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G9-Abitur in Bayern bringt Schülern mehr Wahlmöglichkeiten und Aufwand

Abitur

„Kommen als richtige Erwachsene aus der Schule raus“: Das sagen Schüler und Lehrkräfte zum Abistart

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    Der erste G9-Jahrgang in Bayern steht in den Startlöchern für das Abitur 2026: Lehrkräfte, Schüler und Schülerinnen berichten, wie die Umstellung läuft.
    Der erste G9-Jahrgang in Bayern steht in den Startlöchern für das Abitur 2026: Lehrkräfte, Schüler und Schülerinnen berichten, wie die Umstellung läuft. Foto: Sina Schuldt, dpa (Symbolbild), Ignaz-Kögler-Gymnasium Landsberg, Benjamin Bäurle, Gymnasium Burgkunstadt, St.-Bonaventura-Gymnasium,

    Bayern ist zum neunstufigen Gymnasium (G9) zurückgekehrt. In dieser Woche schreiben nun erstmals die Abiturientinnen und Abiturienten nach der Umstellung ihre Prüfungen. Damit steht die Reform vor ihrem ersten Praxistest – und der zeigt: Das neue System funktioniert, aber nicht reibungslos. Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Schulleitungen berichten, wie der Spagat zwischen Erwartungen und Improvisation gelingt.

    G9-Abitur für Schüler und Schülerinnen: „Wir sind die Versuchskaninchen“

    Amelia Seidel, Abiturientin am St.-Bonaventura-Gymnasium, Dillingen: Der erste G9-Jahrgang zu sein, ist natürlich mit etwas Druck verbunden: Wir müssen schon performen und zeigen, dass das zusätzliche Jahr was gebracht hat. Wir hoffen als Übergangsjahrgang aber auch, dass wir gut unterstützt werden und keine ganz unfairen Aufgaben bekommen. Zur Vorbereitung sind nach wie vor Altklausuren beliebt, auch wenn es im Abi dann teilweise neue Aufgabenformate und Themen gibt. Zum Glück gibt es trotzdem Beispielaufgaben und wir helfen uns gegenseitig. Es gibt keine anderen Schüler vor uns, die eins zu eins dasselbe wie wir gemacht haben und mit denen wir uns austauschen könnten.

    G9-Abiturientin Amelia Seidel berichtet von Herausforderungen, aber auch Positivem.
    G9-Abiturientin Amelia Seidel berichtet von Herausforderungen, aber auch Positivem. Foto: St.-Bonaventura-Gymnasium

    Durch die Umstellung gibt es vieles, was wir zum ersten Mal durchleben und aushandeln müssen. In der elften Klasse zum Beispiel haben wir weder zur Oberstufe noch zur Mittelstufe gehört und es war nicht klar, ob wir in den Oberstufenraum dürfen oder in der Pause wie die Älteren drinbleiben dürfen. Dass wir ein Jahr mehr dazubekommen haben, kann man auch positiv sehen: Jetzt beim Abi sind wir schon älter und kommen quasi als richtige Erwachsene aus der Schule raus.

    Benjamin Bäurle, Abiturient am St.-Bonaventura-Gymnasium, Dillingen: Manchmal haben wir uns im Jahrgang schon aufgeregt, dass wir zwar ein Jahr mehr haben, aber auch mehr Stoff durchnehmen müssen. Uns wurde oft gesagt, wir sind die Versuchskaninchen. Das System war ja für alle neu und niemand wusste so hundertprozentig, was auf uns zukommt. Die Lehrer haben uns zum Glück gut unterstützt. Wir haben in jedem Fach gemerkt, dass uns die Lehrer durchpushen und es ihnen wichtig war, mit uns allen Stoff zu machen. Insgesamt ist die Abizeit schon eine schöne Zeit. Auch das zusätzliche Jahr mehr mit Freunden und Familie war schön. Ich freue mich aber auch auf den neuen Lebensabschnitt nach dem Abi.

