Wenn Klaus Kratzer morgens aufwacht, blickt er aus seinem Hotelzimmer eigentlich auf ein Urlaubsparadies: Palmen, türkisblaues Meer und ein weißer Sandstrand. Genießen kann der 66-Jährige die Aussicht aber nur vom Fenster aus. Mehrmals täglich heulen Sirenen, iranische Raketen fliegen über das Hotel auf den Amwaj-Inseln in Bahrain. „Es ist schon ein mulmiges Gefühl“, sagt er am Telefon.
Am 26. Februar – zwei Tage bevor Israel und die USA die ersten Angriffe auf den Iran starteten – war er gemeinsam mit seiner Frau Sabine zur Kreuzfahrt „Zauber des Orients“ aufgebrochen. Da gab es noch keine Reisewarnung, betont der Mann aus Gersthofen bei Augsburg. Statt auf dem Schiff sind die beiden nun also in einem Hotel und sitzen dort fest. Während erste deutsche Touristen aus Dubai und dem Oman inzwischen wieder in Deutschland landen, fühlt sich das Ehepaar von der Bundesregierung vergessen.
Mehrfach täglich gebe es Raketenalarm in Bahrain
„Der erste Abend war noch wunderbar“, erzählt Kratzer. Doch kurz darauf heulten die Sirenen. Stundenlang saßen sie im Schutzraum eines Einkaufszentrums. Mittlerweile bleibe er bei Alarm im Bett liegen. „Man stumpft ab“, sagt er. „Aber wohl ist mir nicht. Wenn die Sirene losgeht, frage ich mich: Wie komme ich hier raus, wenn jetzt eine Rakete runterfällt?“
Was seine Reisegruppe täglich am Himmel beobachtet, bereitet ihr Sorgen. Ihr Hotel liegt wenige Kilometer von einer US-Militärbasis entfernt, die unter Beschuss steht. Die Angriffe erkennen die Urlauber an weißen Streifen am Himmel, die plötzlich verpuffen – manchmal begleitet von einem Knall. „Dann fallen die Teile langsam ins Meer“, berichtet Kratzer. „Und man denkt sich: Was, wenn sich da mal eine Rakete verirrt?“ Immerhin: Die vergangene Nacht war die erste ohne Sirenen – eine Erleichterung für die Gruppe.
Um sich abzulenken, hat das Ehepaar Kratzer eine Routine entwickelt: Frühstück, Sport, Pause, Mittagessen, später ein Spaziergang. Im Grunde ein normaler Urlaubstag. Doch die Kratzers verlassen das Hotel höchstens kurz und entfernen sich nie weit vom Eingang. „Damit wir im Zweifel schnell wieder reinkommen“, sagt er. Andere Reisende vertreiben sich die Zeit mit Spielen. Trotzdem haben alle nur einen Wunsch. „Da kann ich für alle sprechen: Wir wollen nach Hause – lieber früher als später.“ Doch danach sieht es derzeit nicht aus.
„Unser Außenminister kümmert sich nur um Leute, die in Dubai sitzen“
Während am Donnerstagmorgen der erste deutsche Evakuierungsflug aus dem Oman in Frankfurt landete und auch erste Linienflüge nach Deutschland, etwa aus Dubai, starteten, gibt es für die Reisegruppe in Bahrain bislang keine konkreten Ausreisepläne. Laut Auswärtigem Amt bleibe ihr nur die rund 500 Kilometer lange Fahrt über den Landweg nach Riad in Saudi-Arabien, um von dort einen Flug zu erreichen – allerdings ohne Unterstützung.
Reisegruppen anderer Nationen seien dagegen schon auf diesem Weg evakuiert worden. Doch wenn sie das „Abenteuer Saudi-Arabien“ selbst antreten würden, sei unklar, ob sie in Riad überhaupt einen Flug bekämen oder wie lange die Grenze noch offen ist, berichtet Kratzer. Er findet, dass auch ihr Reiseveranstalter in der Verantwortung stehe, die Flüge umzubuchen.
Der Reiseanbieter Atouro betont, dass sie weiterhin für eine sichere Unterkunft der Reisenden aufkommen. Es sei „derzeit nicht absehbar, ob und wann der Flughafenbetrieb vollständig wieder aufgenommen wird“, schreibt ein Sprecher des Unternehmens. Die eigenständige Ausreise über Saudi-Arabien empfehlen sie nicht, da auch von dort keine Rückflüge garantiert seien.
„Wir fühlen uns von der Bundesregierung und dem Reiseveranstalter nicht ausreichend unterstützt. Unser Außenminister kümmert sich hauptsächlich um Leute, die in Dubai sitzen. Bahrain erwähnt er gar nicht“, sagt Kratzer. Dass eine Ausreise teuer sei und den Steuerzahler belaste, lässt er nicht gelten: „Niemand hier hätte ein Problem, die Kosten zu übernehmen, wenn wir dafür sicher nach Hause kommen.“ Wenigstens habe der Reiseveranstalter zugesagt, dass sie noch einige Tage im Hotel bleiben könnten. Der Rückflug sei ohnehin für den 9. März geplant. Nun hoffen die Kratzers, dass dieser Flug auch tatsächlich stattfinden darf.
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