Pollen-Allergiker bekommen es gerade zu spüren: Die Heuschnupfen-Saison ist in vollem Gange. „Seit Mitte Februar sind unsere Pollen-Messungen auf konstant hohem Niveau, an einzelnen Orten ging es sporadisch sogar schon im Januar los“, sagt Christina Endler vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Angesichts milder Winter startet der Pollenflug immer früher – gerade auch im Süden von Deutschland.
Sonniges Frühlingswetter begünstigt Pollenflug in Bayern: Erle, Hasel und Birke fliegen
Sonniges, trockenes Wetter, milde Temperaturen und immer eine leichte Brise – die Bedingungen waren in weiten Teilen Bayerns seit dem meteorologischen Frühlingsbeginn Anfang März durchgehend perfekt, sagt Matthias Werchan, Landschaftsökologe beim Deutschen Polleninformationsdienst (PID). „Das hat die Entwicklung der Pflanzen beschleunigt und für hervorragende Pollenflugbedingungen gesorgt, der Pollenflug war gleich zum Start in die Saison enorm.“
Was für die Verbreitung von Erle- und Hasel-Pollen nicht besser sein konnte, macht Allergikern schwer zu schaffen: Es kitzelt in der Nase, die Augen jucken und immer wieder müssen sie niesen. Auch ein Wettereinbruch mit viel Regen und kühlen Temperaturen kann den Pollenflug nicht stoppen, sagt Werchan: „Das bringt nur kurzfristig Entlastung für Allergiker. So kann sich der Beginn der Birkenblüte noch etwas verzögern, sie steht aber schon in den Startlöchern.“
Föhn verstärkt Pollenflug nahe den Alpen: Augsburg, Bodensee und München betroffen
Ein oft unterschätzter, aber verstärkender Faktor für den Pollenflug sei eine Föhn-Wetterlage, erklärt der Landschaftsökologe: „Gerade für die Regionen München, Augsburg und Bodensee gilt: Hält der Föhn über zwei oder drei Tage an, kann das die Entwicklung der Birke stark beschleunigen.“ Ihre Pollen werden dann auch in andere Gebiete verweht und die Belastung steigt sogar dort, wo sie sonst nicht so hoch ist oder wo zu dem Zeitpunkt noch gar keine Bäume blühen.
„Mit dem Klimawandel und milderen Wintern startet die Pollen-Saison in den vergangenen Jahren immer früher – und dauert damit auch länger an“, sagt DWD-Expertin Christina Endler. So hatten in diesem Jahr mancherorts Allergiker schon im Januar Probleme mit tränenden Augen und laufender Nase. Im langjährigen Mittel habe sich der Beginn der Heuschnupfen-Saison innerhalb von 30 Jahren um 16 Tage nach vorn verschoben.
Besonders betroffen seien Allergiker nicht nur in den Föhn-Regionen am Alpenrand, sondern auch an den Niederungen der Donau sowie in Mainfranken, sagt Endler: „An den großen Flüssen Bayerns herrschen meist milde Temperaturen. Die Bedingungen für die Pflanzen sind günstig, entsprechend haben wir dort bereits früh im Jahr ein hohes Pollenaufkommen.“ Anders sei die Lage in den höheren Gebieten der Mittelgebirge Nord- und Ostbayerns: Wo es etwas kälter ist, bleiben Allergiker länger verschont.
Mit Wissen und aktuellen Informationen: So können Heuschnupfen-Geplagte vorsorgen
Sowohl Endler als auch Werchan betonen: Wer von Heuschnupfen betroffen ist, sollte sich vor Pollenflug möglichst gut schützen. Das Wissen, auf welche Allergene genau der Körper reagiert, und aktuelle Vorhersagen können enorm helfen, sagt Endler. Wer mit Symptomtagebuch oder Pollen-App arbeitet, könne vorausschauend handeln. „So lassen sich mit Vorsichtsmaßnahmen oder Medikamenten rechtzeitig Symptome lindern.“
Allergiker sollten den Kontakt zu Pollen so gut wie möglich meiden, sagt Werchan. Dauerhaft zu Hause zu bleiben, sei gerade bei schönem Wetter keine Option, gibt er zu. „Im Haus können Pollenfilter für die Fenster oder Luftreiniger helfen.“ Im Freien schütze eine leichte Maske Nase und Mund, sodass weniger Pollen die Atemwege reizen. Für die Augen bieten Sonnenbrillen eine Barriere.
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