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Showdown zwischen Söder und Weber: Eskalation im CSU-Vorstand?

Machtkampf in der CSU

Wie eng wird es an diesem Montag für Markus Söder?

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    Der eine ist immer dann besonders in ist, wenn der andere gerade out ist. Manfred Weber (links) und Markus Söder sind seit vielen Jahren Rivalen.
    Der eine ist immer dann besonders in ist, wenn der andere gerade out ist. Manfred Weber (links) und Markus Söder sind seit vielen Jahren Rivalen. Foto: Imago Images

    Zum Wesen des Showdowns gehören zwei. Weil, wenn der eine keine Lust hat auf ein klärendes Treffen im Morgengrauen, dann kann sich der andere die ganze Show gleich sparen. Im Fall von Markus Söder und Manfred Weber steht immerhin fest, dass sie sich an diesem Montag um 10 Uhr in München begegnen werden – erstmals seit Webers Pfingstbotschaft an die CSU. Man musste nicht einmal zwischen den Zeilen lesen, um den fünfseitigen Brief als Attacke auf Parteichef Söder zu verstehen, auch wenn dessen Name darin gar nicht vorkommt – was sich freilich als weitere Boshaftigkeit deuten ließe. Jedenfalls fragen sich jetzt alle, ob es in der Sitzung des CSU-Vorstandes kracht. Denkbar sind zwei Szenarien. 

    Nutzt Weber die Chance, die Stimmung gegen Söder anzuschüren?

    Um zu verstehen, welche Sprengkraft in Webers Schreiben liegt, muss man wissen, dass sich die beiden CSU-Männer schon lange in herzlicher Abneigung zugetan sind. Das wiederum bedeutet, dass der eine immer dann besonders in ist, wenn der andere gerade out ist. Weber, 53, geboren in Niederbayern, heute der mächtigste Konservative im Europarlament, wittert, dass Söder seit seiner vermasselten Krisenkommunikation nach der Kommunalwahl so out ist wie nie. „Es gibt eine brutale Unzufriedenheit an der Basis“, bestätigt ein CSU-Kreisvorsitzender. Ein guter Zeitpunkt, um die Stimmung anzuschüren? Damit wären wir bei Szenario eins: der große Knall.

    So eine Vorstandssitzung ist eigentlich eine recht schmucklose Veranstaltung. Auf der Agenda stehen nur zwei Punkte. Erstes: Bericht des Vorsitzenden. Zweitens: Verschiedenes. Zunächst wird Söder also erzählen, wie schwierig das alles mit den Reformen in Berlin ist, was auf dem Spiel steht und wie er kämpft, dass endlich etwas vorangeht. Der zweite Tagesordnungspunkt: weniger planbar. Verschiedenes. Das kann bedeuten, dass eine Parteifreundin den jüngsten Talkshow-Auftritt des Chefs lobt oder ein Geburtstagskind gefeiert wird – manchmal, eher selten, zettelt aber auch jemand eine Debatte an. Auftritt Weber? Nach der Aussendung seines Briefes hat er ein paar Tage Urlaub gemacht, die Dinge laufen lassen. Das wird am Montag nicht mehr funktionieren.

    Kein Machtinstinkt? Ein Moment verfolgt Manfred Weber bis heute

    „Brieffreundschaften sind das eine, aber sich vor allen Leuten hinzustellen, ist etwas anderes“, stichelt ein Vorstandsmitglied. Dem Europapolitiker sagen sie nach, ihm fehle der unbedingte Wille zur Macht. Manche finden das sympathisch, andere sehen es als Schwäche. Und diese anderen erzählen gerne von einem Schlüsselmoment im Jahr 2017. Horst Seehofer trifft sich im Spätherbst seiner Macht mit einigen „Prinzlingen“, wie er Anwärter auf seine Nachfolge abschätzig nennt. Auch Weber ist dabei. Doch als dieser zu einer kleinen Bewerbungsrede ansetzt, grätscht ihn Alexander Dobrindt derart rüde ab, dass die Sache schnell erledigt ist. Das Rennen macht einer, der bei dem Treffen nicht dabei war: Markus Söder. Heute wähnt auch ihn mancher im Spätherbst seiner Macht. Zieht Weber dieses Mal durch?

