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Umfrage: Was sich Bürger in Bayern jetzt vom Start erwarten

Bayern nach der Wahl

Mehr Transparenz, Behördengänge online erledigen: Was die Bürger jetzt vom Staat erwarten

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    51 Prozent der Bayern wünschen sich, dass Städte und Gemeinden deutlich mehr digitale Dienste anbieten sollten. 
    51 Prozent der Bayern wünschen sich, dass Städte und Gemeinden deutlich mehr digitale Dienste anbieten sollten.  Foto: Bernd Weißbrod, dpa

    Wenn die neu gewählten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in knapp drei Wochen ihr Amt antreten, bedeutet das nicht nur ein großes Stühlerücken in den Rathäusern und Landratsämtern im Freistaat. Dann beginnt die eigentliche Arbeit in den Verwaltungen – und die ist mit klaren Erwartungen der Bevölkerung verbunden. Dabei fordern die Bürgerinnen und Bürger vor allem, dass politische Entscheidungen verständlich und transparent kommuniziert werden. „Das ist die Botschaft für die neuen Amtsinhaber, aber auch für die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die weitermachen. Sie alle müssen in die Kommunikation mit den Bürgern gehen“, erklärt Hans-Christian Witthauer.

    Witthauer ist Vorstand der Bayerischen Verwaltungsschule (BVS), die vor der Kommunalwahl eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben hat, die unserer Redaktion exklusiv vorliegt. Mehr als 1000 wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger aus allen sieben Regierungsbezirken im Freistaat wurden dafür befragt. Was also erwarten die Menschen konkret von den Behörden vor Ort? Wo sehen sie dringenden Verbesserungsbedarf in den kommunalen Verwaltungen?

    Die Bürger wissen zu wenig, wie Entscheidungen in den Gemeinden getroffen werden

    Ein Ergebnis des BVS-Stimmungsbarometers: 64 Prozent der Menschen im Freistaat wissen oft gar nicht Bescheid, wie Entscheidungen in Stadt- oder Gemeinderäten zustande kommen. Witthauer sieht hier die kommunale Verantwortung. Die Bevölkerung fordere mehr Aufklärung – sowohl über die Beweggründe politischer Entscheidungen als auch über Zukunftsprojekte in ihrer Gemeinde. „Man muss die Bürger auch da erreichen, wo sie unterwegs sind“, betont Witthauer.

    Den Gang zur Kfz-Zulassungsstelle sollen sich die Bürger zunehmend sparen können.
    Den Gang zur Kfz-Zulassungsstelle sollen sich die Bürger zunehmend sparen können. Foto: Armin Weigel/dpa

    Ein weiteres Ergebnis: Bayerns Bürgerinnen und Bürger wollen ihre Behördengänge so weit wie möglich online erledigen können. Das sagen in der BVS-Umfrage 65 Prozent der Befragten. Das deckt sich mit den Ergebnissen einer Bitkom-Studie vom Herbst 2025. Zudem forderten 51 Prozent der Befragten, dass Gemeinden deutlich mehr digitale Dienste anbieten sollten. Witthauer betont: „Die Bürger erwarten einfach mehr digitale Dienste und dass sie nicht mehr zwanghaft aufs Amt gehen müssen.“ Einen Personalausweis zu beantragen, werde immer mit einem Termin bei der Kommune verbunden sein – schon, weil man das ein hoheitlicher Akt sei. Bei anderen Anliegen sei deutlich mehr möglich: Zuletzt, berichtet der 62-Jährige, habe er das Auto seiner Tochter komplett online angemeldet. „Wenn ich das von Zuhause aus am Abend erledigen kann, dann steigt auch die Zufriedenheit mit der Verwaltung“, ist Witthauer überzeugt.

    55 Prozent ärgern sich über Termine und Öffnungszeiten der Ämter in Bayern

    Schließlich ist das laut BVS-Umfrage auch einer der größten Kritikpunkte an den Behörden in Bayern: 55 Prozent der Befragten ärgern sich darüber, dass die verfügbaren Termine und Öffnungszeiten in den Ämtern es schwierig für sie machen, ihre Anliegen zu erledigen. Witthauer ist überzeugt, dass die Digitalisierung viele Probleme lösen kann – erst recht, weil die Verwaltungen sich zunehmend schwertun, genügend ausgebildetes Personal zu finden. „Standardvorgänge kann die KI sehr viel besser und sehr viel schneller bearbeiten“, sagt Witthauer. Das gelte für den digitalen Bauantrag genauso wie für eine unkomplizierte Einkommenssteuererklärung. Natürlich müsse ein Sachbearbeiter den Fall im Nachgang prüfen, natürlich müsse der Einsatz der KI transparent, sicher und mit klaren Grenzen erfolgen.

    Hans-Christian Witthauer ist überzeugt, dass mit zunehmender Digitalisierung auch die Zufriedenheit der Bürger mit der Verwaltung steigt.
    Hans-Christian Witthauer ist überzeugt, dass mit zunehmender Digitalisierung auch die Zufriedenheit der Bürger mit der Verwaltung steigt. Foto: Bayerische Verwaltungsschule

    Nachholbedarf gibt es in jedem Fall – nicht nur in Bayern. Das belegt eine Studie des Branchenverbands Bitkom aus dem vergangenen Jahr. Was die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung angeht, belegt Deutschland im innereuropäischen Vergleich gerade einmal Platz 21 von 27. Bitkom-Präsident Ralf Wintererst fordert, die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungen massiv zu beschleunigen. Doch der „digitale Flickenteppich“ – je nach Bundesland unterschiedliche Standards und Prozesse – erschwert das.

    Doch es tut sich etwas: Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) und sein bayerischer Kollege Fabian Mehring (FW) haben im Januar das Versprechen abgegeben, dass bis Ende des Jahres Behördengänge für wichtige Dienstleistungen in den Rathäusern in ganz Bayern überflüssig sein sollen. Konkret geht es dabei um fünf zentrale Dienstleistungen, die Bayerns Bürger per Handy erledigen sollen: die Ummeldung des Wohnsitzes, den Führerscheinantrag, Aufenthaltstitel, Bauvorbescheid- sowie Genehmigung und waffenrechtliche Erlaubnisse. Bayern soll hier zusammen mit Hessen vorangehen.

    Diese Leistungen betreffen laut bayerischem Digitalministerium breite Bevölkerungsgruppen und eignen sich besonders für eine landesweite Standardisierung. „Ich will, dass die Menschen ganz persönlich spüren, dass jetzt etwas vorangeht“, sagte Bayerns Digitalminister im Januar. „Verwaltung muss überall, jederzeit und einfach online funktionieren.“

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