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Dillingen/Wertingen: Das Defizit der Kreiskliniken: fast sechs Millionen Euro

Dillingen/Wertingen

Das Defizit der Kreiskliniken: fast sechs Millionen Euro

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    Bei knapp sechs Millionen Euro liegt das Defizit in den Kreiskrankenhäusern Dillingen (Foto) und Wertingen.  	„Über das Ergebnis müssen wir reden, das darf so in dieser Form nicht mehr passieren.“
    Bei knapp sechs Millionen Euro liegt das Defizit in den Kreiskrankenhäusern Dillingen (Foto) und Wertingen. „Über das Ergebnis müssen wir reden, das darf so in dieser Form nicht mehr passieren.“ Foto: Jakob Stadler (Archiv)

    Der Lockdown und die Corona-Pandemie werden in diesem Jahr zu gewaltigen Verlusten der Krankenhäuser führen. Zahlreiche Operationen sind ausgefallen, Kosten, etwa für Schutzkleidung und Medikamente, schossen in die Höhe. Doch womit Uli-Gerd Prillinger, Geschäftsführer der beiden Häuser, die Mitglieder des Dillinger Krankenhausausschusses am Montagnachmittag überraschte, war diese Nachricht: Das Jahr 2019, also vor Corona, wurde mit einem Defizit in Höhe von 5,7 Millionen Euro abgeschlossen.

    „Die Zahl ist sehr erschreckend gewesen und sicherlich kein Ruhmesblatt für uns“, sagte Prillinger. Es sei das seit Jahren schlechteste Betriebsergebnis, das die Häuser je hatten. Mit 3,1 Millionen Euro hatte man gerechnet, nicht aber mit 5,7. Wie konnte es so weit kommen? Diese Gründe führte Prillinger an:

    • Eine Gesetzesänderung führte dazu, dass die Krankenkassen Kliniken mit Prüfanträgen regelrecht „überzogen“ hätten. Der daraus resultierende Erlösverlust samt Rechnungskorrekturen belief sich auf rund 1,3 Millionen Euro.
    • Mit den Krankenkassen waren für beide Häuser Leistungen vereinbart worden. Weder in Dillingen noch in Wertingen wurden diese erbracht. Es wurde also weniger operiert als vereinbart. In Dillingen betraf das die Unfall-, die Viszeralchirurgie (Bauchraum) und die Innere Medizin, in Wertingen ebenfalls die Innere Medizin und die Chirurgie. Der Erlösausfall in beiden Häusern summierte sich auf rund 1,6 Millionen Euro. Der Ausfall sei unerwartet und nicht planbar gewesen.
    • Das Verhältnis zwischen Personal- und Materialkosten liegt in den Häusern bei inzwischen 80 zu 20 Prozent. Das lag an Tarifsteigerungen und Einstellungen. Man habe in bestimmten Abteilungen Personal eingestellt und geschult, dann kündigten zwei Ärzte. Die Mitarbeiter auf der Station wurden weiter bezahlt. Ebenfalls ein großes Problem: Nicht genommener Urlaub und bezahlte Überstunden (421000 Euro). Inzwischen sei eine Regelung getroffen worden, damit das nicht mehr passiert. Zudem hatte ein Arzt eine Abfindung in Höhe von 180.000 Euro bekommen.
    • Auch in der Krankenpflegeschule war das Defizit noch nie so hoch gewesen. 150.000 Euro fehlten am Ende des Jahres. Denn bezahlt wird nur für Schüler, die den Abschluss machen. Springen sie vorher ab, zahlt der Träger drauf.

    Während also die Personalkosten stiegen, sanken die Erlöse.

    Wird sich die Dillinger Geburtshilfe je rechnen?

    Auch weitere vermeintlich gute Nachrichten Prillingers hatten einen faden Beigeschmack: So gab es einen Zuschuss für die Geburtshilfe in Höhe von 955.282 Euro vom Freistaat. (Eine Million Euro für die Dillinger Geburtshilfe). Dennoch, so betonte der Geschäftsführer, werde sich die Hauptabteilung nie rechnen. Auch steigende Operations- und Geburtenzahlen würden daran nichts ändern. Immerhin unterstütze der Freistaat die Geburtshilfe auch dieses Jahr wieder finanziell.

