Bunte Regenbogen-Paraden ziehen jetzt wieder durch die Straßen: Schwule, Lesben, Transpersonen und queere Menschen demonstrieren für ihre Rechte. 46 solcher CSD-Paraden soll es in Bayern dieses Jahr geben, von Aschaffenburg bis Kaufbeuren, von Augsburg bis Cham. Aber wie sicher kann sich die LGBTQI-Community fühlen? Wie stark ist die Gruppe von Hass und Gewalt betroffen? Dazu liegen aktuelle Zahlen vor – und in der Szene wird Kritik laut. Verbände fordern stärkeren Schutz und konkrete Aktionen.
181 queerfeindliche Straftaten zählt die Statistik für das Jahr 2025 in Bayern
Das bayerische Innenministerium hat im Frühjahr ein Lagebild zur Hasskriminalität veröffentlicht: Im Jahr 2025 fielen demnach 181 aller Straftaten in Bayern in die Kategorie „queerfeindlich“. Darunter zählt die Statistik 15 Körperverletzungen in teilweise schweren Fällen und auch einen Mordversuch. Zum Vergleich: 2024 waren es 176 angezeigte Taten, im Jahr zuvor 190.
Doch nicht jede Tat endet bei der Polizei oder vor Gericht. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erklärte: „Wir müssen von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Nur wenn Betroffene Anzeige erstatten, kann die Polizei helfen und Täter ermitteln.“ Die Polizei schätzt, dass circa 80 bis 90 Prozent aller queerfeindlichen Straftaten nicht angezeigt werden.
Die queere Beratungsstelle „Strong!“ legt ihre Zahlen vor
„Die steigenden Fallzahlen sind nicht nur eine statistische Entwicklung“, schreibt die queere Beratungsstelle „Strong!“ in ihrem neusten Lagebericht. „Die Zahlen spiegeln eine zunehmend aufgeheizte gesellschaftliche Stimmung wider, die das Sicherheitsgefühl vieler LGBTQI*-Menschen spürbar beeinträchtigt.“ „Strong!“ ist eine Anlaufstelle gegen Gewalt und Diskriminierung, ein Beratungsangebot für queere Betroffene in ganz Bayern. Hier können Opfer über Vorfälle reden. Die staatlich geförderte Fachstelle legt auch eigene Zahlen vor: 413 Fälle wurden bei „Strong!“ im Jahr 2025 gemeldet. Das sei ein Anstieg um 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Bandbreite in dieser nicht repräsentativen Statistik reicht von Beleidigungen auf sozialen Medien bis zu schweren Straftaten wie körperlichen Attacken.
Aus welchen Kreisen stammen die Täter in der offiziellen, bayerischen Kriminalstatistik? 44 Prozent der queerfeindlichen Straftaten im Jahr 2025 begingen Täter aus dem rechten politischen Spektrum. Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um sieben Prozent gestiegen. Aber auch „religiöse Ideologie“ und „ausländische Ideologie“ tauchen als Tathintergrund in der Statistik auf. Die meisten Fälle ordnet die Polizeistatistik keiner konkreten politischen Richtung oder Gesinnung zu.
Wo bleibt der queere Aktionsplan für Bayern?
„Wir verstärken unseren Einsatz, damit Täter sich in Bayern nicht sicher fühlen können“, sagte Innenminister Herrmann. Den queeren Verbänden genügt das Versprechen aber nicht: Gruppen wie der LSVD+ Bayern fordern ein konkretes, staatliches Konzept zum Schutz der Community. „Wir brauchen einen Queer-Aktionsplan“, hatte Ministerpräsident Markus Söder schon im Jahr 2023 erklärt. Doch ein Konzept hat die bayerische Staatsregierung bis heute nicht vorgelegt. Dabei gibt es solche Aktionspläne in den meisten anderen Bundesländern schon: umfassende Programme gegen sexuelle und geschlechtliche Diskriminierung, mit Angeboten für Beratung, Bildung und Gewaltprävention. Dazu erklärt Markus Apel vom Vorstand des LSVD+ Bayern: „Während queere Communitys in immer mehr Orten Sichtbarkeit schaffen, bleibt die Staatsregierung queerpolitisch weit hinter anderen Bundesländern zurück.“ Das bayerische Sozialministerium verspricht, zu handeln, es werde noch in diesem Jahr einen Aktionsplan im Kabinett vorlegen.
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