Startseite
Icon Pfeil nach unten
Bayern
Icon Pfeil nach unten

Flughafen München: Kommt die dritte Startbahn durch die Hintertür?

Flughafen München

Neuer Pier am Münchner Airport: Durch die Hintertür zur dritten Startbahn?

  • |
  • |
  • |
  • |
    Die Passagierzahlen am Flughafen München steigen. Jetzt wird angebaut.
    Die Passagierzahlen am Flughafen München steigen. Jetzt wird angebaut. Foto: Armin Weigel, dpa

    Der Flughafen in München sieht sich im Aufwind. In den ersten drei Monaten des Jahres sind die Passagierzahlen weiter gestiegen und am Montag gilt es, eine mehrere Hundert Millionen Euro schwere Erweiterung zu feiern. Der Ausbau von Terminal eins soll indes nur ein Zwischenschritt sein, ein noch größeres Projekt ist bereits im Anflug. Das aber könnte für erhebliche Turbulenzen sorgen, weil es im Umland die Angst vor dem Bau der dritten Startbahn nährt.

    So ist der Franz-Josef-Strauß-Flughafen gewachsen

    Seit seinem Start 1992 ist der Franz-Josef-Strauß-Flughafen gewachsen – daran haben auch etliche Krisen und eine Pandemie nichts geändert. Aus einem Terminal für die Abfertigung von Passagieren wurden zwei, dann kam ein Satellitengebäude hinzu, jetzt hat das Terminal eins einen zusätzlichen Pier erhalten. Hinter dem Begriff verbirgt sich eines der größten Infrastrukturprojekte Bayerns. Kostenpunkt: 665 Millionen Euro.

    An dem 360 Meter langen Anbau sollen bis zu sechs Großraumflugzeuge für Reisen in die weite Welt andocken, bis zu sechs Millionen Passagiere im Jahr sind möglich, das entspricht der Größenordnung eines Flughafens wie Hannover. Im Innern erwarten die Fluggäste Bars, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und hochmoderne Sicherheitsschleusen, die eine reibungslose Abfertigung ermöglichen sollen. Bereits weit vor dem Start hat der Flughafen, der jüngst immer wieder mit Pannen von sich reden machte, die Abläufe mit Probepassagieren durchgespielt. Der Beschluss zum Bau des Piers fiel bereits 2018, Anfang 2020 begann der Rohbau.

    Flughafen München landet Umsatzrekord

    Wirtschaftlich stehen die Zeichen nach der Pandemie schon länger auf Erholung. Vergangenes Jahr gab es mit 1,8 Milliarden Euro einen Umsatzrekord, im März wurde der einmilliardste Fluggast begrüßt. Wichtiger für die Zukunft: Ebenfalls im März gab die Lufthansa bekannt, dass sie in München ihre Kapazitäten im internationalen Flugverkehr weiter ausbauen will. Die deutsche Vorzeige-Airline und der Flughafen betreiben gemeinsam das Terminal zwei. Nun soll dieses um einen weiteren Anbau wachsen.

    Bis Mitte kommenden Jahrzehnts sollen Kapazitäten für zusätzliche zehn Millionen Passagiere geschaffen werden, das entspräche rund 20 Prozent des jetzigen Volumens. Die Rede ist von einer Milliarden-Investition, zusätzlich will die Lufthansa weitere Langstreckenflugzeuge im Erdinger Moos stationieren. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schwärmte: „Das ist ein Mega-Deal und ein Meilenstein für den Luftverkehrsstandort.“ Das sieht nicht jeder so.

    Der Flughafen habe schon jetzt eine Kapazität von (noch nie erreichten) 50 Millionen Passagieren im Jahr, „das reicht doch“, sagt der Grünen-Fraktionsvize im Landtag, Johannes Becher. Er hat nichts gegen die Erweiterung der ersten Terminals, doch das Milliarden-Vorhaben an Terminal zwei, das wegen seiner äußeren Form „T-Stiel“ genannt wird, erfüllt ihn mit Misstrauen. Weil die Lufthansa als Mitbetreiberin ein hohes Interesse an der wirtschaftlichen Auslastung des Terminals habe, werde sie ab Mitte kommenden Jahrzehnts zusätzlichen Flugverkehr nach München lenken und damit komme die offiziell auf Eis liegende dritte Startbahn durch die Hintertür wieder zurück, warnt Becher.

    Lufthansa will in München weiter wachsen

    Dass Flughafenchef Jost Lammers unlängst versicherte, dass die zusätzlichen Passagiere auch mit den bestehenden zwei Bahnen bewältigt werden könnten, beruhigt Becher wenig. „Diesen Beteuerungen glaube ich nicht.“ Ähnlich sehen das die Startbahngegner vom Aktionsbündnis „Aufgemuckt“: „Die Lufthansa setzt weiter auf Größenwahn und möchte damit den Druck auf die Realisierung der dritten Startbahn weiter erhöhen“, so ihr Sprecher Christian Magerl.

    Den Kampf gegen die dritte Startbahn führen die Gegner seit fast 30 Jahren. Die Münchner haben sich in einem Bürgerentscheid vor mehr als einem Jahrzehnt dagegen ausgesprochen, auch die aktuelle Landesregierung aus CSU und Freien Wählern will das umstrittene Projekt nicht anpacken und legte es vor mehr als fünf Jahren auf Eis. Andererseits gilt die Baugenehmigung für die vier Kilometer lange Bahn immer noch – und wer weiß schon, wie die politische Großwetterlage in einem Jahrzehnt ist?

    Dritte Startbahn: So ist die Lage in München

    Gespannt blickt man in diesem Zusammenhang auf Münchens designierten Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne). Die Landeshauptstadt ist mit 23 Prozent zwar der kleinste Teilhaber der Flughafengesellschaft (51 Prozent hat das Land, 26 Prozent der Bund), muss wesentlichen Vorhaben aber zustimmen. Was also sagt der neue starke Mann der Stadtpolitik zu den Wachstumsplänen am Flughafen? Die Gäste dürften genau hinhören, wenn Krause am kommenden Montag bei der feierlichen Eröffnung des neuen Piers sein Grußwort spricht.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren