„Gott mit dir, du Land der Bayern …?“
Auf Augsburgs Straßen endet die Textsicherheit oft schneller als gedacht. Seit Bayern beschlossen hat, dass bei Abschlussfeiern in Schulen künftig die Bayernhymne gespielt werden muss, haben wir Passantinnen und Passanten gebeten, einen einfachen Lückentext zu vervollständigen. Dabei haben wir auch den neuen Augsburger Oberbürgermeister Florian Freund (SPD) mit seiner Tochter erwischt.
Bayernhymne: Viele kennen nur den Anfang und „weiß und blau“
Zumindest die erste Lücke sitzt bei fast allen sofort: „Bayern“. Schwieriger wird es schon bei den „weiten Gauen“ – ein Begriff, mit dem vor allem jüngere Menschen wenig anfangen können. „Gaue“ bezeichnet alte Landschafts- oder Regionsnamen und wirkt heute auf viele eher aus der Zeit gefallen. Auch bei „Fluren“ geraten manche ins Grübeln. Nur die letzte Zeile klappt fast immer: „weiß und blau“.
Besonders textsicher zeigt sich neben OB Florian Freund ein Musiker, der spontan anfängt, die Hymne anzusingen. Andere reagieren eher mit Lachen oder Schulterzucken. Eine ältere Dame kommt überraschend schnell ins Stocken, ebenso ein Mann und eine Frau Ende 20.
Hymnenpflicht an Bayerns Schulen gilt ab dem Schuljahr 2026/2027
Ab dem Schuljahr 2026/2027 sollen bei Abschlussfeiern an Bayerns Schulen sowohl die Deutschlandhymne als auch die Bayernhymne gespielt werden. Bei besonderen Anlässen kann zusätzlich die Europahymne erklingen. Das geht aus neuen Leitlinien der Staatsregierung hervor. Eine Pflicht zum Mitsingen gibt es nicht. Schulen sollen laut Kultusministerium aber Textblätter bereitstellen.
Ministerpräsident Markus Söder hatte die Entscheidung zuletzt mit Heimatverbundenheit und Gemeinschaft begründet. Im FAQ des Kultusministeriums wird außerdem darauf hingewiesen, dass die Bayernhymne unter strafrechtlichem Schutz steht. Wer sie öffentlich beschimpft oder verunglimpft, kann sich laut Strafgesetzbuch strafbar machen. Konkret verweist das Ministerium auf Paragraf 90a StGB, der die Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole regelt.
Warum Schulen sich künftig stärker mit Hymnen beschäftigen sollen
Die Entscheidung geht auf einen Vorschlag der Jungen Union zurück. Das Kultusministerium betont zugleich, dass die Hymnen bereits jetzt fest in den Lehrplänen verankert seien – etwa im Musikunterricht, bei Projekten oder in der sogenannten Verfassungsviertelstunde. Durch die stärkere Beschäftigung mit den Hymnen und ihren Werten solle laut Ministerium „die Persönlichkeitsbildung“ gefördert sowie „Identität und Zusammenhalt“ gestärkt werden.
Unsere kleine Straßenumfrage zeigt allerdings vor allem eines: Die Bayernhymne ist vielen Menschen durchaus bekannt. Die Farben Weiß und Blau sitzen, der Rest verschwimmt bei vielen irgendwo zwischen Volksfest und Schulzeit-Erinnerung.
Die Bayernhymne
Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! Über deinen weiten Gauen ruhe Seine Segenshand! Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau. Und erhalte dir die Farben Seines Himmels, weiß und blau!
Gott mit dir, dem Bayernvolke, dass wir, uns‘rer Väter wert, fest in Eintracht und in Frieden bauen uns‘res Glückes Herd! Dass mit Deutschlands Bruderstämmen einig uns ein jeder schau und den alten Ruhm bewähre unser Banner, weiß und blau!
Text: Michael Öchsner (1816-1893), Musik: Max Kunz (1812-1875)
(Quelle: Bayerische Staatsregierung)
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