In China rennen Roboter inzwischen den Menschen davon, in Bayern könnten sie nun auch noch lernen, wie man Müll sortiert. Klingt simpel, ist es aber nicht. Wer je an einem Wochenende in einem bayerischen Dorf auf einem Wertstoffhof seine nicht ganz sortenreinen Abfälle loswerden wollte, weiß, was gemeint ist. Künstliche Intelligenz könnte die Lösung sein, die dem Roboter sagt, was wirklich in welchen Container gehört, und dem Menschen so viel Arbeit abnimmt.
Die Steuerung von Robotern und Medizinforschung, die beispielsweise teilweise Tierversuche ersetzt, sind der Schwerpunkt der Arbeit mit dem bayerischen KI-Basismodell, das ab Herbst an der Uni in Erlangen am dortigen Rechenzentrum trainiert werden soll. Hochleistungsprozessoren im Wert von mehr als 50 Millionen Euro hat der Freistaat Bayern jetzt dafür bestellt und stellt den Forschern „unseren neuen Supercomputer“ hin, wie Professor Gerhard Wellein vom Zentrum für Nationales Hochleistungsrechnen in Erlangen schwärmt. Im Vergleich zu KI-Rechenzentren in München und im Allgäu ist Erlangen zwar deutlich kleiner. Die mit ihm verknüpften Hoffnungen sind dennoch groß.
Was KI aus Bayern kann
Als die Staatsregierung mit ihren Plänen für Künstliche Intelligenz „made in Bayern“ an die Öffentlichkeit ging, sprach Wissenschaftsminister Markus Blume von einem Bayern-GPT. Das erinnerte an ChatGPT, den KI-Chatbot, der von OpenAI entwickelt wurde und in der Lage ist, menschliche Sprache zu verstehen und kontextbezogene Antworten zu geben. Dieses und ähnliche Modelle sind für viele Menschen zu unverzichtbaren Alltagshelfern geworden und insofern war Blumes Vergleich eingängig. Tatsächlich aber geht es nicht darum, eine KI zu schaffen, die in sämtlichen bayerischen Mundarten fit ist.
Vielmehr wurden über 40 Forschungsvorhaben von elf bayerischen Hochschulen aus den Bereichen Robotik und Gesundheit ausgewählt, bei denen es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz für praktische Zwecke geht. KI – das sagen viele Experten – sorgt für die nächste industrielle Revolution und diese will Bayern nicht verschlafen. Die Forschungsvorhaben sollen der Wirtschaft den Weg ebnen. Blume: „Wir schlagen das nächste Kapitel auf.“
Bayern hat unter dem technikbegeisterten Ministerpräsidenten Markus Söder inzwischen 5,5 Milliarden Euro in seine sogenannte Hightech-Agenda gesteckt und Hunderte Professuren an den Hochschulen geschaffen. Künstliche Intelligenz, Quantencomputer, Kernfusion und Raumfahrt sind die Felder, auf denen bayerische Forscher und Firmen weltweit vorne mitspielen sollen. Nächster Meilenstein wäre eine sogenannte KI-Giga-Factory, von denen die Europäische Union eine Handvoll fördern will. Das deutsche Super-Rechenzentrum soll nach den Vorstellungen der Staatsregierung in Schweinfurt entstehen, wo die Stromautobahn „Südlink“ für ausreichend Energie aus den Windrädern Norddeutschlands sorgen könnte. Aber Brüssel lässt sich mit der Entscheidung Zeit.
Die Prozessoren für Bayerns KI kommen aus den USA
Doch zurück zur bayerischen KI, für deren Zwecke offenbar weniger Rechen-Kraft nötig ist. Bis zu 1700 Hochleistungsprozessoren sollen dafür in Erlangen zusammengeschaltet werden. Sie stammen vom US-Hersteller Nvidia, denn der ist laut Blume in diesem Bereich ganz „einfach das Maß der Dinge“. Nvidia-Vizepräsident Rod Evans hörte das sicher gern und revanchierte sich mit lobenden Worten für die Hightech-Politik Bayerns. Diese, so sieht es aus, bietet dem US-Konzern noch weitere Möglichkeiten.
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