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Hier finden Sie Spuren der Römer in Bayerisch-Schwaben

Römer

Ein Tempel und ein Massengrab: Wo man in Schwaben Spuren der Römer findet

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    Beim Marschieren auf der alten Via Danubia wandelt man auf den Spuren der Römer und begegnet einigen sogar am Wegesrand.
    Beim Marschieren auf der alten Via Danubia wandelt man auf den Spuren der Römer und begegnet einigen sogar am Wegesrand. Foto: Günther Herdin (Archivbild)

    Augsburg ist als von den Römern gegründete Stadt Augusta Vindelicum wohl eine der bekanntesten Römerstätten Deutschlands. An vielen Ecken können Einheimische und Besucher hier Spuren aus längst vergangenen Zeiten entdecken. Doch auch andernorts in der Region finden sich Überreste aus der Antike. Wir stellen Ihnen hier einige vor.

    Apollo-Grannus-Tempel in Faimingen

    Der Apollo-Grannus-Tempel in Faimingen im Landkreis Dillingen an der Donau wurde vermutlich im Jahr 1888 bei Grabungen durch den Faiminger Dorflehrer Magnus Scheller entdeckt. In dieser und weiteren Grabungen legte er mit seinem Team den Tempel sowie die Reste angrenzender Gebäude frei.

    Der Apollo-Grannus-Tempel in Faimingen gehört zu den bedeutendsten römischen Funden in der Region.
    Der Apollo-Grannus-Tempel in Faimingen gehört zu den bedeutendsten römischen Funden in der Region. Foto: Fouad Vollmer (Archivbild)

    Heute können sich Besucher eine Teilrekonstruktion ansehen, die durch den Fund von 150 Werksteinen in der Brenz und ebenso vielen Spoilen (Bauteile aus Gebäuden älterer Kulturen) aus der Kastellmauer ermöglicht wurde. Dass es sich um einen Tempel zu Ehren des Gottes Apollo handelt, weiß man dank der Funde von drei Meilensteinen, die 1981 und 2002 in Gundelfingen und Sontheim gemacht wurden. Die Inschriften auf diesen Meilensteinen stammen aus den Jahren 212/213 und berichten von Baumaßnahmen an Straßen und Brücken, die im Auftrag des Kaisers Caracalla durchgeführt wurden. Ziel der Straße sei der Ort Phoebiana gewesen, der sich mit dem heutigen Faimingen identifizieren lässt.

    Im Tempel erbat Kaiser Caracalla wohl von Apollo-Grannus (einer Art „Doppelgott“ aus dem jeweils römischen und keltischen Heilgott Apollo und Grannus) Heilung diverser Leiden. Laut Quellen hat er an verschiedenen gesundheitlichen Problemen gelitten, unter anderem an Fieberanfällen und eitrigen Wunden.

    Der Tempel liegt an der Via Danubia, einem Radfernweg von Günzburg nach Oberndorf, und kann jederzeit besichtigt werden.

    Caelius Mons - Kastell Kellmünz

    In Kellmünz an der Iller im Landkreis Neu-Ulm stand am dem späten 3. Jahrhundert ein bedeutendes Römerkastell am Donau-Iller-Rhein-Limes. Der Ort hieß damals Caelius Mons und diente der Sicherung der Nordgrenze der Provinz Raetien. Die Römer wollten sich so vor Überfällen durch Germanen und Alamannen schützen. Das Kastell umfasste rund 8.600 Quadratkilometern und war von dicken Mauern umgeben, die mit Türmen und Toranlagen ausgestattet waren.

    Kastellmauer Archäologischer Park Kellmünz
    Kastellmauer Archäologischer Park Kellmünz Foto: Landratsamt Neu-ulm

    Systematische Ausgrabungen fanden ab den 1960er-Jahren statt, jedoch wurden die Überreste des Kastells auch schon im 19. Jahrhundert beschrieben. Bei den Ausgrabungen konnten die Grundmauern, Türme und Toranlagen freigelegt und teilweise konserviert werden. Auch Gräberfundamente wurden gefunden.

    Heute kann man die Überreste im archäologischen Park im Ortskern von Kellmünz besichtigen. Im Museumsturm wird die Geschichte der römischen Provinz Raetien erzählt. Der Turm gehört zu den Überresten der originalen Mauer.

    Villa Rustica Holheim/ Nördlingen

    Villae rustica waren römische Gutshöfe und Überreste gibt es einige in der Region Bayerisch-Schwaben. Die Überreste eines solchen Gutshofs liegt in Holheim im Nördlinger Ries. Zwischen 1975 und 1981 wurden hier Grabungen durchgeführt, zu Tage kamen neben den Überresten eines Wohnhauses auch ein Bad, Wirtschaftsgebäude und eine das Areal umgebende Hofmauer.

