich aber in seiner Heimatstadt Kempten.

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