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München verringert Personalmangel mit Pflege-Offensive aus dem Ausland

Pflege

500 neue Pflegekräfte im Jahr: Wie München der Pflegekrise mit Innovation begegnet

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    Internationale Pflegekräfte wie Kanan (Mitte) versorgen die Puppe Luca nach einer fiktiven Blinddarm-OP.
    Internationale Pflegekräfte wie Kanan (Mitte) versorgen die Puppe Luca nach einer fiktiven Blinddarm-OP. Foto: Michael Nagy, Presseamt München

    Pfleger Kanan zieht seine sterilen Plastikhandschuhe über und entfernt den Wundverband des kleinen Luca, der sich in einem Bett der München Klinik Schwabing von seiner Blinddarm-OP erholt. Kanan mustert die Wunde. „Keine Rötung, keine Schwellung“, sagt der 27-Jährige prüfend und führt alle notwendigen Schritte durch, bis der neue Verband angelegt ist. „Sehr gut“, lobt seine Praxisanleiterin. Einen Verband zu wechseln, ist für Kanan keine Herausforderung. Im Nahen Osten hat er eine Pflege-Ausbildung mit Bachelor-Abschluss absolviert. Doch in Deutschland darf er bislang nur an einer Puppe arbeiten. Der kleine Luca ist aus Kunststoff.

    Jedes Jahr sollen bis zu 500 Fachkräfte ihre Qualifikation erhalten

    Damit ausländische Pflegekräfte möglichst bald nach ihrer Ankunft in Deutschland auch hiesigen Pflegebedürftigen eine Hilfe sein können, gibt es in München seit September ein neues Angebot. Am Kompetenzzentrum für internationale Pflegekräfte (KiP) der städtischen München Klinik sollen jedes Jahr bis zu 500 Fachkräfte aus dem Ausland die Nachweise und Qualifikationen erwerben, die ihnen nach Überzeugung der Gesundheitsbehörden für den Einsatz in Deutschland noch fehlen. Es geht um stationäre Pflege ebenso wie um Altenpflege. So beweisen sie ihre Fähigkeiten etwa in digitalisierten Trainings, bei denen mithilfe von Spezialpuppen auch Notfälle simuliert werden können.

    Der 27-jährige Pfleger aus dem Nahen Osten hat in seiner Heimat unter anderem in der Notaufnahme einer Klinik gearbeitet.
    Der 27-jährige Pfleger aus dem Nahen Osten hat in seiner Heimat unter anderem in der Notaufnahme einer Klinik gearbeitet. Foto: Michael Nagy, Presseamt München

    Verena Dietl (SPD), Gesundheitsbürgermeisterin der Stadt München, sagte beim offiziellen Start des Projekts am Dienstag, am KiP könnten Fachkräfte „alle notwendigen Anpassungsmaßnahmen aus einer Hand absolvieren“. So wolle man den Weg bis zu einer Arbeitserlaubnis beschleunigen, die bislang oft lange Wartezeiten mit sich bringt. Und: „Wir hoffen, dass uns andere Städte nachfolgen.“

    Sprach- und Kulturunterschiede sind eine Hürde

    Bayern ist angesichts des Fachkräftemangels auf die Unterstützung ausländischer Pflegekräfte angewiesen. Das betont Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach (CSU). Zum Stichtag 31. März 2025 waren in Bayern rund 239.549 Pflegekräfte sozialversicherungspflichtig und geringfügig beschäftigt (Fach- und Hilfskräfte), davon 72 Prozent mit deutscher und 28 Prozent mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Davon waren 153.707 Pflegefachkräfte, 79 Prozent mit deutschem Pass und 21 Prozent aus dem Ausland. Gerlach weiß aber auch um die Hürden bei der Integration: Eine gelungene Integration setzt voraus, dass ausländische Pflegekräfte sowohl fachlich und sprachlich als auch sozial bestmöglich in den Alltag integriert werden“, erklärt sie auf Anfrage unserer Redaktion. „In der Praxis stellen Sprach- und Kulturunterschiede Herausforderungen dar.“ Gerade kleinere Pflegeeinrichtungen könnten sich oft keinen eigenen „Integrationsmanager“ leisten. Deshalb stelle man Pflegeeinrichtungen Handlungsleitfäden und Best-Practice-Beispiele zum Thema Integration zur Verfügung. „Damit bieten wir praktikable Lösungen, mit denen Herausforderungen gut gemeistert werden können“, so Gerlach.

