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Stichwahl in den Landkreisen: Die CSU verliert alle fünf Landratswahlen

Kommunalwahl 2026

Stichwahl in den Landkreisen: Die CSU verliert alle fünf Landratswahlen

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    Für Markus Söders CSU war der Stichwahl-Abend der Kommunalwahl mehr als enttäuschend.
    Für Markus Söders CSU war der Stichwahl-Abend der Kommunalwahl mehr als enttäuschend. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Wie viel vom Ausgang der Stichwahlen abhängt, ließ sich an Markus Söders Terminkalender der vergangenen Tage ablesen: Am Samstag verteilte der CSU-Chef in Gunzenhausen Wienerle mit dem amtierenden Landrat, am Freitag in Unterhaching Döner – als Unterstützung für den Amtsinhaber im Kreis München. Und auch sonst zeigte Söders kulinarische Wahlkampftour eindeutig, dass es bei den Landratsposten um die Wurst geht: Leberkäs in Landsberg, Bratwürste in Marktoberdorf und Dinkelsbühl und – eher aus der Kategorie Nachspeise – Eis in Donauwörth, als Wahlkampfunterstützung für CSU-Kandidatin Claudia Marb, die CSU-Landrat Stefan Rößle nach 24 Jahren im Amt beerben will.

    In keinem der Landkreise stellt die CSU mehr den Landrat

    Die Chefposten in den Landratsämtern sind ein Messwert, an dem sich Erfolge ablesen lassen – oder eben auch Misserfolge. Das gilt für Söders CSU ebenso wie für die Freien Wähler von Hubert Aiwanger. In Schwaben, wo im Donau-Ries, in Aichach-Friedberg, im Ober- und Ostallgäu Stichwahlen anstanden, trafen jeweils Christsoziale und Freie Wähler aufeinander. In drei dieser vier Landkreise regierte bislang die CSU, ebenso im Kreis Landsberg in Oberbayern. Künftig stellt die CSU in keinem dieser Landkreise mehr den Landrat.

    Marc Sturm (Freie Wähler) konnte sich bei knapp vor Klaus Habermann (SPD) den Einzug in die Stichwahl gegen Peter Tomaschko sichern.
    Marc Sturm (Freie Wähler) konnte sich bei knapp vor Klaus Habermann (SPD) den Einzug in die Stichwahl gegen Peter Tomaschko sichern. Foto: Alice Lauria

    Im Donauwörther Landratsamt steht am Sonntagabend eine enttäuschte Claudia Marb. Beobachter hatten auf ein knappes Ergebnis zwischen der bisherigen Vize-Landrätin und Michael Dinkelmeier von den Freien Wählern getippt. Doch die Wählerinnen und Wähler im Donau-Ries entschieden sich klar für Dinkelmeier, der 62,3 Prozent der Stimmen holte. „Ich dachte nicht, dass es so deutlich ausgeht, ich bin überwältigt“, sagte der neue Landrat am Sonntagabend. „Vor der Stichwahl waren es noch einmal zwei harte Wochen, der ein oder andere hat gesagt: Mensch, das wird knapp. Aber ich habe immer gesagt, dass wir einen klaren Kopf behalten müssen.“ Marb räumte ein: „Es ist eine gewisse Leere da, aber auch eine Erleichterung, dass es vorbei ist. Und natürlich Enttäuschung, weil es nicht so ausgegangen ist, wie wir uns das erhofft hatten. Wenn ich mir auch die Ergebnisse um uns herum anschaue, ist das eine klare Abwahl der CSU.“

    Michael Dinkelmeier wird neuer Landrat im Donau-Ries-Kreis.
    Michael Dinkelmeier wird neuer Landrat im Donau-Ries-Kreis. Foto: Bill Titze

    In Aichach-Friedberg heißt der neue Landrat Marc Sturm von den Freien Wählern

    Und es ist ja längst nicht nur Nordschwaben. Im Landkreis Aichach-Friedberg, wo die CSU mit dem Landtagsabgeordneten Peter Tomaschko angetreten war, heißt der neue Landrat Marc Sturm von den Freien Wählern – mit gerade einmal 22 Stimmen Vorsprung. Damit leitet erstmals seit Bestehen des Landkreises kein CSU-Landrat die Behörde. Sturm sagte am Abend: „Ich bin total geflasht, megafroh. Wir haben jetzt zwei Wochen lang nochmal gearbeitet, gerackert, versucht, alles rauszuholen. Am Ende offensichtlich mit Erfolg.“ Quasi vom ersten Stimmbezirk an lag Sturm vor seinem Konkurrenten, der Vorsprung schmolz aber mit jeder Auszählung. Den Bürgerinnen und Bürgern im Landkreis verspreche er, „dass ich meine Versprechen vom ersten Tag an einlöse“. Wahlverlierer Tomaschko war der erste Gratulant, im Gespräch sagte er danach: „Das ist Demokratie. Es ist schon eine Enttäuschung, auch, weil es so knapp war.“

    Traten zur Stichwahl im Oberallgäu an: Thomas Eigstler (links) und Christian Wilhelm.
    Traten zur Stichwahl im Oberallgäu an: Thomas Eigstler (links) und Christian Wilhelm. Foto: Martina Diemand

    Im Oberallgäu stellen die Freien Wähler nach wie vor den Landrat. Auf Indra Baier-Müller folgt Christian Wilhelm, der sich mit 66,3 Prozent der Stimmen gegen CSU-Kandidat Thomas Eigstler durchsetzte. Im Ostallgäu, wo bislang die CSU mit Maria Rita Zinnecker die Landrätin stellte, kommt der neue Landrat ebenfalls von den Freien Wählern. Bernd Stapfner liefert sich lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit CSU-Kandidat Andreas Bauer (CSU), am Ende lag Stapfner mit 52,4 Prozent der abgegebenen Stimmen vorn und zeigte sich „überwältigt“ von dem Ergebnis und betonte, er wolle ab dem 1. Mai „Landrat der offenen Türen“ werden. Er bedankte sich bei seinem Mitbewerber ausdrücklich für den „fairen Wahlkampf“. Und dieser zeigte sich als ausgesprochen guter Verlierer: Beide nahmen sich zum Abschluss sogar in den Arm.

    Die einzige grüne Landrätin kommt aus Landsberg: Daniela Groß hat die Stichwahl gewonnen.
    Die einzige grüne Landrätin kommt aus Landsberg: Daniela Groß hat die Stichwahl gewonnen. Foto: Christian Rudnik

    Die vielleicht größte Überraschung in der Region: Die einzige grüne Landrätin in Bayern kommt aus Landsberg. Daniela Groß setzte sich in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Thomas Eichinger (CSU) deutlich durch. Sie holte 61,5 Prozent der Stimmen. Der Jubel im Sitzungssaal des Landratsamts war groß, es regnete Konfetti und die neue Landkreischefin jubelte mit ihrer Familie über das deutliche Ergebnis. Die 37-Jährige zeigte sich überrascht: „Es war mir nicht klar, dass es so deutlich wird. Ich dachte, es wird sehr knapp, aber ich habe viel Zustimmung bekommen in den vergangenen Tagen.“ Thomas Eichinger, seit 2014 Landrat, zeigte sich als fairer Verlierer und überreichte der Siegerin einen Blumenstrauß. „Die Bürgerinnen und Bürger haben entschieden, einen neuen Weg einzuschlagen, ich wünsche Daniela Groß alles Gute“, sagte er am Wahlabend.

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