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Droht auch an bayerischen Schulen ein Qualitätsverlust?

Schule

Weniger rechnen, einfachere Lektüre: Droht auch in Bayern ein Qualitätsverlust an Schulen?

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    Die Leistung vieler Schülerinnen und Schüler nimmt ab. Bayerische Schulen sollen aber ihre Qualität behalten.
    Die Leistung vieler Schülerinnen und Schüler nimmt ab. Bayerische Schulen sollen aber ihre Qualität behalten. Foto: Frank Molter, dpa (Symbolbild)

    So schlecht wie in der jüngsten Pisa-Studie haben Deutschlands Schülerinnen und Schüler noch nie abgeschnitten. Besonders in den Bereichen „Lesekompetenz“ und „Mathematik“ habe es einen „Abfall der Leistungen in einem noch nie zuvor gesehenen Ausmaß“ gegeben, heißt es aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Einige Bundesländer reagieren mit Reformen, schrauben aber die Leistungsanforderungen herunter. Auch die bayerische Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) erklärte, die Lehrpläne müssten „entschlackt“ werden. Droht also auch in Bayern ein schulischer Qualitätsverlust?

    Während also die Leistungen sehr vieler Schülerinnen und Schüler auf Talfahrt gehen, reformiert Niedersachsen das Rechnen in der Grundschule: Die schriftliche Division, die zu den komplexesten der schriftlichen Rechenarten zählt, wird aus dem Lehrplan gestrichen. Stattdessen werden größere Zahlen nach dem Kopfrechenprinzip zerlegt: 124 durch 4 wäre dann 120 durch 4 plus 4 durch 4. Komplexere Verfahren sollen erst an der weiterführenden Schule gelehrt werden.

    Darum hält Bayern an schriftlicher Division fest

    Das niedersächsische Kultusministerium betont, es sei gut, wenn Kinder verschiedene Strategien zum Teilen erlernen. Man berufe sich auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz, wonach die schriftliche Division nicht zu den erforderlichen Kompetenzen in der Primarstufe zähle. Weitere Bundesländer wollen folgen.

    In Bayern wird hingegen an dem Rechenverfahren festgehalten: Die schriftliche Division sei ein „wichtiger Beitrag zum systematischen Aufbau mathematischer Kompetenzen“ und „grundlegende Voraussetzung für den Mathematikunterricht an der weiterführenden Schule“, erklärt das bayerische Kultusministerium auf Nachfrage unserer Redaktion. Und das werde sich kurzfristig nicht ändern: „Bayern hält uneingeschränkt an seinem hohen Qualitätsanspruch in der Bildung fest.“ Doch wie steht es um die Lesekompetenz und den Umgang mit anspruchsvoller Literatur?

    Wird auch in Bayern Goethe in einfacher Sprache gelesen?

    Während an einigen Gymnasien in Berlin Werke von Schiller, Goethe und Lessing unterstützend in einfacher Sprache gelesen werden, urteilt das bayerische Kultusministerium: „Die Verwendung von Textausgaben klassischer Werke in vereinfachter Sprache ist an den bayerischen Gymnasien nicht üblich. Dies widerspräche auch den Anforderungen, die insbesondere in der gymnasialen Oberstufe im Fach Deutsch gestellt werden.“ Offenbar deckt sich die schulische Realität allerdings nicht immer mit den Wünschen des Kultusministeriums.

    An bayerischen Gymnasien sei es „schon lange“ Praxis, bei Goethe und Schiller auf „Graphic Novels“ (also Comics) zurückzugreifen, erklärt Angelika Altenthan, Gymnasiallehrerin und Hauptpersonalrätin bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie sieht keinen Nachteil in der Verwendung von vereinfachter Lektüre – diese könne einen Zugang zur Literatur schaffen und motivieren. Beinahe jede Lehrkraft weiche gelegentlich auf einfachere Sprachmodelle aus.

    Auch Schüler für klassische Literatur in einfacher Sprache

    Das habe auch pragmatische Gründe, erklärt Altenthan: „Wenn ich in der Oberstufe anspruchsvolle Literatur im Originalwortlaut als Hausaufgabe aufgebe, dann kann ich davon ausgehen, dass ein hoher Prozentsatz das nicht liest.“ Man könne nicht „die höchste Qualität fordern, wenn der Graben zwischen Leistung und Erwartung immer weiter zunimmt“, sagt sie. Die Schülerinnen und Schüler müssten Texte und Aufgaben verstehen. Wenn Literaturversionen in einfacher Sprache dabei unterstützen könnten, sei das „unbedingt ratsam“.

    Ähnlich argumentiert Lukas Berger, Landesschülersprecher der Gymnasien. „Wenn wir im Unterricht ein Buch lesen, schauen wir uns auch eine Zusammenfassung auf YouTube an.“ Es spreche nichts dagegen, wenn einfache Lektüre den Zugang zum „Faust“ erleichtere – ersetzen solle sie das Original aber nicht. Klassische Literatur sei wichtig, um sich auf die „wissenschaftliche Lektüre im Studium“ vorzubereiten, findet Berger.

    Bayerisches Kultusministerium: „Keine Absenkung des Anforderungsniveaus“

    „Viele Schüler fragen sich: Wofür brauche ich das später mal? Aber da ist nicht das Bewusstsein vorhanden für die Fähigkeiten, die man dadurch erlernt“, sagt der 18-Jährige. Seine Einschätzung: Nicht die Texte von Goethe oder Thomas Mann stünden im Vordergrund, sondern analytische Fähigkeiten, die beim Lesen trainiert würden. Ohnehin macht das bayerische Kultusministerium klar: Es werde „keine Absenkung des Anforderungsniveaus in den verschiedenen Fächern und Schularten“ geben. Schülerinnen und Schüler sollten zur Selbstständigkeit und Verantwortungsübernahme erzogen werden, so die Begründung. Dass klassische Literatur in einfacher Sprache in Bayern die Originalfassung verdrängt, ist also ebenso unwahrscheinlich wie die Streichung der schriftlichen Division aus dem Grundschullehrplan.

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