Eine Vertrauensperson wie Nadja Stemmer gab es in Augsburg lange nicht. Heute empfängt sie Eltern, die sich um ihr Kind sorgen, geht in Einrichtungen der Jugendhilfe und Jugendarbeit. Nadja Stemmer ist seit eineinhalb Jahren Augsburgs städtische Jugendsuchtberaterin. Zeit für eine erste Bilanz.
Die Stelle wurde neu geschaffen als Teil des Gesamtkonzepts für den Drogen-Hotspot Helmut-Haller-Platz. Doch in Oberhausen ist die 32-Jährige gar nicht so oft. Vielmehr bietet sie auch Sprechstunden in Schulen an: „Es gibt an jeder Schulart Kinder und Jugendliche, die Suchtmittel konsumieren“, sagt sie. An Realschulen gehe es dabei oft um „Vapen, Kiffen oder Mediensucht“. An Gymnasien hätten sich schon Schülerinnen und Schüler an sie gewandt, die mit Kokain, Schmerzmitteln und Amphetaminen experimentierten. Ob sich dieser Unterschied zwischen den Schularten statistisch halten lässt, lässt sich nach den ersten Beratungsmonaten noch nicht beantworten.
Drogen in Augsburg: Von der Kräutermischung zu Kokain
Anders als städtische Jugendsuchtberatungen in München, die sich auf akute Abhängigkeiten konzentrieren, ist die Arbeit in Augsburg eher präventiv angelegt. „Ich hatte bislang nur wenige Fälle, die wirklich eine Sucht entwickelt hatten.“ Steckt ein Kind oder Teenager bereits tief in der Abhängigkeit, vermittelt Stemmer den Betroffenen weiter, etwa an die Drogenhilfe Schwaben.
Die neue Stelle ist am Amt für Kinder, Jugend und Familie angedockt. Abteilungsleiter Dennis Galanti beobachtet den Konsum junger Augsburgerinnen und Augsburger schon lange. „Vor etwa 15 Jahren sorgten Kräutermischungen für Aufmerksamkeit und waren zeitweise leicht verfügbar“, erinnert er sich. Heute sei das Vapen omnipräsent, also das Inhalieren von Dämpfen mit E-Zigaretten. Auch Cannabis ist Galanti zufolge „weiterhin ein größeres Thema“. Besonders bedenklich: Kokain und Ketamin würden in Augsburg inzwischen eine deutlich größere Rolle spielen als noch vor einem Jahrzehnt. „Und problematische Mediennutzung zeigt sich bei Minderjährigen in sämtlichen Altersstufen.“
Jugendliche sind sich der Risiken oft gar nicht bewusst
Etwa zur Hälfte sind es die Kinder und Jugendlichen selbst, die sich an Nadja Stemmer wenden, zum anderen Teil die Eltern. Die Beraterin hört sich im Idealfall beide Seiten an. „Anschließend wird versucht, etwa gemeinsam Familienregeln zur Mediennutzung zu erarbeiten.“
Was Stemmer, die Soziale Arbeit in Würzburg studierte, nach eineinhalb Jahren auffällt: Jüngere konsumieren häufig, um sich auszuprobieren, in ihrem Freundeskreis dazuzugehören. „Der Risiken sind sie sich oft noch gar nicht bewusst.“ Das zu ändern, ist ihre große Aufgabe.
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