Startseite
Icon Pfeil nach unten
Dillingen
Icon Pfeil nach unten
Dillingen
Icon Pfeil nach unten

Kreis Dillingen: Wie lockt man junge Ärzte?

Kreis Dillingen

Wie lockt man junge Ärzte?

  • |
  • |
  • |
    Das Dillinger Kreiskrankenhaus St. Elisabeth wirbt als Lehrkrankenhaus der TU München um junge Ärzte, die in Dillingen im Krankenhaus und bei niedergelassenen Ärzten ihre Ausbildung machen. Das Ziel ist, junge Hausärzte für die ländliche Region zu gewinnen.
    Das Dillinger Kreiskrankenhaus St. Elisabeth wirbt als Lehrkrankenhaus der TU München um junge Ärzte, die in Dillingen im Krankenhaus und bei niedergelassenen Ärzten ihre Ausbildung machen. Das Ziel ist, junge Hausärzte für die ländliche Region zu gewinnen. Foto: Homann

    In Dillingen hat alles angefangen. Dort wurde schon vor fünf Jahren versucht, mit einem besonderen Konzept junge Ärzte für den Beruf Hausarzt auf dem Land zu gewinnen. Das Ausbildungskonzept Allgemeinmedizin Dillingen AKADemie ist so erfolgreich (wir berichteten), dass es nun ausgeweitet wurde. Unter dem Begriff „Beste Landpartie – Allgemeinmedizin (Bela)“ gibt es neben der Zusammenarbeit zwischen der Technischen Universität München und Dillingen weitere Kooperationen der TU mit den Kliniken in Mühldorf und Kösching. Auch sie wollen junge Mediziner für ihre Region gewinnen. In Nordbayern gibt es jetzt ein vergleichbares Konzept.

    Das Dillinger Konzept war einmalig in Deutschland

    In Dillingen wurden nun ein paar junge Mediziner begrüßt, die noch an der Uni sind, und sich über das Konzept informieren wollten. Landrat Leo Schrell betonte, dass die Krankenhäuser Dillingen und Wertingen in kommunaler Trägerschaft sind. „Uns sind unsere Krankenhäuser trotz der Defizite sehr wichtig. Wir sind stolz auf unsere Häuser.“ Schrell beschrieb auch die Entwicklung der Geburtenstation, die Ende März geschlossen und im Juli wieder eröffnet wurde. Jetzt sei die Station erfolgreicher als zuvor. Die AKADemie sei anfangs einmalig in Deutschland gewesen. Schrell dankte Dr. Ulrike Bechtel, Chefärztin am Dillinger Krankenhaus und Initiatorin der AKAdemie, sie habe alle Hürden genommen, damit das Konzept gelingt. Professor Antonius Schneider von der TU München habe parallel dazu den Weg dafür frei gemacht. Zum Schluss sprach der Landrat über die geschichtliche Entwicklung des Landkreises und informierte über die top Unternehmen des Landkreises. „Wir haben seit Jahren Vollbeschäftigung. Dafür brauchen wir ein hervorragendes Gesundheitswesen. Das Rückgrat dafür sind unsere Krankenhäuser und Ärzte. Es würde mich freuen, wenn Sie Ihr Praktisches Jahr (PJ) hier verbringen würden.“

    Eine Brücke zwischen der Uni und dem ländlichen Raum

    Dr. Bechtel erklärte, die AKADemie wollte eine Brücke bauen zwischen der Universität mit ihrer breiten Fächerauswahl in der Großstadt zur Allgemeinmedizin im ländlichen Raum. 600 Euro bekommen junge Mediziner, die am Bela-Projekt teilnehmen. Im Wohnheim am Dillinger Krankenhaus werden sie kostenlos untergebracht. So könnten sie sich besser auf ihre Ausbildung konzentrieren. „Daher halte ich diese Unterstützung für fair“, betonte Bechtel. Sie unterstrich, dass von kurzen Aufenthalten wie Praktika bis zum praktischen Jahr im Landkreis Dillingen alles möglich sei. Man könne sich die ganze Breite der Medizin individuell zusammenstellen. „Ich war auf einem Montessori-Gymnasium. Die Philosophie von Maria Montessori ‚Hilf mir, es selbst zu tun’ versuche sie auch in Dillingen zu verwirklichen“, erklärte Bechtel. Die Studenten würden viel leichter lernen, was sie selbst gemacht haben. Die Chefärztin erwähnte auch die Burn-out-Prophylaxe, die den Ärzten angeboten wird. Denn die Anforderungen an Mediziner seien extrem. „Ihr seid zu wenige, egal ob als Fach- oder Allgemeinmediziner, ob als niedergelassener Arzt oder am Krankenhaus.“ Professor Antonius Schneider erinnerte ebenfalls daran, dass Dillingen die Keimzelle für das Bela-Konzept sei. Es laufe in diesem Landkreis richtig rund. Er empfahl den Studenten, sich alle Auswahlmöglichkeiten anzuschauen, also auch Mühldorf oder Kösching. Doch zum PJ sollten sie sich längerfristig binden und nicht dauernd wechseln. Das habe sich in Dillingen bewährt.

    Die Studenten besichtigen das Krankenhaus, die Akademie...

    Im Anschluss an die Ansprachen wurden die jungen Studenten noch durch das Dillinger Krankenhaus geführt und konnten sich auf den Stationen umsehen. Am Nachmittag besuchten sie das Dillinger Rathaus und wurden von Oberbürgermeister Frank Kunz begrüßt. Dieser hob die Vorzüge der Region als Arbeits- und Wohnort hervor – „jeder von Ihnen, der hier beruflich und privat sein Glück finden möchte, ist uns herzlich willkommen und wird vonseiten der Stadt alle Unterstützung erfahren“. Das Ziel der Stadt sei es, auch in Zukunft eine starke medizinische Versorgung vor Ort zu haben – und das auf weiterhin so hohem Niveau. „Hierfür brauchen wir Sie.“ Gleichzeitig dankte er Dr. Ulrike Bechtel für ihren unermüdlichen Einsatz für das Dillinger Krankenhaus und das „Leuchtturm-Projekt ‚Akademie’“ zur Sicherung des Hausarzt-Nachwuchses im Landkreis. Im Rahmen einer Stadtführung lernten die Gäste die kulturellen Highlights der Stadt kennen, etwa den Goldenen Saal und den Bibliothekssaal in der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung.

    Besuche bei Arztpraxen schlossen sich an – denn auch die niedergelassenen Ärzte sind eng in das Ausbildungskonzept eingebunden. Bei Dr. Alexander Zaune trafen die Studenten auf Roman Ruef, der als einer der Ersten über die Münchner TU und die AKADemie bereits den Weg nach Dillingen gefunden hatte. Nach einem weiteren Abstecher zur Praxis von Dr. Doris Roller und Michael Münch endete der Tag auf dem Dillinger Christkindlmarkt.

    Lesen Sie dazu auch:

    Die „Beste Landpartie“ beginnt in Dillingen

    Das Rezept gegen den Hausärztemangel

    Hausärzte: Dillinger Vorbild findet Nachahmer

    Dillinger Klinik: Leuchtturm strahlt über Kreis hinaus
    Höchstädt bekommt eine neue Hausärztin

    Warum es so wenig Hausärzte gibt
    Dillinger Ärzte wehren sich gegen neues Gesetz

    Eine Idee aus Dillingen macht bayernweit Furore

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden