Der Sommer ist da – lange Abende, volle Biergärten und die Lust auf gemeinsame Veranstaltungen unter freiem Himmel. Und während bei dem einen oder anderen vielleicht noch gar nicht so richtig angekommen ist, dass sie dieses Jahr überhaupt stattfindet, steht die Fußball-WM schon kurz vor dem Start: Am 11. Juni ist Anpfiff.
Manche Fans planen bereits die ersten Fußballabende, und auch Wirtshäuser und Biergärten merken, dass das Interesse steigt. Gleichzeitig ist dieses Mal einiges noch offen – denn ob, wie und wann Spiele öffentlich übertragen werden, hängt von mehreren Faktoren ab.
Fußball-WM 2026 mit Zeitverschiebung: Turnier findet in Nordamerika statt
Die Fußball-WM der Männer findet dieses Jahr vom 11. Juni bis zum 19. Juli in Mexiko, Kanada und den USA statt. Für deutsche Fußballfans bedeutet das vor allem eins: späte Übertragungen. Einige der Spiele fallen hierzulande in die Nachtzeit von 22 bis 6 Uhr. Das Bundeskabinett hat daher bereits im März eine Sonderregelung beschlossen. Damit ist es grundsätzlich erlaubt, dass Spiele trotz des normalerweise geltenden Lärmschutzes auch nach 22 Uhr übertragen werden.
Die finale Entscheidung liegt aber bei den jeweiligen Kommunen. Diese prüfen bei 16 verschiedenen Anstoßzeiten in dieser WM im Einzelfall und wiegen dabei zwischen öffentlichem Interesse und Schutz der Nachtruhe ab. „Städte und Gemeinden haben damit die Möglichkeit, dass Public-Viewing-Veranstaltungen trotz Zeitverschiebung genehmigt werden können“, sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), der für Lärmschutz zuständig ist.
Dehoga begrüßt Sonderregelung zur Fußball-WM 2026
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Bayern (Dehoga) begrüßt die Verordnung zum Public Viewing. „Wir freuen uns sehr auf die WM“, sagt Pressesprecher Frank-Ulrich John. Mit der Ausnahmeregelung habe der Gesetzgeber der Realität Rechnung getragen, findet er. Für die Übertragung von Spielen, die bis weit in die Nacht stattfinden, sieht er keine Probleme. Deutschland habe beim Sommermärchen das Public Viewing quasi erfunden und seither immer weiter verfeinert. Gäste und Gastronomen seien ein eingespieltes Team und wüssten, was sie erwartet. „Ab einer gewissen Uhrzeit findet Public Viewing dann eben eher in Innenräumen statt“, sagt er. Schließlich wolle man auch nach der WM noch ein gutes Verhältnis mit der Nachbarschaft haben.
Dass die Konsumbereitschaft der Fans bei Spielen in den späten Abend- und Nachtstunden sinkt, falle aus seiner Sicht weniger ins Gewicht. Von vielen Biergärten höre er immer wieder, dass Public Viewing ohnehin nicht zu den umsatzstärksten Abenden zähle: „Da stehen einen Abend Fußball und die Gemeinschaft im Vordergrund.“ Umsatzeinbußen ließen sich in der Regel an den Folgetagen wieder ausgleichen.
Viele Gastwirte zeigen einige WM-Spiele und richten sich nach Interesse
Als neue Herausforderung, wenn Spiele erst spät in der Nacht anfangen, beschreibt Dominique Bauer, Verkaufsleiterin des Paulaner am Nockherberg, die anstehende WM. „Aus gastronomischer Sicht ist es ein Nachteil, wenn Spiele statt um 17, 18 Uhr erst um 22 Uhr oder später anfangen“, sagt sie. Schließlich leben Biergärten und Lokale vor allem vom Speise- und Getränkeverkauf. Um 22 Uhr essen die meisten nichts mehr und um 23 Uhr sind die Küchen geschlossen. „Da ist ja auch die Frage, rentiert sich das überhaupt“, so Bauer.
Für den Anfang zeigt der Paulaner am Nockherberg daher die drei Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft und einige andere Gruppenspiele. Besonders für das Auftaktspiel um 19 Uhr erwartet der Biergarten regen Andrang. „Die 22-Uhr-Spiele werden eine Überraschungskiste“, sagt Bauer. Über die Jahre hat der Betrieb viele Erfahrungswerte mit WM- und EM-Übertragungen sammeln können. Besonders die Leistung der deutschen Mannschaft und das Wetter spielen eine große Rolle, ob die Menschen zum Public Viewing kommen, berichtet Bauer. Insgesamt sei es vor allem das Gruppenerlebnis, das die Menschen in die Biergärten ziehe. „Die Deutschen sind da schon sehr gesellig und wollen das zusammen erleben“, sagt die Verkaufsleiterin.
Der Hofbräukeller etwa zeigt alle Spiele, die bis 23 Uhr angepfiffen werden. „Wir haben schon seit Längerem immer wieder Anfragen von Gästen bekommen“, berichtet ein Mitarbeiter. Eine gewisse Vorfreude liege also durchaus in der Luft. Allerdings habe der Hofbräukeller selbst noch nicht gewusst, ob und unter welchen Bedingungen Spiele mit spätem Anpfiff gezeigt werden dürften. Daher habe man die Gäste bisher vertrösten müssen. Das Kreisverwaltungsreferat, das Public Viewing für die Landeshauptstadt regelt, habe erst kürzlich sein OK gegeben. Das Wirtshaus befinde sich daher noch in der Anfangsplanung für die kommenden Wochen. Vieles werde sich daher noch zeigen. „Das ist sicherlich auch situationsabhängig, wie viele Leute da sind.“
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren