Die Metropolregion München ist die unattraktivste in ganz Deutschland. Wie bitte, das kann doch wohl nicht sein? Selbst Nicht-Münchner, die ohne rosarote Brille auf die bayerische Landeshauptstadt schauen, dürften sich über eine solche Aussage erst einmal wundern. Doch eine neue Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (iw) kommt zu genau diesem Ergebnis. Also: Was ist da los? Das kann am besten Johannes Ewald erklären, denn er hat die Forschungsgruppe geleitet. Schnell stellt sich heraus: alles eine Frage der Definition. Wobei Platz eins der lebenswertesten Regionen viele extrem überraschen dürfte.
Auch das Donau-Ries und Traunstein zählen zur Metropolregion München
„Die Metropolregion München geht von Eichstätt bis zur Zugspitze und von Kaufbeuren bis Altötting“, erklärt Ewald. Mehr als sechs Millionen Menschen leben ihm zufolge dort. Fasst man die Definition derart weit, zählen selbst das Donau-Ries und Traunstein zur Metropolregion München, dazu viele weitere ländliche Gebiete.
„In den Landkreisen Donau-Ries oder Traunstein profitieren die Bürger nicht mehr allzu stark von den vielfältigen kulturellen Angeboten in der Stadt München“, erklärt Ewald anhand eines Beispiels. Er und sein Team haben in ihrer Analyse die Perspektive von Fachkräften eingenommen und deren Bedürfnisse zugrunde gelegt. „In der Metropolregion München sind die Wege zu Krankenhäusern und Ärzten, Museen, Kitas oder Schulen oft weit, die hohen Immobilienpreise der Landeshauptstadt strahlen aber bis ins Umland aus“, heißt es in der Studie.
München sei zwar ein „hochattraktiver Wirtschaftsstandort“, sagt Ewald; mit der Kehrseite, „dass es gerade aus der Stadt München immer mehr Menschen herauszieht, weil sie sich das Leben dort nicht mehr leisten können oder wollen“. Bundesweit habe München in der Gruppe der 30- bis unter 50-Jährigen zuletzt die stärkste relative Abwanderung erfahren.
„Unter allen 400 Kreisen und kreisfreien Städten gibt es nirgendwo eine höhere Museen-, Theater-, Opern- und Kinodichte.“
Johannes Ewald, Studienleiter
Der Wirtschaftsexperte weist aber klar darauf hin, dass es sich bei der Studie um eine Durchschnittsbetrachtung für die gesamte Region handelt. In der Stadt München selbst etwa sehe es deutlich besser aus. „Greift man sich die Stadt heraus, ist diese dann auch bundesweit häufig spitze. Unter allen 400 Kreisen und kreisfreien Städten gibt es etwa nirgendwo eine höhere Museen-, Theater-, Opern- und Kinodichte.“
Für ihre Analyse, die – das muss der Transparenz halber erwähnt werden – vom Regionalverband Ruhr in Auftrag gegeben wurde, haben die Wirtschaftsforscher nach eigenen Angaben Statistiken der Bundes- und Landesämter, Spezialdatenbanken und eigene Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln ausgewertet.
Auch Augsburg und Teile Schwabens gehören laut Definition zur Metropolregion München. Gegenden also, in denen man sich oft gar nicht so sehr über die Landeshauptstadt definiert. Für die schwäbische Metropole liefert die Studie ebenfalls Erkenntnisse. Denn neben den Metropolregionen hat die Studie auch kleinere Einheiten im Detail untersucht. Betrachtet man Augsburg isoliert, erreicht die Stadt Platz 43 unter 400 analysierten Städten und Landkreisen.
Augsburg kratzt an den Top Ten
„Augsburg ist also fast in den Top-Zehn-Prozent der lebenswertesten Regionen“, betont Experte Ewald. „Besondere Stärken zeigen sich etwa bei der Erreichbarkeit von Schwimmbädern und Grundschulen.“ In welchem baulichen Zustand sich diese befinden, hat die Studie allerdings nicht untersucht. Auch beim Angebot an Events schneidet die Fuggerstadt mit Rang 19 überdurchschnittlich ab. Ebenso haben es die Augsburger im Schnitt besonders nah zum nächsten Spielplatz.
„Als eigenständiges städtisches Zentrum kann man daher durchaus sagen, dass sich die Lage vor Ort positiv zeigt“, bilanziert der Studienleiter. Die vergleichsweise hohen Immobilienpreise allerdings wirken sich auch aufs Augsburger Ergebnis negativ aus.
Das Forschungsteam hat die zwölf größten Ballungszentren Deutschlands anhand von 23 Indikatoren bewertet. Die Erreichbarkeit von Kitas und Schulen spielte ebenso hinein wie Mietpreise, das Angebot an Erholungsflächen, Museen, Diskotheken und Sportvereinen.
Auf Platz eins beim Lebenswert liegt das Ruhrgebiet. Die Studienautoren erklären das mit der Dichte an Ballungszentren. „Egal, wo man im Ruhrgebiet wohnt, das nächste Krankenhaus, die nächste Autobahnauffahrt oder der nächste Fernbahnhof sind extrem schnell erreichbar“, heißt es in der Zusammenfassung. Selbst die von Bayern oft gepiesackte Metropolregion Berlin-Brandenburg schafft es auf Platz neun, drei Plätze vor München.
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