Feldarbeit in der Allianz Arena: Da denkt man an perfektes Kombinationsspiel, an die berühmten Chipbälle von Joshua Kimmich in den gegnerischen Strafraum. Vor ein paar Tagen aber rückten auf dem Münchner Meisterrasen Traktoren samt Anhänger an, um Feldarbeit im landwirtschaftlichen Sinne zu leisten. Der Rasen musste weg. Kommende Woche beginnt der erste richtige Konzertsommer in der Geschichte der Arena, und weder Linkin Park noch Helene Fischer können auf Rasen spielen. Für die insgesamt neun Konzerte im Juni und Juli muss das Stadion des FC Bayern aufwendig umgebaut werden.
„Wo ist das Gras?“ Das ist die wohl häufigste Frage der Fans, die in diesen Tagen an einer geführten Tour durch die Arena teilnehmen. Sascha Thomos kann erklären, warum der Innenraum gerade ein „überdimensionaler Sandkasten“ ist, wie er es nennt.
Der Rollrasen des FC Bayern wurde entsorgt
Der Rollrasen sei entfernt worden, weil hier der Stehplatzbereich für die Konzerte entsteht. Innerhalb von nur eineinhalb Tagen haben die Landmaschinen das komplette Gras abgefräst. So entstanden 311 Tonnen Grasmüll, die mittlerweile entsorgt sind. „Statt Rasen werden über der Sandschicht Bodenplatten verlegt“, erklärt der 27-jährige Arena-Guide. Das dauert insgesamt drei Tage. Viele Details beim gigantischen Umbau von der Fußball-Arena zu einer Konzertlocation aber sind auf den ersten Blick gar nicht sichtbar.
Auf den Rängen werden noch die rot-silbernen Konfetti von der Meisterparty beim letzten Heimspieltag zusammengekehrt. Draußen in der Nähe der Mixed Zone, wo sonst die Busse der Bundesligateams vorfahren, hämmern und bohren Handwerker. „Das wird der Backstagebereich für die Konzerte“, erklärt Stadionführer Thomos. Doch kaum ein Laie hat auf dem Schirm, wie viel Aufwand es bedeutet, wenn BTS statt des FCB hier spielen. Jürgen Muth weiß das besser als jeder andere.
Der gebürtige Würzburger ist seit 24 Jahren Geschäftsführer der Allianz Arena. Schon für das erste Konzert im Stadion, Guns'n'Roses im vergangenen Jahr, habe man die Zufahrten umgebaut. „40-Tonnen-Lkw können seitdem bequem in den Innenraum fahren“, erklärt Muth. Von seinem Büro in einem der oberen Stockwerke des Stadions sind es nur ein paar Meter bis in den Sitzplatzbereich.
Die Arbeit beginnt weit vor den Konzerten in der Allianz Arena
Sechs bis neun Monate vor dem ersten Auftritt beginnt für ihn die Vorbereitung auf die Konzertsaison. Muth kümmert sich vor allem um die Verträge, die Finanzen. Im Stehplatzbereich geht es jetzt darum, Fluchtwege zu schaffen, die im Dunkeln auch ausreichend beleuchtet sind. „Sonst brauchen wir die nicht, weil es keine Publikumsbewegung vom Spielfeldbereich nach draußen gibt.“ Kimmich, Musiala und die anderen Bayernstars finden durch den mit riesigen LED-Wänden in Bayern-Rot beleuchteten Spielertunnel ohnehin sicher in die Kabine.
Den Aufbau der Technik übernehmen Mitarbeitende der Arena zusammen mit Angestellten des Konzertveranstalters. Bei den meisten Auftritten ist das der US-Anbieter Live Nation. „Der Veranstalter bringt Bühnen-, Ton- und Lichttechnik mit. Wir sind im Wesentlichen zuständig für den Stecker, aus dem der Strom kommt“, sagt Geschäftsführer Muth. Eine Spezialaufgabe wartet auf die Stadiontechniker: „Helene Fischer ist ja bekannt dafür, gerne durch die Luft zu schweben. Wir kümmern uns darum, dass das risikofrei funktioniert.“
Die Mannschaftskabine des FC Bayern soll vom Konzerttrubel so weit wie möglich unberührt bleiben. Davon abgesehen aber würden „große Teile der Funktionsbereiche auch von den Künstlern genutzt“. Sie hätten dann zum Beispiel eine eigene gastronomische Versorgung.
Linkin Park (11./12. Juni) und die Foo Fighters (17. Juni) teilen sich eine Bühne. The Weeknd (25./26./27. Juni), BTS (11./12. Juli) und die Schlagerkönigin (17. Juli) bringen jeweils ihre eigene Tourbühne mit. Bei den ersten drei Künstlern steht sie da, wo beim Fußball der südliche Strafraum wäre. Helene Fischer und BTS liefern eine 360-Grad-Show mit der Bühne im Mittelkreis des früheren Spielfelds.
Lange waren in der Allianz Arena gar keine Konzerte vorgesehen, doch weil das Münchner Olympiastadion von 1972 saniert werden muss, wurde die Arena zur Ausweichspielstätte. Haben die Betreiber aus dem ersten Konzert vergangenes Jahr etwas gelernt? „Bei Guns'n'Roses waren wir mit der Akustik nicht zufrieden“, sagt Muth selbstkritisch. Viele Fans und Berichterstatter sahen das ähnlich.
Die elliptische Form des Stadions, die geschwungene Hülle und die steilen Ränge reflektieren den Schall. So kann es zu Echos kommen. Doch was Fangesänge verstärkt, stört bei Pop- und Rockkonzerten. Bei der Akustik habe man erfolgreich noch einmal „geübt“, sagt Muth. Die Lautsprechersysteme seien mittlerweile „nachjustiert“.
Bis zu 75.000 Menschen werden im Juni und Juli hier bei jedem Konzert feiern. Nahezu alle Auftritte sind bereits ausverkauft, für Helene Fischer und die Foo Fighters gibt es nur noch Restkarten.
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