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Tiere: Warum der Bestand an Wildschweinen in Bayern zurückgeht

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Warum der Bestand an Wildschweinen in Bayern zurückgeht

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    Derzeit sind in den Wäldern weniger Wildschweine zu sehen.
    Derzeit sind in den Wäldern weniger Wildschweine zu sehen. Foto: Lino Mirgeler, dpa

    Es ist kalt. Nebel liegt über den Feldern. Am Karlshof bei Niederaltheim im Kreis Donau-Ries versammeln sich am frühen Morgen Jäger zur Drückjagd. Rehe, Wildschweine und Füchse sind zum Abschuss freigegeben. Bei diesen sogenannten Bewegungsjagden wird das Wild von Treibern und Hunden aus ihrer Deckung im Wald „gedrückt“, wie es in der Fachsprache heißt, „auf die Läufe gebracht“, und den Schützen auf ihren Hochsitzen langsam zugetrieben. Die Bilanz dieses Tages: Sechs erlegte Rehe, jedoch keine Sauen.

    Die Wildschwein-Bestände gehen zurück

    Richard Kraus, Organisator der Drückjagd und Pächter mehrerer Gemeinschaftsjagdreviere in den Kreisen Dillingen und Donau-Ries, zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden. Dabei hatte es in der Vergangenheit durchaus Jagden mit einer großen Wildschwein-Strecke gegeben. Diesmal also nicht. „Wir hatten im vergangenen Jahr Rotten mit bis zu 40 Sauen“, sagt Kraus. Jetzt seien die Bestände deutlich kleiner.

    Die Population der Schwarzkittel war über viele Jahre hinweg permanent gestiegen, was auch die hohen Abschusszahlen belegen. Mit bundesweit 882.234 erlegten Wildschweinen gab es 2019/2020 sogar den höchsten Wert seit Aufzeichnungsbeginn vor knapp hundert Jahren. In der vergangenen Jagdsaison wurden in Deutschland etwa 200.000 Sauen weniger geschossen. Was laut Expertenmeinung auch daran lag, dass wegen der Corona-Pandemie mit den damit verbundenen Kontaktbeschränkungen mehr als die Hälfte der Bewegungsjagden ausfielen.

    Nasskaltes Frühjahr setzte den Wildschwein-Frischlingen zu

    Doch woran liegt es, dass derzeit weniger Wildschweine zu beobachten sind? Richard Kraus, in Fronhofen im Kesseltal zu Hause, vermutet, dass im nasskalten Frühjahr viele Frischlinge des ersten Wurfes starben. Die Rauschzeit, die Paarungszeit des Schwarzwildes, hat ihren Schwerpunkt eigentlich in den Monaten November und Dezember. Das hat sich geändert. Durch ein reichhaltiges Nahrungsangebot, etwa in großen Maisschlägen, findet die Rauschzeit der Bachen, der weiblichen Tiere, in einigen Regionen mittlerweile fast ganzjährig statt.

    Zudem sind auch jüngere Tiere immer häufiger trächtig. Die mehrere Frischlinge führende, gerade einmal 30 bis 35 Kilogramm schwere zweijährige Überläuferbache ist längst keine Seltenheit mehr. Und selbst einjährige Frischlingsbachen können inzwischen Nachwuchs haben. Dieses „Phänomen“ war früher einzig in Jahren mit einer üppigen Buchen- und Eichenmast zu beobachten. Die Folge: Große Rotten, die vor allem in der Landwirtschaft erhebliche Schäden verursachten.

    Droste: „Wir sind heute in der Lage, das Schwarzwild zu regulieren.“

    „Wir Jäger tun alles, um die Wildschwein–Bestände zu reduzieren“, sagt Richard Kraus. Sei es mit nächtelangen Ansitzen oder aufwendigen Drückjagden. Erste Erfolge seien sichtbar. Kraus: „Wir haben heuer relativ wenig Schäden auf den Wiesen.“ Wenngleich es örtlich durchaus Unterschiede gebe. Das bestätigt auch Stefan Glaß. Er geht in Wörleschwang bei Zusmarshausen (Kreis Augsburg) auf die Pirsch. Zur Zeit verlaufe die Schwarzwild-Jagd in dem 720 Hektar großen Revier ruhig, sagt der Weldener Waidmann. Im Wald sei sie ohnehin schwierig, da die Sauen kaum an die Kirrung, wo sie mit Futter angelockt werden, gingen. Glaß: „Die Tiere finden durch die Eichenmast genügend Nahrung und sind satt gefressen.“

    Hubert Droste, Leiter des rund 14. 000 Hektar großen Forstbetriebs Zusmarshausen, spricht ebenfalls von kleineren Beständen. „Wir sind heute in der Lage, das Schwarzwild zu regulieren.“ Erst in diesen Tagen seien auf einer Drückjagd im Streitheimer Forst 24 Sauen erlegt worden. „Wir hoffen, in diesem Jagdjahr wieder 400 Stück zu schießen.“ Dies liege etwa auf dem Niveau des Jahres 2021, aber unter dem des Jahres 2019, als in seinem Forstbetrieb rund 600 Wildschweine erlegt wurden.

    Erfreulich sei, so Droste, dass die Strahlenbelastung der Tiere mittlerweile sehr gering sei. Der Grenzwert liegt bei 600 Becquerel pro Kilogramm und jedes geschossene Wildschwein muss untersucht werden. Wird dieser Wert überschritten, darf das Wildbret nicht mehr in den Handel.

    Wird die Wildschwein-Population wieder steigen?

    Vor allem Sauen waren in der Vergangenheit in einigen Regionen Bayerns häufig radioaktiv belastet, da sie im Waldboden gerne nach dem knollenartigen Hirschtrüffel wühlen. Durch die Teilmast bei der Eiche sucht das Schwarzwild laut Droste jedoch nicht mehr schwerpunktmäßig nach diesen auch 36 Jahre nach der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl mit Cäsium 137 angereicherten Pilzen.

    Wie der Forstmann nennt auch Werner Blaha (Burgau) einen weiteren Grund für den Rückgang der Wildschwein-Bestände. Durch den Einsatz der lange verbotenen Nachtzieltechnik sei die Jagd auf die cleveren, nachtaktiven Schwarzkittel in der Dunkelheit erleichtert worden. Blaha, Pächter des 750 Hektar großen Gemeinschaftsjagdreviers Wettenhausen im Kreis Günzburg, glaubt zudem, dass der extrem trockene Sommer Auswirkungen auf die Population hatte. „Die Sterblichkeit der in diesen heißen Monaten geworfenen Frischlinge war nach meiner Meinung höher als in kalten Wintern.“ Zudem habe die massive Bejagung in der Vergangenheit zu einer Reduzierung des urigen Wildes beigetragen. „Noch vor drei Jahren hatten wir riesige Schäden in der Landwirtschaft. Jetzt sind sie gering.“

    Einig sind sich Förster und Jäger, dass es nicht dabei bleiben muss. Hubert Droste ist überzeugt: „Die Wildschwein-Population wird wieder steigen.“ Richard Kraus drückt es drastischer aus. „Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm.“

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