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Von Lebenskrise zur Kapelle: Ingolstädter Marco Pfeffer zeigt Kraft des Glaubens

Ingolstadt

28-Jähriger lässt aus Dankbarkeit für seine Heilung eine Kapelle errichten

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    Der Ingolstädter Marco Pfeffer ließ eine Kapelle als Dank für seine Genesung erbauen.
    Der Ingolstädter Marco Pfeffer ließ eine Kapelle als Dank für seine Genesung erbauen. Foto: Angela Stoll

    Handy, Mini-Drohne, Kamera, Geld: Das sind Geschenke, von denen Kommunionkinder üblicherweise träumen. Bei Marco Pfeffer war es anders. Er wünschte sich zu seiner Erstkommunion eine eigene Kapelle. Ein ungewöhnlicher, vielleicht sogar seltsamer Wunsch? Wer die Geschichte des jungen Ingolstädters erfährt, kann ihn nachvollziehen.

    Geweihte Holzhütte im Garten wird zum Treffpunkt für die ganze Nachbarschaft

    Nach einem Säureunfall, den er als kleines Kind erlitten hatte, erlebte er ein jahrelanges Martyrium mit unzähligen Operationen und ständigen Krankenhausaufenthalten. Die Kraft, die Zeit zu überstehen und ihr sogar etwas Positives abzugewinnen, schöpfte er aus dem Glauben. „Dabei war meine Oma prägend für mich“, erzählt der heute 28-Jährige. Seinen Wunsch nach einer Kapelle erfüllten ihm seine Eltern tatsächlich und errichteten dafür eine Holzhütte im Garten, die entsprechend eingerichtet und geweiht wurde. „Das war ein typisches Gartenhaus aus dem Baumarkt“, berichtet Pfeffer. Vor fünf Jahren ließ er die Kapelle ausbauen. Sie ist heute ein Treffpunkt weit über die Nachbarschaft hinaus: Einmal pro Woche versammeln sich hier Gläubige zum Rosenkranzbeten, manchmal finden auch Gottesdienste statt.

    Er dachte, es sei Limo - an die extremen Schmerzen erinnert er sich noch heute

    Alles begann am ersten Weihnachtsfeiertag 1999. Nach dem Mittagessen spielte der damals dreijährige Marco zusammen mit seinem Bruder mit den Geschenken. „Ich habe Durst gehabt und wollte trinken, habe aber die falsche Flasche erwischt.“ Darin befand sich nämlich keine Limo, sondern Ofenreiniger. Auch heute, nach mehr als 25 Jahren, erinnert er sich an den Moment danach, an die extremen Schmerzen und die Übelkeit. „Dann bin ich bewusstlos geworden.“ Das Kind überlebte knapp, doch Speiseröhre und Magen waren so stark verätzt, dass immer wieder Operationen nötig wurden – so viele, dass er sie nicht genau beziffern kann: „In 17 Jahren waren es über 80 operative Eingriffe.“ Dreimal kam es zu so schwerwiegenden Komplikationen, dass er klinisch tot war, wie Pfeffer berichtet.

    „Schon die Buchstaben der Buchstaben-Nudelsuppe konnte ich nicht schlucken.“

    Marco Pfeffer, Er trank als Kind aus Versehen Ofenreiniger

    Auch in Zeiten, in denen es ihm besser ging, führte er kein unbeschwertes Leben. Da die Speiseröhre stark vernarbt war, konnte Marco Pfeffer nur Suppe essen. „Aber schon die Buchstaben der Buchstaben-Nudelsuppe konnte ich nicht schlucken.“ Immer wieder musste er über eine Magensonde ernährt werden. Geburtstagsfeiern mit Torte und Pizza, Schullandheim, Übernachtungspartys – all das, was Kinderleben bunt macht, blieb Marco vorenthalten. Dennoch machte er die Mittlere Reife, wurde später Florist, danach Kinderpfleger. „Vielleicht war es gut, dass ich bei dem Unfall so klein war“, sagt er rückblickend. „Ich habe es nicht anders gekannt. Eine Kindheit im Krankenhaus war für mich normal.“

    Die Gnadenkapelle mit der Schwarzen Madonna in Altötting ist für Marco Pfeffer ein Kraftort. Für seine eigene Kapelle schnitzte er eine Kopie.
    Die Gnadenkapelle mit der Schwarzen Madonna in Altötting ist für Marco Pfeffer ein Kraftort. Für seine eigene Kapelle schnitzte er eine Kopie. Foto: Angela Stoll

    Im Jahr 2016 – Marco war damals 19 – verschlechterte sich sein Zustand so stark, dass ihm klar wurde, dass sich etwas ändern musste. Nach umfangreichen Recherchen stieß er auf ein innovatives Operationsverfahren, das an der Uniklinik Regensburg angewandt wurde: Dabei wird die Speiseröhre durch ein Stück Dünndarm ersetzt. Im ersten Anlauf ging der Eingriff schief, sodass mehrere Notoperationen folgten und Pfeffer mit einer offenen Bauchwunde nach Hause kam.