    Bei der AWO Schwaben legt man großen Wert auf eine professionelle Betreuung und Unterstützung der Pflegekräfte, sagt Vorstandsvorsitzender Dieter Egger.
    Bei der AWO Schwaben legt man großen Wert auf eine professionelle Betreuung und Unterstützung der Pflegekräfte, sagt Vorstandsvorsitzender Dieter Egger. Foto: Guido Köninger, AWO Schwaben

    Kanan, der sich in München gerade auf seine Anerkennungsprüfung vorbereitet, ist vor einem Jahr und zwei Monaten nach Deutschland gekommen. In seiner Heimat hat er vier Jahre als Pflegefachmann gearbeitet, davon zwei Jahre in einer Notaufnahme. Aktuell ist er Pflegehelfer in der Klinik im Münchner Stadtteil Harlaching – ein Job, der hierzulande schon nach einem Jahr Ausbildung zu machen ist. Der 27-Jährige ist mit seinem Studienabschluss aus dem Nahen Osten komplett überqualifiziert. Sobald er am KiP die nötigen Prüfungen bestanden hat, kann er alle Aufgaben einer Pflegefachkraft übernehmen – und möchte dem Krankenhaus treu bleiben. „Ich liebe es, in einer Klinik zu arbeiten.“

    Jedes Jahr 500 neue Kräfte gegen den Mangel in der Pflege also: Die Stadt München finanziert das bundesweit einzigartige Zentrum, das jetzt in eine dreijährige Pilotphase geht, mit drei Millionen Euro pro Jahr. Aktuell kommen dem KiP-Team zufolge die meisten internationalen Fachkräfte am Haus aus Ägypten, Tunesien, Nordafrika im Allgemeinen. Die Pflegekräfte sollen zwar bevorzugt in München und der Umgebung tätig sein. Klinik-Direktorin Petra Geistberger betont aber: „Wenn Plätze frei sind, nehmen wir auch Leute aus dem weiteren Umland auf.“ Man wolle schließlich ein Vorbild sein.

    Doch auch in Schwaben sind die Pflegeanbieter nicht untätig. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Schwaben habe eine eigene Stelle für die Integration geschaffen, erklärt Vorstandsvorsitzender Dieter Egger, denn man lege großen Wert auf eine professionelle Betreuung und Unterstützung der Pflegekräfte. Allein der AWO Schwaben fehlten aktuell 180 Vollzeit-Pflegekräfte, um die 22 Seniorenheime zu 100 Prozent auslasten zu können. Die Integration internationaler Pflegekräfte könne aber nicht nur dazu beitragen, den akuten Bedarf zu decken. Sie könne auch neue Perspektiven und innovative Ideen in die Belegschaft bringen.

    Lange Wartezeiten bei den Ausländerbehörden, Probleme bei Sprachkursen

    Doch Egger weiß auch um die Hürden bei der Integration, diese seien vielfältig. „Lange Wartezeiten bei Ausländerbehörden vor Ort und oft sehr späte Rückmeldung bei Terminen für Wohnsitzanmeldungen und bei der Bearbeitung von Verlängerungen der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erschweren unsere Arbeit und verzögern somit die Integration und das Ankommen der ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Hinzu komme, dass es oft Hürden bei den Sprachkursen gibt. „Sehr positiv ist hingegen die Zusammenarbeit mit der Zentralen Stelle für die Einwanderung von Fachkräften (ZSEF) und dem Landesamt für Pflege.“ Hier sei die Bearbeitung von Anträgen und die Beantwortung bei Rückfragen mittlerweile sehr schnell.

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