Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden lässt sich für viele junge Menschen in Deutschland nicht mehr erfüllen. „Die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten“, sagt Matthias Günther, Chef des Pestel-Instituts. Die Nestbauer-Generation sei längst zur Verlierer-Generation in Sachen Wohneigentum geworden. Das Institut hat im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustofffachhandel den Wohnungsmarkt analysiert. In Bayern ist die Eigenheimquote dieser Altersgruppe demnach in den vergangenen 15 Jahren um 1,5 Prozentpunkte gesunken.
Wohnen und Bauen in Deutschland: Großes Gefälle zwischen Stadt und Land
Immerhin: Im bayernweiten Schnitt wohnen rund 48 Prozent der 25- bis 40-Jährigen schon in der eigenen Immobilie. Ein guter Wert im bundesweiten Vergleich. Andererseits: Im Nachbarland Österreich zum Beispiel hat schon die Hälfte in diesem Alter eine eigene Wohnung oder ein Haus. Und: Es gibt ein starkes Gefälle zwischen Stadt und Land. In München etwa beträgt die Eigentumsquote weniger als ein Viertel, ähnlich ist es in Würzburg, in Augsburg liegt sie immerhin bei etwa einem Drittel.
Zugelegt hat die Quote laut Pestel-Institut zuletzt fast ausschließlich in Regionen mit wenig oder gar keinem Bevölkerungszuwachs, in denen Nachfrage und Preise niedrig sind. In attraktiven Ballungsräumen hingegen verschärft sich die Lage wegen Zuwanderung und geringer Bautätigkeit.
Es gibt zumindest ein kleines Zeichen der Hoffnung
Damit wieder mehr Wohnraum geschaffen wird, müsste Bauen einfacher und billiger werden, fordert die Bausparkasse LBS Süd. Vorstandschef Stefan Siebert sieht im Gespräch unserer Redaktion zumindest etwas Anlass zur Hoffnung: „Auch wenn die Herausforderungen im Neubau aktuell hoch sind, halten sehr viele Menschen an ihrem Wunsch nach einem Eigenheim fest. Und trotz der schwierigen Situation am Immobilienmarkt gibt es mit dem jüngsten Anstieg der Baugenehmigungen und den stabilisierten Bauzinsen erste positive Anzeichen für eine Erholung.“ An diesem Montag veröffentlicht die LBS Süd aktuelle Geschäftszahlen.
Eine echte Trendwende ist nicht in Sicht. „Auch wenn in Europa wieder mehr Wohnungen gebaut werden, wird der Aufschwung in Deutschland dagegen erst verzögert einsetzen und nur moderat ausfallen“, prognostiziert Ludwig Dorffmeister, Experte des Münchner ifo-Instituts.
Menschen mit niedrigerem Einkommen müssen den Traum vom Eigenheim besonders oft begraben. „Nach der Studie des Pestel-Instituts fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen – fast ausschließlich bezahlbare Wohnungen und vor allem auch Sozialwohnungen“, gibt Robert Feiger, Chef der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, zu bedenken und fordert: „Wenn es schon nicht genug neue Wohnungen gibt, dann müssten die, die gebaut werden, wenigstens bezahlbar sein.“
Wie könnte der Staat Häuslebauern helfen?
Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel kritisiert dabei die fehlende staatliche Unterstützung für Häuslebauer: „Der Bund hat zuletzt die Eigenheimzulage und dann das Baukindergeld abgeschafft – und damit die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt“, sagt Verbandspräsidentin Katharina Metzger. LBS-Chef Siebert hat einen konkreten Vorschlag, um die Kosten zu senken: „Ein guter Weg wäre der Erlass der Grunderwerbssteuer für Ersterwerber.“
Und der bau- und wohnungspolitische Sprecher der CSU im Bundestag, Michael Kießling, fordert: „Zur Senkung der unmittelbaren Baukosten müssen auch die Baustandards auf ein pragmatisches Niveau nivelliert werden.“ Viele nicht gesetzliche Vorgaben, die die jungen Bauinteressierten eigentlich nicht wollen oder nicht wirklich benötigen, treiben aus seiner Sicht die Kosten in die Höhe. Hier müsse das zuständige Bundesjustizministerium bei der anstehenden Reform des Baugesetzbuches eingreifen.
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