Dominik Krause hat Geschichte geschrieben: Der 35-Jährige wird als erster Grünen-Politiker Oberbürgermeister der Stadt München und löst damit nach zwölf Jahren Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) ab. „Das ist der helle Wahnsinn“, kommentiert Krause den Sieg am Abend der Stichwahl und lässt sich in der Münchner Muffathalle feiern. Doch lange die Füße hochlegen kann er nach dem Wahlsieg nicht: Im Rathaus warten schon einige Herausforderungen auf den neugewählten ersten Bürgermeister. Das sind fünf wichtige Themen, denen sich Krause stellen muss.
Wohnungsnot
Wohnen war das Thema, auf das Krause im Wahlkampf setzte – mit Erfolg. In der Stadt, die für horrende Mietpreise und Wohnungsmangel bekannt ist, hat er ehrgeizige Ziele gesetzt. „Ich will 50.000 neue bezahlbare Wohnungen schaffen“, kündigte Krause an. Dafür sollen auch leer stehende Büroflächen umgenutzt werden. Über eine neue Agentur sollen Teile der rund 1,8 Millionen ungenutzten Quadratmeter etwa zu preiswertem Wohnraum für Studierende umgewandelt werden. Etwa 10.000 Wohnungen sollen so entstehen. Der noch amtierende erste Bürgermeister Dieter Reiter hielt dagegen, dass Investoren an solchen Projekten kaum Interesse hätten, da sie nicht sonderlich rentabel seien.
Dazu sollen noch 40.000 neue Wohnungen durch Nachverdichtung, Aufstockung und Bau kommen. Auch Künstlern, Gründerinnen oder Vereinen will Krause bezahlbare Flächen bieten. Krause ist nicht der Erste, der Wohnraum verspricht. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte etwa bereits 2018 10.000 neue bezahlbare Wohnungen in Bayern an – im Oktober 2025 war davon erst etwas mehr als die Hälfte im Bestand oder Bau.
Verkehr
„ÖPNV muss in München wieder Chefsache sein“, erklärt Krause. Dafür will er nach Amtsantritt die Zuständigkeit für die MVG, die aktuell bei mehreren Referaten und Fachausschüssen liegt, bündeln. Krause, der selbst überzeugter Radfahrer und ÖPNV-Nutzer ist, will hier einiges vorantreiben: U-Bahn- und Tram-Netz ausbauen, separate Busspuren einführen, auch mehr Radwege und Fußgängerzonen sind geplant.
Bei Baustellen im Straßenverkehr plädiert er für kurze Bauphasen mit Vollsperrung statt für Dauerbaustellen. Mithilfe eines Baustellen-Fonds will Krause auch die Belastung für Anwohnerinnen, Gewerbe und Pendler verringern. Beim viel diskutierten Thema Luftverschmutzung am Mittleren Ring, wo die Geschwindigkeitsbegrenzung in den vergangenen Monaten mehrmals geändert wurde, spricht sich Krause für eine dauerhafte Tempo-30-Regelung aus.
Verwaltung
Kurz vor der Stichwahl veröffentlichte Krause einen Sieben-Punkte-Plan mit Themen, die er „als OB anders machen werde“. Beim ersten Punkt richtet er sich an seine eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Als OB werde ich eine neue Führungskultur in der Stadtverwaltung etablieren.“ Kollegial, auf Augenhöhe und lösungsorientiert solle die Zusammenarbeit sein. Aber auch schneller solle die Verwaltung werden, mit mehr Eigenverantwortung. „Wer Verantwortung für unsere Stadt übernimmt, hat meine volle Rückendeckung“, verspricht Krause. Eine Spitze gegen seinen Vorgänger? Reiter war damit aufgefallen, die eigene Verwaltung, insbesondere das Mobilitätsreferat, scharf zu kritisieren.
Eisbachwelle
Eine kleine Welle löst in München seit einem knappen halben Jahr große Emotionen aus. Nach Reinigungsarbeiten im Eisbach baute sich die Eisbachwelle, eine der bekanntesten Attraktionen Münchens, nicht wieder auf. Wiederaufbauversuche scheiterten oder wurden vonseiten der Stadt unterbunden, immer wieder gab es Streitigkeiten zwischen der Surf-Community und der Stadtverwaltung. Auch im Wahlkampf wurde das Thema diskutiert, Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien forderten schnelles Handeln und kritisierten den Oberbürgermeister Dieter Reiter. Dominik Krause betont, er wolle die Welle nun schnell und unkompliziert zurückholen.
Olympia
In einem Punkt sind sich Krause und Reiter einig: Olympia soll nach München kommen. Die Stadt konkurriert mit Hamburg, Berlin und der Rhein-Ruhr-Region um eine deutsche Bewerbung für 2036, 2040 oder 2044. Die Bevölkerung hat sich in einem Ratsentscheid dafür ausgesprochen. Der Deutsche Olympische Sportbund will im Herbst entscheiden, welche Stadt ins Rennen geht. Innerhalb der Grünen gibt es jedoch unterschiedliche Positionen: Ludwig Hartmann, Vizepräsident des Bayerischen Landtags, sprach sich gegen die Bewerbung aus. Die Grünen München unterstützen die Bewerbung hingegen, aber fordern eine „transparente Umsetzung“. Schon vor einer endgültigen Zusage soll die Stadt München und damit Oberbürgermeister Krause in diesem Jahr bis zur Entscheidung etwa 7,7 Millionen Euro in mögliche Olympia-Vorbereitungen stecken. (mit dpa)
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