    Überhaupt könnten nur höhere Fördermittel den kleinen Häusern helfen. Keine Klinik in Schwaben kommt laut Prillinger mit den Zuschüssen des Staats für ihre Investitionen aus. Als Fördermittel für ältere Baumaßnahmen gingen zwar 805.217 Euro bei der Krankenhaus-GmbH ein. Das Geld, das bereits als Einnahme verbucht worden war, bekommt aber der Landkreis.

    Warum wird ein Wertinger in Nördlingen operiert?

    Dies wiederum verzeichnete Landrat Leo Schrell als gute Nachricht. Er betonte aber auch: „5,7 Millionen Euro, das können wir nicht jedes Jahr verkraften.“ Kreisrat Franz Bürger erkundigte sich, warum die Personalkosten stiegen, wenn Fallzahlen und erbrachte Leistungen sanken.

    Er sei auf Anraten seines Hausarztes vor zwei Jahren in Nördlingen operiert worden, nicht in Wertingen. So etwas spreche sich herum. „Wir wissen, es gibt Schwachstellen“, sagte der Landrat dazu. „Daran müssen wir arbeiten, aber das geht nicht mit einem Fingerschnipsen.“ Wenn eine Abteilung so aufgestellt wird, dass sie rund um die Uhr arbeiten kann, und dann die Ärzte ausfallen, also keine Operationen stattfinden und abgerechnet werden können – das Personal aber weiter bezahlt werden muss; daran müsste man etwas ändern, so der Landrat, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der beiden Krankenhäuser ist.

    Die Überprüfung des Jahresabschlusses hatte seitens der Wirtschaftsprüfung zu keinen Einwendungen geführt.

    Warum gibt es in den beiden Krankenhäusern im Landkreis so viele Überstunden?

    Kreisrat Markus Hofmann erschien die Personalaufwandsquote mit 80 Prozent jedoch viel zu hoch. Auch die vielen Überstunden und nicht genommene Urlaube – wenn doch die Fallzahlen sinken – hinterfragte er.

    Dieses Problem hatte sich, so Prillinger, erst am Ende des Jahres gezeigt – zu spät, um gegenzusteuern. Die Personalaufwandsquote sei wegen einer Verordnung gestiegen. Und größere Häuser würden auch ihr Reinigungspersonal zum Materialaufwand zählen, so ändere sich der Prozentsatz. „Unser Personal ist teuer, weil es zum Teil schon lange dabei ist, also tariflich bedingt mehr verdient, und weil es examiniert ist. Doch diese Ausgaben sind von den Kostenträgern voll akzeptiert worden“, erklärte der Geschäftsführer. Dennoch fände auch er das Verhältnis 70 zu 30 besser. „Es war eine unglückliche Gesamtkonstellation.“

    Dillingens Oberbürgermeister fordert künftig schnellere Informationen

    Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz wollte das so nicht stehenlassen. „Über das Ergebnis müssen wir reden, das darf so in dieser Form nicht mehr passieren.“ Ausdrücklich an Prillinger gewandt kritisierte er, man hätte früher Bescheid wissen müssen, um gegensteuern zu können. Nicht erst Mitte des Jahres. „Unser aller Ziel sollte sein, die Häuser in kommunaler Trägerschaft zu halten.“ Er lobte die gute medizinische Versorgung vor Ort, das „super Personal“, die „tolle Mannschaft“ in den Kliniken, auf die man stolz sein könne. Doch man müsse über Strukturen reden, Verbände mit anderen Krankenhäusern und auch über weitere Investitionen. „Das alles wird uns viel abverlangen, aber die Gesundheit ist unser höchstes Gut.“ (Kreiskrankenhäuser: Das Defizit steigt, vorerst)

    Kreisrätin Susanne Ahle wünschte sich, Reformen gemeinsam zu tragen. „Wir müssen uns überlegen, wo wir ansetzen können, um die medizinische Grundversorgung zu halten.“ Das sei auch ein wichtiges Signal an das Personal in den Krankenhäusern. „Nichts ist schlimmer als negative Schlagzeilen.“

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