Nüchtern, ja zynisch betrachtet liegt die Erklärung für die exorbitant gestiegene Zahl an tödlichen Pedelec-Unfällen auf der Hand: Ist doch kein Wunder, gemessen daran, wie viele Menschen sich in den vergangenen Jahren ein solches Elektrofahrrad zugelegt haben. Es wäre allerdings eine Bankrotterklärung für Staat und Gesellschaft, dies schulterzuckend zur Kenntnis zu nehmen und die Statistik in der Schublade verschwinden zu lassen.
Was also tun? Mehr sensibilisieren, mehr Sicherheitstrainings, bessere Radwege, wie Innenminister Herrmann ankündigt? Alles gut, alles richtig. Aber das reicht nicht, schon gar nicht kurzfristig. Allein die Infrastruktur: Es wird Jahrzehnte dauern, das Radwegenetz an das heutige Verkehrsaufkommen und die Größe der E-Räder anzupassen, gerade in den Städten.
Müsste man dann für alle Radfahrer eine Helmpflicht einführen? Nein!
Als in den 1970er-Jahren die Zahl tödlicher Autounfälle durch die Decke ging, wurde die Gurtpflicht eingeführt. Heute sterben ungleich weniger Pkw-Fahrer. Mitte der 80er-Jahre kam die Helmpflicht für die Fahrer von Mofas (umgesetzt übrigens von einer konservativ geführten Regierung), die wie Pedelecs auch bei 25 km/h abgeriegelt sind. Mit welcher Logik sollte man also im Falle der E-Bikes eine Helmpflicht ablehnen? Weil man sie dann für alle Fahrradfahrer einführen müsste? Nein. „Normale“ Radfahrer, gerade die älteren, reizen diese 25 km/h viel seltener aus, Pedelecfahrer aber dank des zugeschalteten Motors schon. Die Unfallstatistik zeigt eindeutig: Der Zusammenhang von schwerem E-Bike, hoher Geschwindigkeit und Fahrer oder Fahrerin über 65 Jahren ist eklatant.
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