Herr Schöffel, Sie sind ein Outdoor-Mensch. Sind Sie in den Bergen mit dem Zelt unterwegs?
JAKOB SCHÖFFEL: Ich bin nicht nur Outdoor-Mensch, sondern auch Sportler. Die Kombination ist für mich wertvoll, sei es beim Wandern, beim Trail Running oder im Winter bei Skitouren. Hauptsache draußen, Hauptsache Bewegung, Hauptsache einen Ausgleich finden.
Wo toben Sie sich sportlich aus?
SCHÖFFEL: Je nach Zeit bei uns in den Alpen oder in den Voralpen. Und wenn es zeitlich enger ist, an Lech und Wertach, in den Stauden oder den Westlichen Wäldern. Diese „micro adventures“ sind unglaublich wertvoll.
Seit einem Jahr stehen Sie an der Spitze von Schöffel. Wie ist es gelaufen?
SCHÖFFEL: Es war ein intensives Jahr. Ein Jahr, das geprägt war von Veränderungen. Geopolitisch war es ein verrücktes Jahr. Ich habe den Job übernommen, da war Donald Trump gerade drei Wochen seiner zweiten Amtszeit im Amt. Gefühlt ist das angesichts der Ereignisse schon fünf Jahre her. Was unser Unternehmen betrifft, passiert bei Schöffel sehr viel. Der Übergang zur neuen Generation verändert die Kultur im Unternehmen. Zudem stellt sich Schöffel mit der Drei-Säulen-Strategie neu auf. Wir greifen neue Märkte an.
Die Lage in der Textilbranche ist nicht einfach. Wie kommt Ihr Unternehmen voran?
SCHÖFFEL: Der größte Fortschritt ist sicher unsere Diversifikation. Schöffel SPORT konzentriert sich weiter auf den Outdoormarkt. Schöffel TEC fokussiert sich auf Behörden und Schöffel PRO auf Arbeitsbekleidung. Unsere Investitionen tragen jetzt Früchte. Die Strahlkraft der Marke kommt bei den Kunden an. Das schlägt sich in den Zahlen nieder.
Wie geht es Schöffel wirtschaftlich?
SCHÖFFEL: In den beiden neuen Geschäftsbereichen TEC und PRO sehen wir Wachstum, das ist wichtig, weil der Sport-Bereich anhaltend schwierig ist. So werden wir 2026 hoffentlich unsere Hürde des Umsatzes vor Corona durchbrechen.
Schöffel hat jüngst einen Auftrag der Bundeswehr bekommen. Wie wichtig ist das für Sie?
SCHÖFFEL: Die Entscheidung, in den Militärbereich zu gehen, war keine leichte für uns. Vor fünf Jahren hatte ich mich noch dagegen entschieden. Der Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 war für mich ein Moment des Erwachens. Die Notwendigkeit von Verteidigungsfähigkeit zu erkennen, war auch für das Unternehmen ein Prozess. Die Belieferung des Militärs lässt sich kontrovers diskutieren. Es stößt inzwischen aber auf positive Resonanz, wenn wir die Bundeswehr ausstatten. Die Bundeswehr ist für uns heute nicht nur wirtschaftlich interessant. Wir glauben, dass es wichtig ist, dass wir wehrfähig werden. Inzwischen haben wir ein breites Portfolio an Produkten, die wir im Militärbereich liefern können.
Schöffel expandiert auch in der Arbeitsbekleidung. Erhoffen Sie sich einen ähnlichen Boom wie der Konkurrent Engelbert Strauss?
SCHÖFFEL: Workwear ist ein sehr spannendes Feld für uns, hier haben wir viel Geld investiert. Workwear ist inzwischen mehr als der klassische Blaumann. Arbeitsbekleidung entwickelt sich in Richtung eines Premiumprodukts. Sie ist inzwischen ein Employer Benefit, ein Instrument der Mitarbeiterbindung. Unternehmen verstehen, dass Mitarbeiter ihre Bekleidung sehr viel tragen und gute Bekleidung einen Mehrwert hat. Schöffel ist hier gut aufgestellt, schließlich kommen wir aus dem Bereich Funktionskleidung und haben wahnsinniges Know-how. Der Markt ist aber auch hart umkämpft.
Wo will sich Schöffel bei der Arbeitsbekleidung engagieren?
SCHÖFFEL: Wir bieten Kleidung fürs Büro bis zur Baustelle. Potenzial hat das Handwerk. Wir haben zum Beispiel eine Maler-Kollektion, Kleidung für den Forst und für Bergbahnen. Ein weiteres spannendes Feld ist sicher der High-Visibility-Sektor …
Das müssen Sie erklären …
SCHÖFFEL: Das ist Kleidung, die auffallen und Richtlinien genügen muss, zum Beispiel im Hoch-, Tief- und Straßenbau. Wir führen inzwischen rund 20 Modelle in der Warnschutz-Kollektion. Jedes Modell ist sowohl für Herren als auch für Damen verfügbar.