    Nach einem erfolglosen Eingriff fuhr er nach Altötting zur Großen Lichterprozession, um Kraft zu schöpfen

    Wenige Tage nach seiner Entlassung bat er seine erstaunten Eltern um eines: Sie mögen mit ihm am Vorabend von Mariä Himmelfahrt nach Altötting zur Großen Lichterprozession fahren. „Ich dachte nur: Ich muss da hin, um Kraft zu schöpfen!“ Die gewagte Unternehmung klappte, und Marco fühlte sich gestärkt. Die Gnadenkapelle mit der Schwarzen Madonna wurde zu einem Kraftort für ihn, den er - ebenso wie das Grab der Heiligen Walburga in Eichstätt - regelmäßig besuchte. Heute steht in seiner Kapelle eine originalgetreue Kopie der Madonna, die Pfeffer selbst geschnitzt und mit Gewändern versehen hat: Dazu hat er unter anderem einen Schnitzkurs besucht. Die Nachbildung wurde später, im Rahmen eines Aschermittwochs-Gottesdienstes, am Original berührt – ein besonderer Moment für Marco Pfeffer, für den er eigens eine Wallfahrt organisiert hatte. „Die Madonna ist heute ein wichtiger Anziehungspunkt.“

    „Ich habe heute keinerlei Einschränkungen mehr. Auch die Ärzte sagen: Das grenzt an ein Wunder.“

    Marco Pfeffer, Er überstand einen schweren Säureunfall

    Im Jahr 2017 fand er die Kraft, den riskanten Eingriff in der Uniklinik Regensburg ein zweites Mal zu wagen. Zehn Ärzte operierten ihn zwölf Stunden – und alles ging gut. „Schon nach wenigen Tagen konnte ich Suppe, dann nach und nach alles Mögliche essen“, berichte Marco Pfeffer. „Dadurch hat sich mir eine Genusswelt eröffnet.“ Besonders angetan hat es ihm die mediterrane Küche, die er auf seinen Italien-Reisen kennenlernte. „Die neuen Erfahrungen dauern bis heute an.“ Auch er selbst kocht leidenschaftlich gerne und genießt es, Freunde zum Essen einzuladen. Der gewöhnliche Alltag, wie ihn andere Leute vielleicht langweilig finden, ist für den 28-Jährigen etwas Wertvolles, für das er tiefe Dankbarkeit spürt. „Ich habe heute keinerlei Einschränkungen mehr. Auch die Ärzte sagen: Das grenzt an ein Wunder.“

    Er hat ein Fernstudium der Theologie begonnen und lässt sich zum Gemeindereferenten ausbilden

    Daher war es ihm auch so wichtig, die Kapelle zu renovieren und umzubauen. Sie ist heute ein schlichter Bau mit Holzverkleidung, der neben seinem Elternhaus steht. Beim Betreten empfängt die Besucherinnen und Besucher ein heller Raum mit fünf Fenstern, ein Symbol für die fünf Wunden Christi. „Ich wollte einen modernen Bau mit klaren Strukturen“, sagt Pfeffer. „Kirche muss jung und schön sein. Das wollte ich mit der Kapelle ausdrücken.“ Auch wenn er Traditionen in der katholischen Kirche bewahren möchte, so ist für ihn klar, dass sie sich öffnen und erneuern muss: „Konservativ und liberal, das finde ich eine gute Mischung.“ Für diese Linie möchte er sich mit ganzer Kraft einsetzen. Daher belegt er inzwischen ein Fernstudium der Theologie und lässt sich zum Gemeindereferenten im Erzbistum München-Freising ausbilden. Im September wird er mit dem praktischen Teil der Ausbildung beginnen. „Kirche kann auch jung sein. Dafür stehe ich, das ist mein Statement. Mehr möchte ich auch gar nicht.“

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