    Benjamin Bäurle ist Teil des ersten G9-Jahrgangs in Bayern.
    Benjamin Bäurle ist Teil des ersten G9-Jahrgangs in Bayern. Foto: Benjamin Bäurle

    Christoph Beck, Abiturient am Gymnasium Burgkunstadt, Landkreis Lichtenfels: Ich fühle mich wie jeder Abiturient. Eine größere Änderung ist das G9 eher für die Lehrer. Wir sind schließlich seit der 5. Klasse in dem System. Die Oberstufe dauert nach wie vor zwei Jahre und Klausurenphasen sind immer mit Stress verbunden, auch wenn der Stoff anders verteilt ist. Ich glaube, am Ende kommt es aufs Selbe raus. Schön fand ich das zusätzliche Jahr in der elften Klasse – das war unser kleines Gap Year. Da hatten wir die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen oder auch mehr Zeit für Engagement außerhalb der Schule. Außerdem wurde weniger Stoff in das Jahr gepackt.

    Christoph Beck macht am Gymnasium in Burgkunstadt in diesem Jahr Abitur.
    Christoph Beck macht am Gymnasium in Burgkunstadt in diesem Jahr Abitur. Foto: Gymnasium Burgkunstadt

    An manchen Stellen haben wir aber schon gemerkt, dass die Umstellung auf das G9 noch in den Kinderschuhen steckt. Ich habe zum Beispiel mein Wirtschaftsbuch nie in der Hand gehabt. Das wurde nicht rechtzeitig geliefert. Auch im Sportleistungskurs hatten wir von dem dreibändigen Band für die Oberstufe nur das Erste. In anderen Fällen haben wir mit den alten Schulbüchern, Videos und einzelnen Aufgaben aus den Lehrerversionen gearbeitet. Bis Ende des Schuljahres müssten aber alle Bücher da sein. Das hat eben vor allem uns als Übergangsjahrgang betroffen.

    G9 bedeutet auch für Lehrkräfte eine Umstellung: „Man muss schon zügig unterrichten“

    Markus Albrecht, Oberstufenkoordinator am Gymnasium bei St. Anna, Augsburg: Das Abi ist dieses Jahr fast genauso wie im G8. Denn durch das neue G9-Abi verlängert sich die direkte Qualifikationsphase nicht. Das sind immer noch zwei Jahre. Für die Schülerinnen und Schüler ändert sich die konkrete Abiturvorbereitung also weniger. Was sich ändert, ist der Prüfungszeitraum: Statt zwei bis drei Tage gibt es nun acht bis neun. Neu ist auch, dass es die Möglichkeit gibt, das Mathe- oder Deutsch-Abi mündlich und nicht wie bisher schriftlich abzulegen. Das machen bei uns einige. Dass Mathe oder Deutsch sogar ganz ersetzt werden können durch entweder zwei Naturwissenschaften oder zwei Fremdsprachen, hat dieses Jahr noch kaum Anklang gefunden.

    Markus Albrecht begleitet als Oberstufenkoordinator den ersten G9-Jahrgang zum Abitur.
    Markus Albrecht begleitet als Oberstufenkoordinator den ersten G9-Jahrgang zum Abitur. Foto: Gymnasium bei St. Anna

    Simone Schildknecht-Müller, Oberstufenkoordinatorin am Gymnasium Maria Stern, Augsburg: Anders ist in diesem Jahr besonders das zusätzliche Abiturfach, in dem Schüler und Schülerinnen nun auch zum Abitur antreten. Wenn sie zum Beispiel Biologie wählen, begleite ich als Biolehrerin die Schülerinnen und Schüler vor dem Abitur fünf Stunden pro Woche. Das ermöglicht mir nicht nur, Unterrichtseinheiten intensiver zu bearbeiten, es sind auch neue Themen dazugekommen. In Biologie stehen zum Beispiel moderne Gentechnik und Verfahren auf dem Plan, die es im alten Lehrplan noch nicht gab.

