Nach einer mehrjährigen Kältephase im Pazifik ordnet sich das globale Wetter neu. Daten der europäischen und amerikanischen Wetterbehörden zeigen, dass sich ein starker El Niño anbahnen könnte. Bei dem natürlichen Klimaphänomen schwächen sich die Passatwinde am Äquator massiv ab oder drehen sich um. Normalerweise treiben diese Winde warmes Oberflächenwasser von Südamerika in Richtung Australien. Bleibt dieser Motor aus, staut sich das warme Wasser vor der südamerikanischen Küste und das Meer erwärmt sich massiv.
Der Begriff „Super-El-Niño“ ist dabei kein offizieller Fachbegriff der Klimaforschung. Er beschreibt in den Medien schlicht ein außergewöhnlich starkes Ereignis mit extrem hoher Erwärmung der Meeresoberfläche. Klar ist: Ein solches Szenario würde die ohnehin schon hohe globale Temperatur zusätzlich zur menschengemachten Erderwärmung kurzfristig weiter anheizen.
Deutscher Wetterdienst bewertet Auswirkungen von „Super-El-Niño“ für Bayern
Geografisch läge Europa nicht im Zentrum des Geschehens. Dennoch zeigen die Langfristprognosen des europäischen Wettermodells ECMWF für den Sommer 2026 klare Trends. Während der Westen des Kontinents eher durchschnittliche Werte erwartet, berechnen die Modelle den Schwerpunkt der überdurchschnittlichen Temperaturen exakt über Mitteleuropa. Für Bayern würde diese Konstellation eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen ungewöhnlich warmen Sommer bedeuten.
Beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in München sieht man diese Hitze-Prognosen jedoch skeptisch. „Da findet man für Bayern überhaupt keinen statistisch robusten Zusammenhang“, erklärt Lothar Bock vom Regionalen Klimabüro auf Anfrage unserer Redaktion. Zwar gebe es theoretische Fernwirkungen aus dem Pazifik. Das europäische Wetter werde jedoch maßgeblich durch andere Muster wie die Nordatlantische Oszillation oder Höhenströmungen dominiert. El Niño sei in diesem globalen Zusammenspiel nur ein einzelnes Zahnrädchen.
Bock warnt davor, saisonale Klimavorhersagen mit einer klassischen Wetterprognose gleichzusetzen. Konkrete Aussagen über Hitzewellen seien für den Sommer 2026 unmöglich, zumal die Vorhersageleistung solcher Langfristmodelle für Europa noch immer ernüchternd ausfalle.
Sommer in Bayern zeigt nur leichte El-Niño-Abweichungen
Die Wetterstatistik des DWD untermauert diese Vorsicht. In vergangenen El-Niño-Jahren lag die sommerliche Temperaturabweichung in Bayern in der Hälfte der Fälle lediglich zwischen minus 0,6 und plus 1,1 Grad Celsius – im Vergleich zum langjährigen Mittel. Der Niederschlag schwankte zwischen minus neun und plus sieben Prozent. Der Sommer tendierte in diesen Phasen dazu, minimal wärmer zu werden. Eine verlässliche Prognose lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, so Bock. Zudem betont er, dass die Entwicklung eines starken El Niño momentan noch völlig offen ist. Andere Computermodelle würden lediglich eine moderate Phase berechnen.
Auch wenn der direkte Einfluss auf das bayerische Wetter wahrscheinlich gering ausfallen dürfte, blieben die globalen Auswirkungen enorm. Die veränderten Meeresströmungen im Pazifik würden das Wetter weltweit aus dem Takt bringen. In Südamerika könnte das gestaute, warme Wasser schwere Überschwemmungen auslösen. Gleichzeitig drohen in anderen Weltregionen wie Australien oder dem Amazonasgebiet extreme Dürren.
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