Lufthansa zieht weitreichende Konsequenzen aus den gestiegenen Kerosinpreisen und den jüngsten Arbeitskämpfen. Ab Samstag bleiben 27 Maschinen der Flotte endgültig am Boden. Laut Finanzvorstand Till Streichert zwingen die aktuellen geopolitischen Krisen, insbesondere seit Beginn des Iran-Krieges, sowie die hohen Treibstoffkosten den Konzern zu diesem Beschluss. Der Plan, die Tochtergesellschaft abzuwickeln, bestand bereits seit längerer Zeit. Im April setzte die Fluglinie ihn vorzeitig um.
Für den Flughafen München hat diese Entscheidung direkte Konsequenzen. Bisher bediente die Cityline von hier aus zahlreiche europäische Strecken und innerdeutsche Verbindungen. Sie funktionierte als zentraler Zubringer für das weltweite Langstreckennetz der Lufthansa. Ohne diese Verbindungen drohen Passagieren Schwierigkeiten, ihre Anschlussflüge in die USA oder nach Asien zu erreichen.
Lufthansa spart mit Ausflottung der Canadair CRJ-Maschinen Kosten
Die Maschinen vom Typ Canadair CRJ gehörten zum gewohnten Bild auf dem Vorfeld des Terminals 2. Genau diese Jets stehen nun vor dem sofortigen Aus. Nach Konzernangaben haben sie das Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit fast erreicht und verursachen im Vergleich zu anderen Modellen hohe Betriebskosten. Die Ausflottung würde Treibstoff sparen und die Ausgaben des Unternehmens senken.
Die Entscheidung trifft auf massiven Widerstand der Arbeitnehmervertreter. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo bezeichnet die sofortige Schließung als einen Akt der Bestrafung für vergangene Streiks. Ein Sprecher erklärte, man sei erschüttert und fassungslos. Der Vorstand führe mit seinem Vorgehen Krieg gegen die eigenen Leute.
Auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit übt scharfe Kritik an der Konzernleitung. Präsident Stefan Pinheiro hält die angeführten geopolitischen Gründe für nicht überzeugend. Kein anderer Wettbewerber nehme derzeit Kapazitäten in diesem Umfang aus dem Markt. Vielmehr deute die Entwicklung auf eine Maßnahme im Zusammenhang mit den aktuellen Tarifkonflikten hin.
Lufthansa übernimmt Cityline-Flugrouten mit City Airlines
Die Flugrouten der Cityline sollen künftig von der neu gegründeten Tochtergesellschaft „Lufthansa City Airlines“ bedient werden. Diese arbeitet außertariflich. Dem Personal aus Cockpit und Kabine hatte die Lufthansa bereits zum Jahreswechsel Angebote vorgelegt, zu angeblich vergleichbaren Vergütungskonditionen dorthin zu wechseln. Unterschiede bei den Einsatzbedingungen sollten durch Ausgleichszahlungen kompensiert werden. Lufthansa kündigte an, nun Gespräche zu einem Interessenausgleich und einem Sozialplan mit den Betriebspartnern aufzunehmen.
Neben dem Aus für die Cityline plant die Lufthansa weitere Einsparungen. Im Oktober verlassen die letzten vier Airbus A340-600 die Flotte, zwei Boeing 747-400 werden über den Winter stillgelegt. Im kommenden Jahr verabschiedet sich Lufthansa komplett von diesem Flugzeugtyp. Zudem greifen neue Sparvorgaben bei internen Veranstaltungen und Beratungsleistungen. Sie flankieren das Ziel, bis zum Jahr 2030 konzernweit 4000 Stellen in der Verwaltung abzubauen.
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