Die Gasspeicher in Deutschland sind in dieser Wintersaison auf einem ungewöhnlich niedrigen Stand. „Die Speicher sind aktuell leerer als im Krisenjahr 2022“, sagte Timm Kehler, Vorstand des Verbandes „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“ kürzlich unserer Redaktion. Eben das Jahr, in dem Russland die Ukraine überfiel, für die deutsche Energieversorgung eine Zeitenwende anbrach, und die Abhängigkeit von Russland eklatant wurde. Als einen Grund dafür nannte Kehler die kalte Witterung der vergangenen Wochen.
Aktuell liegen die deutschen Gasspeicher laut der Plattform AGSI+, Gas Infrastructure Europe, bei 29 Prozent. Das ist um 26 Prozentpunkte weniger als im Mittel der Jahre 2017 bis 2021, wie der NDR berichtete. Fachleute mahnen heuer an, dass niedrige Füllstände ein Risiko für die Versorgungssicherheit darstellen könnten.
Gasspeicher in Bayern auf niedrigem Niveau
In dieser Gemengelage fällt das Schlaglicht auf den Freistaat. Denn wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, sind die Gasspeicher auch in Bayern nicht so voll, wie sie sein sollten. Mehr noch, die gesetzliche Vorgabe des Bundes eines Füllstands von 40 Prozent bis 1. Februar, sei in drei von vier Gasspeichern deutlich unterschritten worden. Die besagten befinden sich Breitbrunn, Inzenham-West und Wolfersberg. Einzig der Gasspeicher Bierwang im Landkreis Mühldorf am Inn habe die Füllmenge erreicht. Interessant: Für den Freistaat sind zwei wichtige Gasspeicher in Österreich gelegen. Deren Kapazität übersteigt laut SZ mit 2,9 und 2,1 Milliarden Kubikmetern jene in Bayern deutlich.
Wie die Bundesnetzagentur in einer Pressemitteilung vom 12. Januar schreibt, ist der Gasverbrauch in Deutschland 2025 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Deutschland habe 2025 insgesamt 864 TWh Gas verbraucht. Das sei knapp 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr, heißt es. Im Vergleich zum Durchschnittsverbrauch der Jahre 2018 bis 2021 seien jedoch insgesamt knapp 13,5 Prozent weniger Gas verbraucht worden. Auch die Bundesnetzagentur führt den Einfluss der Temperaturen auf den Gasverbrauch an, insbesondere die kälteren Monate Oktober und November. Der Füllstand zu Beginn des neuen Jahres liege zwar deutlich unter dem Stand des Vorjahres, so die Bundesnetzagentur – ordnet dies jedoch vor dem Hintergrund der veränderten Markt- und Flusssituation in einem angemessenen Rahmen ein.
Bayerische Wirtschaftsministerium sieht kein Risiko für den Freistaat
Das bayerische Wirtschaftsministerium sieht aufgrund der niedrigen Füllmengen kein Risiko für den Freistaat, zitiert die SZ. Diese seien auf Kälte und Preissprünge zurückzuführen. Doch auch im bayerischen Landtag waren die Gasreserven zuletzt Thema. Der Abgeordnete Josef Lausch (Freie Wähler) zeigte sich beunruhigt: „Das ist, wie wenn man auf der Autobahn fährt und die Reichweite im Auto zeigt 60 Kilometer an und die nächste Tankstelle kommt erst in 50 Kilometern. Da kann es reichen, aber vielleicht auch nicht.“
Der Bundesnetzagentur zufolge ist die Lage jedoch stabil. Im aktuellen Lagebericht schätzt die Behörde die Gefahr einer angespannten Gasversorgung im Augenblick als gering ein. Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sah zuletzt keinen Grund zur Beunruhigung: „Sorgen sind nicht angebracht.“ Die Versorgung sei abgesichert. Auch durch Möglichkeiten zum Import von Flüssiggas. Expertinnen und Experten sprechen sich jedoch dafür aus, künftig wieder mehr Vorsorge für den Winter zu betreiben.
Speicherbetreiber waren zu Beginn des Winters 2025 besorgt, weil der Füllstand geringer ist als vergangenes Jahr. Andere Experten sehen Deutschland durch Flüssiggas-Terminals gut gerüstet.
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