    Am Fuß des Riegelbergs in Holheim liegen gut sichtbar die Grundmauern einer römischen Villa Rustica.
    Am Fuß des Riegelbergs in Holheim liegen gut sichtbar die Grundmauern einer römischen Villa Rustica. Foto: Madeleine Schuster (Archivbild)

    Entstanden ist das Gut vermutlich Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus und wurde wohl bis Mitte des 3. Jahrhunderts genutzt. Forscher gehen davon aus, dass es während des zweiten großen Alamanneneinfalls zwischen 242 und 244 nach Christus oder spätestens während des Limesfalls 259/260 zerstört wurde. Darauf deuten Brandspuren und unbestattete Skelette hin, die innerhalb des Geländes gefunden wurden.

    Die Überreste der Villa Rustica sind frei zugänglich und können jederzeit besichtigt werden.

    Massengrab Günzburg

    Wie auch Augsburg gehört Günzburg zu einer der wichtigsten Römersiedlungen Schwabens. Im ehemaligen Gontia, wie Günzburg unter den Römern hieß, wurden bei Ausgrabungen bislang über 1800 Gräber gefunden – das zweitgrößte, modern untersuchte Gräberfeld Deutschlands. Besonders interessant für Forscher und Geschichtsinteressierte: Die zahlreichen Grabbeigaben, die ganze Lebensgeschichten erzählen. Gefunden wurde neben Schmuck auch Münzen, Geschirr oder Öllampen – damit es in der Unterwelt nicht ganz so dunkel ist.

    Diese Grabbeigaben stammen aus einem Römergrab in Günzburg.
    Diese Grabbeigaben stammen aus einem Römergrab in Günzburg. Foto: Bayerisches Landesamt Für Denkmalpflege (Archivbild)

    Günzburg wurde wohl als Römerkastell gegründet und war Station der Militäreinheit „Ala Secunda Flavia pia fidelis milliaria“, die etwa 1000 Mann umfasste. Diese lebten in Gontia mit ihren Familien, auch Händler, Handwerker und Landwirte waren ansässig. Insbesondere die Soldaten kamen aus aller Welt und waren keinesfalls nur Römer oder Einheimische.

    Cambodunum und Cambidanum - Kempten

    Kempten ist eine der ältesten Städte und die älteste schriftlich erwähnte Stadt Deutschlands – schon im Jahr 18 nach Christus wurde sie als Cambodunum vom griechischen Geographen Strabon erstmals niedergeschrieben und galt damals als die Heimat des keltischen Stammes der Estionen. Von dieser vorrömischen Siedlung fehlt leider jede Spur.

    Kleine Thermen im Archäologischen Park in Kempten.
    Kleine Thermen im Archäologischen Park in Kempten. Foto: Ralf Lienert (Archivbild)

    Sicher belegt ist dort aber die Existenz der Römerstadt seit Beginn des 1. Jahrhunderts. Cambodunum war Verwaltungszentrum der Provinz Raetien, bevor im 2. Jahrhundert das neu gegründete Augusta Vindelicum, das heutige Augsburg, Provinzhauptstadt wurde. Sie wurde auf dem Lindenberg an de Ostseite der Iller erbaut. Im 4. Jahrhundert wurde auf der Burghalde in Kempten Cambidanum errichtet, eine spätrömische Siedlung. Die Bewohner der ursprünglichen Stadt zogen sich wohl immer weiter auf die Burghalde zurück.

    Cambodunum lag so dicht an der Iller, dass die Stadt von Überschwemmungen bedroht war, außerdem waren die Böden auf der Schottertrasse instabil. Da die Stadt außerdem Grenzstadt am Limes war, wurde das Leben dort am dem 3. Jahrhundert zunehmend unsicher, Cambodunum wurde von den Germanen bedroht. Das zwang die Römer, ihre Grenzen besser zu festigen – ein Vorhaben, dass durch die exponierte Lage auf dem Lindenberg kaum zu bewerkstelligen war. So zogen sie sich auf die Burghalde zurück und verließen die ursprüngliche Siedlung nach und nach. Da außerdem Augsburg Hauptstadt wurde, verlor Cambodunum immer weiter an Bedeutung.

    Lernen kann man diese und weitere Fakten im Archäologischen Park Cambodunum. Daneben gibt es auch Artefakte aus der Römerzeit im Kempten-Museum im Zumsteinhaus.

    Via Claudia Augusta im Forggensee

    Die Via Claudia Augusta war eine der wichtigsten Römerstraßen im heutigen Deutschland, führte von Donauwörth über Augsburg und Füssen bis nach Italien. Spuren der Straße kann man noch an vielen Orten sehen doch ein besonderer Abschnitt befindet sich nicht am, sondern im heutigen Forggensee bei Füssen.

    Bei niedrigem Wasserstand kann man die ehemalige römische Straße Via Claudia Augusta im Forggensee bewundern.
    Bei niedrigem Wasserstand kann man die ehemalige römische Straße Via Claudia Augusta im Forggensee bewundern. Foto: Holger Sabinsky-Wolf (Archivbild)

    Der Forggensee ist ein Stausee und in seiner heutigen Form kein natürlich entstandener See. Er entstand durch den Bau der Staumauer Roßhaupten in den Jahren 1950 bis 1954 und dient unter anderem der Stromerzeugung und dem Hochwasserschutz. Irgendwann jedoch lief hier einmal die Via Claudia Augusta entlang – und wenn der Wasserstand im Winter niedrig ist, kann man dort deren Überreste sehen.

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