Bayern kann aufatmen – zumindest fast: Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland sind große Teile des Freistaats aus dem Rennen, wie die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) kürzlich bekannt gab. Doch eine vollständige Entwarnung gibt es bisher nicht: Einige wenige Regionen sowie ein Gebiet an Bayerns Grenzen kommen nach wie vor als Standort für ein mögliches Atommüll-Endlager infrage. Welche Orte in Bayern weiter geprüft werden und wie die Suche nach dem Endlagerstandort jetzt weitergehen – das ist das Wichtigste zur Endlagerdebatte:
Was ist der aktuelle Stand bei der Suche nach einem Endlager in Bayern und der Region?
Am vergangenen Montag präsentierte die BGE ihren aktuellen Arbeitsstand auf der Suche nach einem künftigen Atommüll-Endlager. „Aus Bayern bleiben nur noch wenige Orte übrig“, teilt Pressesprecherin Monika Hottop gegenüber unserer Redaktion mit. Bereits 2024 konnten weite Teile Bayerns als „ungeeignet“ oder „gering geeignet“ markiert werden. Die BGE konzentriere sich nun darauf, die 90 Teilgebiete, die bundesweit als vielversprechend identifiziert wurden, deutlich einzuengen und schloss den Großteil der Gebiete in Bayern aus, so Hottop.
Gibt es noch Regionen in Bayern, die als mögliche Standorte gelten?
In Bayern gibt es weiterhin Gebiete – wenn auch wenige – in denen ein Atommüll-Endlager entstehen könnte. Das betrifft nach Angaben der BGE in Schwaben insbesondere den Nordosten des Landkreises Günzburg, um Leipheim, Bubesheim, Bibertal, Günzburg und Karlshof. Im Landkreis Neu-Ulm werden Flächen im Norden bei Bellenberg, Vöhringen, Senden, Weißenhorn, Pfaffenhofen, Holzheim, Neu-Ulm, Nersingen und Elchingen geprüft. Dazu kommt ein südöstlicher Zipfel des Landkreises Dillingen bei Bächingen und Gundelfingen. Weitere Gebiete finden sich in der Oberpfalz, in Niederbayern und in Oberfranken. Oberbayern und das Allgäu wurden bereits vollständig ausgeschlossen.
Auf der Internetseite der BGE können Interessierte den Endlagersuche-Navigator nutzen und über ihre Postleitzahl Daten zum Stand der Arbeit für die jeweiligen Kommunen abrufen. Lediglich die türkisfarbenen Flächen kommen noch infrage.
Welche Grenzgebiete sind noch im Rennen?
Laut BGE wird an Bayerns Grenzen lediglich ein weiteres Gebiet weiter bei den Untersuchungen für ein Endlager berücksichtigt. Dieses befindet sich auf Höhe Ulm und erstreckt sich in Baden-Württemberg bis auf die Schwäbische Alb hinauf, ihre Randgebiete sowie entlang der Donau.
Warum kommt fast ganz Bayern nicht mehr für ein Endlager infrage?
Beinahe alle Regionen in Bayern sind im Rahmen des laufenden Prüfverfahrens ausgeschieden, weil sie die beiden Kriterien der aktuellen Phase nicht erfüllen konnten, erläutert Monika Hottop von der BGE. „Im ersten Schritt schauen wir, ob die Flächen überhaupt groß genug sind – das ist die quantitative Prüfung. Danach folgt die Qualitätsbewertung: Hier wird geprüft, ob das Gestein möglichst dicht und stabil ist, um ein Endlager über sehr lange Zeit sicher einzuschließen.“ Die meisten bayerischen Gebiete erfüllen diese Kriterien nicht. Deshalb werden dort keine Endlager entstehen.
Könnten am Ende der Untersuchung alle möglichen Standorte in Deutschland ausscheiden?
Dass sich alle untersuchten Gebiete als ungeeignet erweisen, hält die BGE für unwahrscheinlich. „Dafür ist die Geologie in Deutschland zu gut“, erklärt Monika Hottop. In Deutschland gebe es alle drei sogenannten Wirtsgesteine – Ton, Salz und Granit. Länder, wie Finnland und Schweden, hätten lediglich eine Gesteinssorte und bereits Endlagerorte gefunden, so Hottop.
Wie geht das Suchverfahren für das Endlager weiter und was bedeutet der Ausschluss großer Teile Bayerns für die bundesweite Standortsuche?
„Wir erwarten, dass die übrigen Gebiete in Bayern jetzt rasch weiter geprüft und aus dem weiteren Verfahren ausgeschlossen werden“, teilte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber als Reaktion auf den neuen Zwischenstand mit.
Laut der BGE soll die Prüfung der Flächen, die in Bayern noch als Endlager infrage kommen, bis Mitte 2026 abgeschlossen sein. Anschließend sollen konkrete Standortregionen benannt und dem Bundestag vorgeschlagen werden – bis voraussichtlich Ende 2027. Der Bundestag entscheidet dann, wo oberirdische Erkundungen starten. Daran schließen sich unterirdische Untersuchungen an zwei bis drei Standorten an, bei denen Bergwerke errichtet werden. Bis etwa Mitte des Jahrhunderts soll der endgültige Endlager-Standort feststehen.
Wer entscheidet am Ende darüber, wo Endlager gebaut werden?
Die Entscheidung liegt am Ende des Suchprozesses beim Bundestag, erklärt Monika Hottop von der BGE. Das Gremium wähle dann zwischen den final geprüften Standorten aus. Schlussendlich werde nur ein Endlager umgesetzt.
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