Wie bedeutend sind die Sparten Freizeitmode, Berufs- und Behördenbekleidung im Verhältnis?
SCHÖFFEL: Der Sport- und Outdoor-Bereich stand im vergangenen Jahr für zwei Drittel des Umsatzes, das andere Drittel teilt sich zur Hälfte auf Arbeits- und Behördenbekleidung. Unser Ziel ist es, dass die Bereiche gleichgestellt sind und wir uns als Gruppe stabilisieren können. Dahin entwickeln wir uns mit großen Schritten.
Mode ist heute auch ein Problem. Kleidercontainer quellen über, an afrikanischen Stränden sammelt sich ausrangierte Kleidung. Wie will Schöffel umweltfreundlicher werden?
SCHÖFFEL: Für uns gibt es drei Dimensionen der Nachhaltigkeit. Erstens unternehmerische Nachhaltigkeit. Wir wollen das Unternehmen langfristig erhalten und nicht kurzfristig Gewinne maximieren. Schöffel wird schließlich in achter Generation geführt. Enorm wichtig ist für uns auch soziale Nachhaltigkeit. Wir wollen hochwertige Arbeitsplätze bieten. Im dritten Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit tut sich sehr viel. Die Produktion von Kleidung hinterlässt einen Fußabdruck an CO2 und chemischen Substanzen. Unser Ziel ist es, unseren CO2-Fußabdruck bis 2030 zu halbieren. Und zwar durch Reduktion, nicht durch Kompensation an anderer Stelle.
Wie soll das geschehen?
SCHÖFFEL: Wir arbeiten viel mit recycelten Materialien und reyclingfähigen Modellen. Wir haben eine Kollektion – die Circ-Kollektion – die 100 Prozent recyclingfähig ist. Dazu gehören zum Beispiel Outdoor-Hosen oder Regenjacken. Es gibt aber einen noch größeren Hebel.
Und der wäre?
SCHÖFFEL: Langlebigkeit. Es ist legitim, dass die Kunden mal einen neuen Style ausprobieren wollen und sich neue Kleidung zulegen. Unser Anspruch ist aber, dass wir hochwertige Produkte liefern, die lange halten. Vielleicht verkaufen wir dann die eine oder andere Jacke weniger. Wenn der Kunde aber nach zehn Jahren wiederkommt, erinnert er sich, dass er bei uns ein hochwertiges Produkt erstanden hatte.
Wie lange soll eine Schöffel-Jacke denn halten?
SCHÖFFEL: Ich freue mich immer, wenn bei unserem Team für Kleidungsreparatur in Schwabmünchen eine 30 Jahre alte Jacke auftaucht, bei der plötzlich der Reißverschluss klemmt. Je länger Kleidung hält, desto besser. Wir merken allerdings auch, dass das Thema Nachhaltigkeit bei den Kunden in den letzten Jahren an Bedeutung eingebüßt hat.
Ist die Nachhaltigkeit unter Druck geraten?
SCHÖFFEL: Ich mache mir als junger Mensch große Sorgen, da geht es jedem in meiner Generation ähnlich. Dass das Thema Nachhaltigkeit bei den Menschen angesichts der Unsicherheiten weltweit gerade weniger Stellenwert hat, kann ich zwar gut nachvollziehen. Ich hoffe aber inständig, dass sich das dreht. Ein Familienunternehmen wie das unsere, das in Generationen denkt, muss sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Gerade wir als Sport- und Outdoor-Unternehmen sind abhängig von einer gesunden Natur und Umwelt. Wir bleiben deshalb an Nachhaltigkeit dran.
Wie fühlt es sich an, in achter Generation ein über 220 Jahre altes Unternehmen zu übernehmen?
SCHÖFFEL: Es sind sogar 222 Jahre Firmengeschichte … Wenn man die Verantwortung übernimmt, ist das natürlich eine Bürde, man fühlt Druck. Niemand kann einen auf diesen Job vorbereiten. Man kann jedes Buch der Welt lesen, das Gefühl, in der ersten Reihe zu stehen, lernt man dadurch nicht. Irgendwann muss man den Schritt machen, dann sieht man, ob man schwimmen kann oder nicht. Ich habe versucht, mich von der Bürde der Firmengeschichte zu lösen. Ich will nicht das Gefühl haben, dass mir sieben Generationen über die Schulter schauen. Ich muss auch frei entscheiden können. Ich habe das Gefühl, ich habe mich gut eingefunden.
Die Zeiten sind ja nicht leicht. Wie gehen Sie an die Arbeit ran?
SCHÖFFEL: Wir brauchen Zuversicht. Wir brauchen einen neuen Optimismus, auch wenn die Zeiten schwierig sind. Ich versuche, immer die Chancen zu sehen.
Zur Person
Jakob Schöffel, 27, ist seit 2025 geschäftsführender Gesellschafter in achter Generation der Schöffel-Gruppe in Schwabmünchen. Der studierte Betriebswirt leitet ein Unternehmen mit rund 250 Mitarbeitern.
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