Dieses Manöver erwischte die Bahnpendler eiskalt. Noch bis Donnerstag ist die S-Bahn-Linie S3 zwischen Giesing und Holzkirchen komplett gesperrt. Wer mit der Bahn noch weiter in den Süden will, muss sich eine weitere Woche gedulden. Von Donnerstag, 17. Juli, an soll die komplette Strecke der S3 wieder befahrbar und damit auch die Bayerische Regiobahn (BRB) in und aus Richtung Oberland und Mangfalltal wieder durchgängig bis München unterwegs sein. Was auf den ersten Blick wie ein örtliches Problem im Großraum München klingt, könnte für noch mehr Bahnkunden zum Problem werden. Das wurde jetzt im Verkehrsausschuss des Landtags deutlich. Dort musste die bayerische Spitze der Deutschen Bahn zum Rapport antreten.
Dass die Anlagen des Staatskonzerns unter einem riesigen Sanierungsstau leiden und deswegen Verspätungen und Ausfälle an der Tagesordnung sind, ist trauriger Alltag in Deutschland. Doch was sich diesmal abspielte, war selbst für Bahn-Verhältnisse ungewöhnlich. Bei einer Kontrolle wurden schadhafte Schwellen an sieben Weichen in Deisenhofen und Unterhaching bemerkt und die Strecke umgehend gesperrt. „Sicherheit geht vor,“ betonte Stephan Schmidt von der für das Streckennetz zuständigen Bahn-Tochter Infra-Go jetzt vor dem Ausschuss.
Strecke München-Holzkirchen: Wie können sieben Schwellen so plötzlich defekt sein?
Was die Abgeordneten aller Parteien aber verwunderte, war, dass diese Schäden an sieben Weichen quasi über Nacht auftraten und vorher nicht bemerkt worden waren. Baustellen dieser Größenordnung haben normalerweise eine Vorlaufzeit von eineinhalb bis zwei Jahren, wie Heiko Büttner einräumte, der Bevollmächtigte der Bahn für Bayern. Diesmal aber habe man von heute auf morgen einen Notverkehr organisieren müssen. Büttner sprach von einer „enormen Leistung, für die wir natürlich nicht gelobt werden.“ Immerhin: Zunächst war befürchtet worden, dass die Bahnstrecke für Monate ausfallen würde, jetzt soll die Reparatur schneller gehen.
Hintergrund der Notbremsung auf dem Schienennetz ist ein schweres Zugunglück vor drei Jahren bei Garmisch, bei dem fünf Menschen starben und fast 80 zum Teil schwer verletzt wurden. Laut Gutachtern ließen damals defekte Betonschwellen einen Regionalzug entgleisen. Seitdem habe man die Inspektionen und Vorschriften verschärft, so Schmidt. „Man ist schlauer geworden.“ So sei in Bayern das komplette Schienennetz mit Kameras befahren und überprüft worden.
Insgesamt hat das Streckennetz in Bayern rund 15,6 Millionen Schwellen
Unklar sei aber noch, ob in Deisenhofen und Unterhaching auch Schwellen verbaut wurden, wie sie seinerzeit an der Unglücksstelle bei Garmisch lagen. Mehrfach hakte Markus Büchler (Grüne) vergeblich nach, wo denn weitere 200.000 Schwellen dieses Typs noch verbaut seien. Die Bahn soll die Antwort nun nachliefern. Insgesamt hat das Streckennetz in Bayern rund 15,6 Millionen Schwellen. Da ließen sich ähnliche Schadensfälle wie in Deisenhofen und Unterhaching nicht ausschließen, räumte Schmidt ein.
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