    Wer den Chef angreift, muss gut vorbereitet sein und sich Verbündete suchen. Weber hat das nicht getan. Der Brief war ein Alleingang. Immerhin fanden ein paar angesehene CSU-Leute die Idee, den Kurs der Partei offener zu diskutieren, nicht verkehrt: Ilse Aigner und Theo Waigel äußerten sich vorsichtig wohlwollend. Beide sitzen im Vorstand. Beide sind nicht als Söder-Ultras bekannt, um es vorsichtig auszudrücken. Werden sie Weber auch in der Sitzung an diesem Montag den Rücken stärken? Darauf sollte er sich besser nicht verlassen. Nach Informationen unserer Redaktion werden sie nämlich gar nicht da sein. Zum Knall kommt es also wohl nur, wenn ein anderer Nerven verliert.

    CSU-Chef Markus Söder ist dünnhäutig geworden

    Markus Söder, 59, geboren in Franken, seit siebeneinhalb Jahren Parteichef, ist dünnhäutig geworden. Bei diesem Treffen allerdings wird er sich das nicht anmerken lassen. Er weiß: Je souveräner er auftritt, je mehr Teamgeist und neue Ernsthaftigkeit er ausstrahlt, desto schwieriger wird es anschließend für Weber, ihn als Ego-Shooter darzustellen. Söder hat viel telefoniert, zum Beispiel mit dem Landtagsabgeordneten Thomas Holz, dessen Kreisverband Bad Tölz-Wolfratshausen ebenfalls mit einem Brief Schlagzeilen machte. Der wurde zwar nie abgeschickt, der Inhalt – harsche Kritik an Söder – sickerte dennoch durch.

    Der Parteichef bemüht sich allerorten, solche Wogen zu glätten. Strategisch ist er seinem Rivalen Weber überlegen, aber Söder ist auch ein Impulsmensch, gerade dann, wenn er sich in die Ecke gedrängt fühlt. Und wie schnell die Lage entgleisen kann, hat gerade sein Vertrauter Markus Blume gezeigt. Seit Weber den sicher geglaubten Posten als Präsident der EU-Kommission nicht bekam, sei er „ein bisschen von der Rolle“, lästerte der Wissenschaftsminister in einer Talkshow. Man wunderte sich.

    „Ein bisschen von der Rolle“: Wissenschaftsminister Markus Blume teilte ungewohnt hart aus gegen Manfred Weber.
    „Ein bisschen von der Rolle“: Wissenschaftsminister Markus Blume teilte ungewohnt hart aus gegen Manfred Weber. Foto: Malin Wunderlich, dpa

    Sollte auch Söder die Contenance verlieren, könnte es durchaus passieren, dass im Vorstand aus purem Trotz ein paar Leute aufstehen und sagen, dass man über die Form des Briefes streiten könne, Weber aber noch nicht Unrecht habe mit seiner Kritik an der unklaren Strategie der CSU. Und dann, aber nur dann, könnte die Situation außer Kontrolle geraten. Sollte es krachen, dann also eher aus Versehen. Denn schon in der Endphase von Edmund Stoiber oder Horst Seehofer galt: Im Parteivorstand bleibt das Visier heruntergeklappt, Sägearbeiten an den Stühlen der Bosse finden woanders statt. 

    Mächtige CSU-Leute könnten Weber einnorden

    Wahrscheinlicher ist also das zweite Szenario: Der Showdown fällt aus, Söder bleibt auf Bewährung. Nach allem, was man hört, ist Weber zwar entschlossen, die Forderungen aus seinem Brief am Montag noch einmal zu thematisieren. Vielleicht muss er das aber auch gar nicht. Denn umgekehrt juckt es auch einige mächtige CSU-Leute, Weber einzunorden. „Schlechter Stil, dünner Inhalt, unklarer Zweck“ – so heißt es immer wieder über den dessen Brief. 

    Aus dem Umfeld des Pfingstbotschafters hört man wiederum, er habe ja ohnehin keine Personaldebatte, sondern nur eine inhaltliche Diskussion entfachen wollen und das sei gelungen. Immer gut, zu wissen, wo der nächste Notausgang ist.

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