Der FC Bayern hätte Vincent Kompany nicht benötigt, um Deutscher Meister zu werden. Die Münchner haben den Titel schon mit ganz anderen Trainern geholt. Mit Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel etwa. Oder mit Felix Magath und Niko Kovac. Mittlerweile ist es schwer geworden, als Trainer des FC Bayern am Ende der Saison nicht die Meisterschaft feiern zu können. Zu weit sind die Münchner ihren Konkurrenten finanziell und daher zwangsläufig auch sportlich enteilt.
Kompany aber hat etwas geschafft, das etlichen seiner Vorgängern verborgen geblieben ist. Den Bayern wird dieses Mal der Titel nicht geneidet. Viele Fans erfreuen sich am spektakulären Fußball. Für beides ist größtenteils Vincent Kompany zuständig. In einem Geschäft, das an Blendern und Selbstdarstellern nicht arm ist, wirkt Kompany geradezu normal. Er ist der Chef von über 20 millionenstarken Ich-AGs, hat es aufgrund seines Berufs permanent mit unzufriedenen Angestellten zu tun – schließlich muss er mehr als die Hälfte seiner Spieler regelmäßig enttäuschen, weil sie es nicht in die Startelf geschafft haben. Natürlich ist Kompany selbstbewusst. Anders lässt sich der Job eines Bundesligatrainers nur schwerlich erfolgreich ausüben. Kompany aber ist nicht selbstherrlich.
Hansi Flick und Jupp Heynckes wurden anfangs auch unterschätzt
Das unterscheidet ihn von vielen Führungspersönlichkeiten in Sport, Wirtschaft und Politik. Kompany steht nicht im Verdacht, mehr zu versprechen, als er halten kann. Er steht somit in einer Tradition mit Jupp Heynckes und Hansi Flick. In politischer Hinsicht steht er eher Angela Merkel als Markus Söder nahe. Allesamt wurden sie unterschätzt, ehe sie ihre größten Erfolge feierten. Heynckes galt als Auslaufmodell, ehe ihn die Bayern reaktivierten. Flick war erst Co-Trainer und dann Übergangslösung, ehe er die Münchner zu sämtlichen Titeln führte, die der deutsche und internationale Vereinsfußball zu bieten hat. Merkel war Helmut Kohls „Mädchen“ , ehe sie es mit einer Mischung aus Geduld, Beharrlichkeit und Kaltschnäuzigkeit ins Kanzleramt schaffte.
Jürgen Klopp hat sich einst als „Normal One“ bezeichnet. Aufgrund seiner rhetorischen Fähigkeiten und der Gabe, einen Raum sofort für sich einzunehmen, war er das nie. Kompany ist der Normalo unter den internationalen Spitzentrainern. Dass die Bayern überhaupt auf ihn aufmerksam geworden sind, ist bemerkenswert. Kompany war mit dem FC Burnley abgestiegen, als die Münchner ihn verpflichteten. Er war nicht die erste Wahl und auch nicht die zweite oder dritte. Er erarbeitete sich schnell das Vertrauen der Mannschaft. Eine Fußballkabine kann gnadenlos sein. Hat man sie aber für sich gewonnen, steht der Weg zum Erfolg offen.
Kompany hat sich nie zu Transfers geäußert. Er kritisiert Spieler nicht öffentlich. Wo Nagelsmann oder Tuchel das Gefühl hatten, sich öffentlich positionieren zu müssen, schweigt Kompany. Das ist weder Feigheit noch Gleichgültigkeit. Kompany hat sich etwa schlau zum Thema Rassismus geäußert. Er erlaubt sich nur, sich nicht bei jedem Thema zu Wort zu melden. Eine angenehme Fähigkeit.
Nagelsmann, Klopp, Jose Mourinho, Tuchel – der Fußball benötigt extravagante Typen. Kompany aber kann ein Vorbild für die Stillen und Zurückhaltenden sein. Für alle, die der Wucht der Tat vertrauen. Die davon überzeugt sind, dass sich empathische Arbeit auszahlt. Auch sie werden benötigt. Auch sie haben Erfolg. Kompany ist ein Glücksfall. Vor allem für den FC Bayern, der den besten Trainer bekommen hat, den er nie eingeplant hatte.
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