Es war eine denkwürdige Nacht am Münchner Flughafen. Rund 600 Passagiere von Flügen der Lufthansa Group und Air Arabia übernachteten von Donnerstag, 19. Februar, auf Freitag, 20. Februar, in Flugzeugen, die wegen des Winterwetters nicht abheben konnten. Der Fall sorgte für Unverständnis. Am Montag, 23. Februar, meldeten sich die Verantwortlichen zu den Geschehnissen der Nacht zu Wort. Inzwischen sind auch die Staatsanwaltschaft und die Polizei involviert.
Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft: Scharfe Kritik an Flughafen München
Nun reagierte der Bundesvorsitzende der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft mit Unverständnis. „Es ist ein Skandal, dass die Feuerwehr nicht alarmiert wurde. Es gibt ganz wenige Fälle, bei denen die Feuerwehr nicht helfen kann. Aber unseren Kameraden fällt im Notfall immer etwas ein“, sagte Siegfried Maier der Bild-Zeitung. Ihm würden da direkt mehrere Optionen einfallen: etwa Rettungstreppen, um Passagiere aus dem Flugzeug zu holen. Zudem hätten zahlreiche Feuerwehrleute eine Einweisung für Notfahrten, um Busse zu fahren. Auch wäre es möglich gewesen, Feuerwehrbusse anzufordern.
Maier geht hart mit dem Flughafen ins Gericht und wirft den Verantwortlichen „Versagen“ vor. Maier: „Sie glauben doch nicht, dass ein Staatsgast eine Nacht in einem Flugzeug verbracht hätte. Es wäre mit Sicherheit möglich gewesen, die Menschen aus den Maschinen zu holen.“
Flughafen München: „Kaum nachvollziehbare Situation für die Passagiere“
Zunächst hatte sich der Flughafen München am Montag in einer Pressemitteilung gemeldet. Am vorherigen Donnerstag sorgten starke Schneefälle für zahlreiche Verspätungen und Annullierungen in München. Dabei seien die Winterdienste „mit allen verfügbaren Mitteln im Einsatz“ gewesen, heißt es darin.
In dem Statement entschuldigte sich der Flughafen bei den betroffenen Passagieren: „Uns ist bewusst, dass die Lage am Donnerstagabend eine schwierige und kaum nachvollziehbare Situation für die Passagiere war. Wir entschuldigen uns dafür bei den betroffenen Fluggästen ausdrücklich.“
Hunderte Passagiere gestrandet: zu wenige Busse und zu wenig Platz am Terminal
Trotz einer Sondergenehmigung gelang es den Verantwortlichen am Flughafen München nicht, die Flugzeuge bis 1 Uhr morgens abheben zu lassen. Die Konsequenz: Rund 600 Passagiere in sechs Flugzeugen übernachteten in den Maschinen. Dass sie die Flugzeuge nicht verlassen konnten, lag daran, dass es an den Terminals nicht mehr genügend Platz gab. Wegen der zahlreichen Ausfälle waren alle Plätze belegt.
Ebenso wenig war es möglich, die Passagiere mit Bussen in das Gebäude des Flughafens zu bringen. Der Flughafen München erklärt sich folgendermaßen: „Aufgrund der nächtlichen Uhrzeit und Defiziten bei der Kommunikation war der Busverkehr stark eingeschränkt.“ Auch hier reichten die Kapazitäten nicht aus.
Flughafen München verspricht Besserung
In der Pressemitteilung heißt es weiter, dass die betroffenen Passagiere „zu keiner Zeit“ in Gefahr gewesen seien. Die Airlines hätten ihre Fluggäste „bestmöglich“ versorgt.
Dennoch zeigt sich der Flughafen unzufrieden mit dem eigenen Management. Laut eigenen Aussagen entsprächen die Vorfälle „nicht unserem Anspruch“. Zusammen mit Partnern arbeite der Flughafen München nun daran, die Vorkommnisse aufzuklären und die Prozesse zu verbessern.
Lufthansa Group verspricht Entschädigungen
Ein Sprecher der Lufthansa Group äußerte sich ebenfalls zu den Vorfällen vom Donnerstag. Gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) versicherte er, dass die betroffenen Passagiere eine Entschädigung erhalten würden. Die Lufthansa Group habe diese bereits am Freitag kontaktiert, heißt es. Wie hoch diese Entschädigung sein wird, ist unklar.
Von den sechs Maschinen, in denen Passagiere gestrandet waren, gehörten fünf zur Lufthansa Group. Die Lufthansa-Flüge sollten eigentlich Flughäfen in Singapur, Kopenhagen und Danzig ansteuern. Zwei Air-Dolomiti-Flüge sollten sich auf den Weg nach Graz und Venedig machen. Auch die Gruppe sprach von einer „unzumutbare[n] Situation“ für die Menschen. Zusammen mit dem Flughafen München setze man alles daran, dass sich solche Fehler wie am Donnerstag nicht wiederholen.
Aufsichtsratsvorsitzender fordert umfassende Aufklärung und neue Maßnahmen
Gegenüber dem Radiosender Antenne Bayern äußerte sich auch der Aufsichtsratsvorsitzende des Münchner Flughafens und bayerische Finanzminister Albert Füracker (CSU) zu dem Vorfall. Dabei nahm er den Flughafen und seine Partner in die Pflicht: „Ich erwarte vom Flughafen in Abstimmung mit den Partnern einen zügigen und detaillierten Bericht, welche Verkettung von Umständen und Entscheidungen, auch mit Blick auf die Kommunikationswege, zu dieser Situation geführt hat.“
Zudem forderte er eine „Strategie mit konkreten Maßnahmen“, um eine solche Situation in Zukunft zu verhindern. Füracker sprach davon, dass die Situation für die Passagiere der betroffenen Flugzeuge „inakzeptabel“ gewesen sei.
Kritik der Pilotengewerkschaft: Vereinigung Cockpit fordert Verbesserungen
Weitere Kritik gab es auch vonseiten der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtete, forderte sie das Lufthansa-Management dazu auf, Vorkehrungen zu treffen, um zu verhindern, dass sich ein Vorfall wie dieser wiederhole.
Laut VC seien die Crews der sechs Maschinen in der Ausnahmesituation allein gelassen worden. „Das entstandene Chaos offenbart erhebliche Schwächen im Krisenmanagement“, zitiert der BR die Gewerkschaft.
Juristisches Nachspiel möglich: Staatsanwaltschaft Landshut involviert
Neben den Verantwortlichen ist inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Landshut in den Fall involviert. Das hatte zuerst BR24 berichtet und sich dabei auf eigene Informationen berufen. Demnach werde geprüft, ob Ermittlungen oder strafrechtliche Schritte auf das Chaos am Münchner Flughafen folgen.
Mittlerweile wurde ein Bericht der Polizeiinspektion Flughafen München an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Offenbar ist diese Prüfung durch eine unbeteiligte Person angestoßen worden. Anzeigen sollen bisher allerdings nicht vorliegen. Dennoch hat die Staatsanwaltschaft einen sogenannten Prüfvorgang angelegt. Welchen Inhalt der Bericht der Polizei besitzt und ob etwaige Strafbestände geprüft werden, wollten die Behörden allerdings nicht mitteilen. (Mit Informationen der dpa)
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren