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Parkinson: Bei den weiterführenden Therapien sieht ein Arzt eine massive Unterversorgung

Welt-Parkinson-Tag

„Es herrscht eine massive Unterversorgung“: Was einem Handwerksmeister bei Parkinson hilft

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    Es ist nicht nur das Zittern, das Parkinson-Erkrankten schwer zu schaffen macht. Die  Bewegungsmöglichkeiten sind oft sehr beeinträchtigt. Hinzu kommen Schmerzen.
    Es ist nicht nur das Zittern, das Parkinson-Erkrankten schwer zu schaffen macht. Die Bewegungsmöglichkeiten sind oft sehr beeinträchtigt. Hinzu kommen Schmerzen. Foto: Laura Ludwig, dpa (Symbolbild)

    Er merkte es beim Zähneputzen. Irgendetwas stimmte nicht. Der gewohnte Rhythmus, er gelang ihm einfach nicht mehr. Auch beim Aufschlagen von Eiern spürte er eine Veränderung. Seiner Frau fiel dann auch auf, dass seine Stimme leiser war. Das Ganze ließ dem Fahrzeuglackierermeister keine Ruhe. Er googelte. Und musste lesen, dass seine Symptome auf Parkinson hindeuten könnten. Dabei war er erst 50 Jahre alt. Er ging zu einem Neurologen. Der Arzt bestätigte den Verdacht.

    Rund 400.00 Menschen sind in Deutschland betroffen - Tendenz steigend

    Rund 400.000 Menschen sind in Deutschland an Parkinson erkrankt. Das meldet die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DGP) mit Blick auf den Welt-Parkinson-Tag am 11. April. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung des Gehirns. Ein körpereigenes Eiweiß verklumpt sich im Mittelhirn. Dadurch werden Gehirnzellen geschädigt und sterben ab. Dies wiederum hat zur Folge, dass der Körper den wichtigen Botenstoff Dopamin nicht mehr bilden kann, was die Steuerung der Bewegungen beeinträchtigt.

    Immer mehr Menschen sind von der Erkrankung betroffen, erklärt Privatdozent Dr. Thomas Köglsperger. Denn Hauptrisikofaktor ist das Alter, sagt der Parkinson-Experte und Leiter der Ambulanz für Intensivierte Parkinson-Therapie an der Neurologischen Klinik am LMU-Klinikum München. Es kann aber auch Jüngere treffen. Die Ursachen dieser unheilbaren Erkrankung seien noch nicht ganz erforscht. Man gehe davon aus, dass neben dem Alter auch genetische Faktoren eine Rolle spielen, sowie Umwelteinflüsse wie etwa Pestizide.

    Eine Schlafstörung kann ein frühes Anzeichen sein

    Bemerkbar macht sich Parkinson nicht nur durch den sogenannten Tremor, also das Zittern. Anfangs könne eine oft einseitige Muskelsteifigkeit auftreten. Verlangsamte oder kleiner werdende Bewegungen sowie das leichte Nachziehen eines Beines können Anzeichen sein. Auch Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken, Riechstörungen, Verstopfung und Schlafstörungen zählen dazu. So weiß man heute, dass sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörungen schon ein erstes frühes Symptom sein können. REM ist die Abkürzung von „Rapid Eye Movement“, was so viel wie „schnelle Augenbewegung“ heißt. Betroffene schlafen sehr unruhig, treten mitunter um sich und erleben sehr lebhafte Träume.

    Privatdozent Dr. Thomas Köglsperger ist Parkinson-Experte und Leiter der Ambulanz für Intensivierte Parkinson-Therapie an der Neurologischen Klinik am LMU Klinikum München.
    Privatdozent Dr. Thomas Köglsperger ist Parkinson-Experte und Leiter der Ambulanz für Intensivierte Parkinson-Therapie an der Neurologischen Klinik am LMU Klinikum München. Foto: LMU Klinikum München