    Simone Schildknecht-Müller unterrichtete in diesem Schuljahr Schüler und Schülerinnen, die aufgrund des G9 in ihrem Biologie-Leistungsfach Abitur schreiben werden.
    Simone Schildknecht-Müller unterrichtete in diesem Schuljahr Schüler und Schülerinnen, die aufgrund des G9 in ihrem Biologie-Leistungsfach Abitur schreiben werden. Foto: Gymnasium Maria Stern

    Auch der Zusammenhalt unter den Schülern wird durch G9 gestärkt. Es bilden sich in den Leistungskursen kleine Gemeinschaften, die ganz oft zusammen sind. Mehr Zeit und weniger Stress gibt es durch das G9-System für die Beteiligten allerdings nicht: Der Lehrplan ist immer noch voll und kompakt. Als Lehrkraft muss man da schon zügig unterrichten.

    Organisatorischer Aufwand und viel Planung: Das ändert sich aus Sicht der Schulleitung

    Julia Garbe, Schulleiterin des Ignaz-Kögler-Gymnasiums, Landsberg: Neu beim G9 ist, dass die Schüler ein sogenanntes Leistungsfach, in dem vertieft und mit mehr Stunden gearbeitet wird, wählen. Bisher gab es drei Tage, an denen das schriftliche Abitur stattfand, nun sind es neun. Teilweise schreibt an einem Tag nur ein einziger Schüler, weil sonst niemand dieses Fach gewählt hat, dennoch muss man einen Prüfungsraum mit mehreren Aufsichten organisieren. Das bedeutet für die Lehrkräfte deutlich mehr Prüfungsaufsichten und im Schulalltag mehr gesperrte Räume, in denen normalerweise regulärer Unterricht stattfindet.

    Julia Garbe koordiniert als Rektorin am Ignaz-Kögler-Gymnasium in Landsberg am Lech die Prüfungen des ersten G9-Jahrgangs.
    Julia Garbe koordiniert als Rektorin am Ignaz-Kögler-Gymnasium in Landsberg am Lech die Prüfungen des ersten G9-Jahrgangs. Foto: Ignaz-Kögler-Gymnasium Landsberg

    Wie die Schüler mit den Prüfungsaufgaben zurechtkommen, wird sich erst zeigen. Es gab aber viele Hinweise und Beispielaufgaben, die das Kultusministerium für die Vorbereitung zur Verfügung gestellt hat. Im Großen und Ganzen haben sich die Prüfungsformate auch nicht grundlegend geändert. Die Mehrheit der Lehrkräfte und auch der Schüler und Eltern war froh, als das G9 wieder eingeführt wurde. Dies bedeutet über die Schullaufbahn hinweg weniger Nachmittagsunterricht und mehr Raum zum Lernen und Üben. Auch sind die Schüler beim Abitur ein Jahr älter und damit reifer, um sich in der Oberstufe mit komplexen Inhalten auseinanderzusetzen.

    Stephan Lippold, Schulleiter des Peutinger-Gymnasiums, Augsburg: Aus Schulleitersicht bedeutet das G9-Abitur mehr Planungsaufwand und Organisation. Die Lehrkräfte und Fachvertreter mussten entsprechend geschult werden. Die Oberstufenkoordinatoren arbeiten im Team zusammen, auch schulartübergreifend. Und das läuft gut. Natürlich kann niemand hundertprozentig wissen, wie die neuen Abituraufgaben aussehen. Neues ist immer erstmal mehr Aufwand, aber insgesamt ist es eine gute Sache. Von den Lehrkräften habe ich auch die Rückmeldung bekommen, dass das Extrajahr den Schülern und Schülerinnen gutgetan hat. Zudem bietet das G9-Abitur uns die Möglichkeit, die individuellen Begabungen der jungen Menschen besser zu fördern.

    Am Peutinger-Gymnasium von Schulleiter Stephan Lippold laufen die Vorbereitungen für das erste G9-Abitur in Bayern auf Hochtouren.
    Am Peutinger-Gymnasium von Schulleiter Stephan Lippold laufen die Vorbereitungen für das erste G9-Abitur in Bayern auf Hochtouren. Foto: Marcus Merk
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