Sie heißen nicht Lafer, nicht Wiener und nicht Oliver – doch auch Neuburg an der Donau hat seine Starköche. Einen ausgefallenen Namen für ihr Restaurant haben sie nicht, am besten Platz der Stadt liegt das Restaurant ebenfalls nicht – und doch hat es jetzt fünf Goldene Kessel erhalten. Für Max Sparhuber und den Dillinger Werner Stark, die beiden Küchenchefs, ist die Auszeichnung genauso viel wert wie drei Sterne für einen der Fernsehköche – denn für sie ist es die höchste Auszeichnung, die sie erreichen können.
Werner Stark hat sich in Dillingen einen Namen gemacht
Als Koch hat sich Werner Stark in Dillingen einen Namen gemacht. Dass er zusammen mit Max Sparhuber inzwischen die Küche in der Kantine im Haus der Maschinenringe am Neuburger Stadtrand leitet, war in der Region bisher weniger bekannt. Im Haus der Maschinenringe ist wiederum der Höchstädter Erwin Ballis Geschäftsführer. Bereits im vergangenen Jahr wurde die Küche dort mit drei Kesseln ausgezeichnet, jetzt hat sie fünf erhalten. Das ist die höchstmögliche Auszeichnung, die ein Betriebsrestaurant bekommen kann. Damit gehört die Kantine zu den vier besten in Deutschland und Österreich.
Vergeben werden die Auszeichnungen von der internationalen Küchen- und Serviermeistervereinigung (IKSV). Deren Präsident Rolf Maninger war im Frühjahr in Neuburg zu Gast, um die Küche zu begutachten. Sein Urteil fiel durchweg positiv aus: Überrascht sei er von den Verbesserungen gewesen, er lobte die Koch-Leistungen und dass die Küche frische Bio-Produkte verwende. Schon im Vorjahr hatte er dem Küchenteam ein tolles Zeugnis ausgestellt. Dabei wurden die Köche nicht nur mit drei Goldenen Kesseln ausgezeichnet: Sparhuber vertrat kürzlich Deutschland bei einem Treffen von Köchen der Teilnehmerländer am Rande des G20-Gipfels im japanischen Osaka.
Das Restaurant zeichnet sich nicht nur durch seine gute Küche aus
Nicht nur durch seine gute Küche zeichnet sich das Restaurant im Haus der Maschinenringe aus. Sparhuber und Stark haben besondere Kollegen – denn die Küche wird vom Unternehmen Integra betrieben. Das ist ein gemeinnütziger Betrieb, der Suchtkranke beschäftigt und sie so wieder in den Alltag integrieren will. Zwischen zehn und 15 von ihnen arbeiten in der Küche im Haus der Maschinenringe, wie Geschäftsführerin Marianne Schlamp sagt. Jeder von ihnen darf bis zu 15 Stunden in der Woche arbeiten. Die Stelle dient lediglich als Zuverdienst, als Suchtkranke dürfen die Beschäftigten nicht mehr als diese Zeit arbeiten.
Auch Gastesser können vorbeischauen
Schlamp hält die Arbeit der Klienten, wie Integra die Zuverdienstler im Betrieb nennt, für enorm wichtig. Dadurch hätten diese die Möglichkeit, einen strukturierten Tagesablauf zu bekommen. Außerdem können sie sich so wieder besser ins gesellschaftliche Leben integrieren. „Sie gelten oft als stigmatisiert“, sagt Schlamp. „Das Schöne hier ist, dass man gar nicht erkennt, wer in Vollzeit beschäftigt und wer Klient ist.“ Alle arbeiteten gemeinsam, ohne Abgrenzung voneinander. Kritiker Maninger attestiert der Küche „ein tolles Betriebsklima“. Er schrieb in einem Brief an die Küche: „Man hatte das Gefühl, dass bei Ihnen nach dem Motto ‚Einer für alle, alle für einen‘ gearbeitet wurde.“ Dieses Miteinander ist für Maninger einer der Gründe, weshalb er die Küche nun mit fünf Goldenen Kesseln ausgezeichnet hat. Wie genau sich das Team in der Küche nun zusammensetzt, habe für die Zertifizierung allerdings keine Rolle gespielt, sagt Schlamp. Bonuspunkte für ihre integrative Funktion habe sie nicht bekommen, die Leistung beruhe ausschließlich auf der Arbeit und der Qualität der Küche.
Grundsätzlich ist die Kantine auch für Gastesser geöffnet, sagt Schlamp. Spontan in die Kantine zu gehen, um dort die Mittagspause zu verbringen, wird jedoch kaum funktionieren: Wer in die Kantine möchte, muss sich vorher anmelden und seinen Besuch mit Integra absprechen. Das Unternehmen prüft dann, ob es Kapazitäten für weitere Gäste hat – momentan ist die Kantine allerdings sehr gut besucht.
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