    Positiv sei, dass man all die neurodegenerativen Erkrankungen, zu denen auch Alzheimer zählt, immer besser versteht. Dadurch verbesserten sich auch die Therapiemöglichkeiten, betont Köglsperger. Doch nicht alle Zusammenhänge bedeuteten einen Durchbruch: So sei lange Zeit das Darmmikrobiom im Fokus der Forschung gestanden, da angenommen wurde, dass dort der Auslöser von Parkinson zu suchen sei. „Da ist man heute vorsichtiger.“ Zwar beeinflusse das Darmmikrobiom auch die Gehirngesundheit, „doch direkte Verbindungen zu Parkinson konnten bisher nicht belegt werden“. Hoffnung verbreitete auch die Meldung, dass das Diabetes-Medikament Lixisenatid, das rund um die Abnehmspritze bekannt wurde, den Verlauf von Parkinson verlangsamen könnte. „Dazu gibt es bislang allerdings noch zu wenige Langzeitdaten, um eine Empfehlung aussprechen zu können.“

    Es fehlt an Aufklärung der Patienten – „ParkLink“ will das in Bayern ändern

    Dennoch könne man heute mit Medikamenten Parkinson gut behandeln. Das Problem sei aber, dass die Wirkung mit dem Fortschreiten der Erkrankung oft zunehmend schwanke. Dann würden aber weiterführende Therapien wie etwa eine Dopamin-Pumpe oder die Tiefe Hirnstimulation (THS), die auch als Gehirnschrittmacher bekannt ist, helfen. „Doch bei der weiterführenden Therapie haben wir eine massive Unterversorgung“, bedauert Köglsperger. Es fehle oft an Aufklärung. Das Parkinson-Netzwerk „ParkLink“ will das in Bayern ändern. Denn Köglsperger weiß, dass viele Patienten gerade einen Gehirnschrittmacher nur als allerletzten Schritt sehen und viel Angst davor haben. „Dabei ist die Operation, die übrigens mittlerweile an vielen Kliniken unter Vollnarkose abläuft, ein Routineeingriff und die THS sehr gut verträglich.“

    Auch der erkrankte Fahrzeuglackierermeister hat seit Januar einen Gehirnschrittmacher. „Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, ich werde mir so etwas in den Kopf einsetzen lassen, ich hätte ihn für verrückt erklärt“, erzählt er. „Heute kann ich es nur jedem Erkrankten empfehlen.“ Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Mit der Krankheit zu leben, sei nicht einfach. Seine Frau klage beispielsweise, dass sich seine Persönlichkeit verändere, dass er oft aggressiver reagiere, nicht mehr so empathisch sei. Er selbst sieht das eigentlich nicht so.

    „Am Anfang habe ich vor allem gehofft, dass die Erkrankung nur langsam voranschreitet. Doch bei mir ging es rapide abwärts.“

    Er erkrankte vor acht Jahren mit 50 an Parkinson

    Für ihn ist insbesondere wichtig, dass sich mit dem Gehirnschrittmacher seine Lebensqualität enorm verbessert habe: „Am Anfang habe ich vor allem gehofft, dass die Erkrankung nur langsam voranschreitet“, erzählt der heute 58-Jährige. „Doch bei mir ging es rapide abwärts.“ Besonders belastet habe ihn, dass er beim Autofahren so starke Probleme hatte, er konnte einfach die Spur nicht mehr halten. Auch einfache Alltagsbewegungen, wie das Hinsetzen auf einen Stuhl, dauerten plötzlich ewig. „Und ich konnte mich nur noch in Minitrippelschritten vorwärtsbewegen.“ Dass dies alles seine Arbeit als selbstständiger Handwerksmeister mit kleinem Team massiv einschränkte, ist klar. Erschwerend hinzu kommt: Nach einem Unfall ist einer seiner Arme gelähmt – umso wichtiger ist das Funktionieren des anderen Arms. Doch bei ihm haben die Medikamente bald nicht mehr gewirkt.

    Zum Glück sei er auf die Parkinsonambulanz von Dr. Köglsperger aufmerksam geworden. „Klar, es bedeutet schon Mut, sich so einen Gehirnschrittmacher einsetzen zu lassen. Aber ich dachte mir: Was habe ich zu verlieren?“ Heute führe er ein ganz anderes Leben: „Ich kann wieder arbeiten. Und vor allem habe ich eine Riesenfreude an meinem kleinen Enkel, gerade mit ihm will ich noch lange Spaß haben.“

    Hilfe

    Am 15. April findet ein kostenloser digitaler Welt-Parkinson-Tag statt. Weitere Informationen unter https://www.parkinsonstiftung.de/wpt. Auch die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen – https://parkinson-gesellschaft.de – informiert Betroffene und Angehörige. Zu dem Parkinson-Netzwerk ParkLinks erhalten Sie mehr Infos unter https://www.parklink.info/park

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