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Eppisburg: Ortschronist: „Der Ritter von Eppo ist ein Fake“

Eppisburg

Ortschronist: „Der Ritter von Eppo ist ein Fake“

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    Michael Winkler aus Eppisburg hat eine Dorfchronik geschrieben.
    Michael Winkler aus Eppisburg hat eine Dorfchronik geschrieben. Foto: Christina Brummer

    Michael Winkler hat die Einladung zu seiner Buchvorstellung mit seinem Namen und der Bezeichnung „Ortschronist“ signiert. Wenn jemand diesen Titel verdient hat, dann wohl der 75-Jährige, der schon in Schulzeiten anfing, Ereignisse aus dem Dorfleben zu notieren. Nun hat er über 40 Jahre Aufzeichnungen und geschichtliche Erkenntnisse über Eppisburg zusammengetragen. Am Samstag präsentiert er das Ergebnis der Öffentlichkeit. Darin räumt er mit Orts-Mythen und der Mär von der „guten alten Zeit“ auf.

    Das Werk von Michael Winkler ist knapp 500 Seiten lang und erzählt die Ortsgeschichte von der Siedlung in der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart hinein. „Der Eppisburger ist schon einige Tausend Jahre alt“, sagt Winkler. Jahrzehntelang hat er „zum Spaß an der Freude“ in Archiven gestöbert und seine Funde akribisch dokumentiert. Dafür ist er meist in der Früh ins Augsburger Staatsarchiv gefahren und den ganzen Tag geblieben. Auch im Holzheimer Gemeindearchiv und in der Dillinger Studienbibliothek fand der 75-Jährige wichtige Daten. Eine Ortschronik hat es vorher nicht gegeben, sagt Winkler. Er erhielt auch Unterstützung aus dem Ort in Form von Erzählungen, Bildern und Feldpostkarten.

    Die Burg verfiel mit der Zeit immer weiter – heute ist sie nicht mehr zu sehen

    Winkler erklärt in den verschiedenen Kapiteln die komplexen Besitz- und Herrschaftsverhältnisse im Mittelalter und der Frühen Neuzeit. So schildert er etwa, wie die Burg zu Eppisburg an das Kloster St. Margareth überging. Winkler schreibt: „Nachdem das Kloster der alleinige Herr über die Burg war, war diese dem Verfall preisgegeben.“ Über 500 Jahre befand sich Eppisburg im kirchlichen Besitz.

    Im historischen Eppisburg prägen nicht nur Besitzänderungen, sondern Kriegswirren die Geschichte. Vor allem der Dreißigjährige Krieg hinterließ einige Verheerungen. Winkler zitiert einen Bericht aus dem Jahr 1635 und schreibt: „Das Bistum Augsburg ist in eine Wüste voller Schrecken verwandelt.“ Auch in Eppisburg waren nur wenige Bauernhöfe und wenig Vieh übrig geblieben. Von 1200 Menschen lebte nach dem Krieg nur noch ein Drittel. Winkler schreibt von einer starken „Bevölkerungsänderung“ nach und während des Krieges. Einheimische wanderten ab und flohen, andere zogen zu. Deshalb finden sich auch in den Personenregistern dieser Zeit plötzlich italienische und österreichische Namen.

    Die NS-Zeit wird ebenfalls im Buch behandelt, ist aber noch ein „heikles Thema im Ort“

    Geprägt haben den Ort aber auch die Weltkriege. Das Kapitel Nazideutschland hat Winkler nicht ausgespart. Einige Frauen im Dorf habe er gelöchert, sagt Winkler. „Wenn man vom Weltkrieg erfahren will, muss man die Frauen fragen.“ Die Männer waren schließlich oftmals an der Front. Winkler zitiert in seinem Buch, was Lehrer damals aufgeschrieben haben. „Die politische Umschaltung geschah [...] nicht nur reibungslos, sondern sogar mit starker Teilnahme an dem neuen großen Werden der Nation“, schrieb etwa Lehrerin Luise Müller im Jahr 1934. Lehrer Anton Steiger, der laut Müller „mit großem Eifer seinem Amte oblag“, notiert seinerseits über die neue Hitlerjugend und das Jungvolk im Dorf: „JK versteht es hervorragend, die erstrebte Geistesrichtung und stramme Zucht in seiner Schar zu wecken und groß zu ziehen.“ Michael Winkler hat manche Namen abgekürzt. „Es ist immer noch ein ganz heikles Thema“, sagt der 75-Jährige.

    Eppisburg gehört heute zur Gemeinde Holzheim. Die Geschichte von der Jungsteinzeit bis heute kann man nun im Heimatbuch von Michael Winkler nachlesen.
    Eppisburg gehört heute zur Gemeinde Holzheim. Die Geschichte von der Jungsteinzeit bis heute kann man nun im Heimatbuch von Michael Winkler nachlesen. Foto: Michael Winkler

    Neben diesen eher schwer verdaulichen Passagen gibt es in Winklers Buch auch interessante Entdeckungen über einen heiklen Mordfall, über ein Erdbeben, Kinderarbeit, Bräuche und Traditionen. Und die Story, wie zwölf Eppisburger nach einer Faschingsveranstaltung auf der Anklagebank des Augsburger Landgerichts landeten.

    Winkler hat mit einem Mythos über Eppisburg aufgeräumt

    Mit einem Mythos hat Winkler, gleich zu Beginn seines Buches, aufgeräumt: „Der Ritter von Eppo ist ein Fake“. Nicht nur im Fasching diente der vermeintliche Ritter den Eppisburgern als Identifikationsfigur. Auch die Durchgangsstraße ist nach ihm benannt. Winkler berichtet, dass Hobby-Historiker Ende des 19. Jahrhunderts am Aschberg unterwegs waren und die Gräben in den östlichen Eppisburger Wäldern als Wallanlagen deuteten. „Man vermutete eine Holzburg mit einem Ritter.“ Doch die Wälle hatten sich nur ergeben, weil Landwirte um 1850 herum Erde aus den Wäldern abgetragen hatten, um Unebenheiten auf den Feldern auszugleichen. Diese Begebenheit hatte aber bereits damals ein Pfarrer notiert, offenbar zum Unwissen der Forscher. „Dieser historische Ritter-Unsinn ist uns auch noch in der Schule gelehrt worden“, schreibt Winkler.

    Was wurde aus der „Eppisburg“?

    Die „wirkliche“ Eppisburg ist wohl zur Zeit der Staufer entstanden und auch aus Stein. Und der Burgherr war auch kein Ritter, sondern eher ein Mitglied des niederen Adels. Ein weiteres Indiz, dass die Holzburg-Theorie nicht stimmen kann, ist, dass die Eppisburg an einer anderen Stelle gestanden haben muss. Doch wo ist die Burg geblieben? Winkler vermutet, dass nach dem Verfall der Burg die Teile der Ruine abgetragen und für andere Bauwerke im Ort genutzt worden. „So eine Art historisches Recycling.“

    Michael Winkler ist keiner, der die Vergangenheit verklärt: „Die gute alte Zeit war nicht gut.“ Vor allem für Frauen. „Meine Urgroßmutter hatte 14 Kinder, fünf haben überlebt.“ Viele Frauen seien früher im Wochenbett gestorben. „Ich habe auch Zeugnisse über einen Mann gefunden, der deswegen sechs Mal geheiratet hat“, sagt Winkler.

    Info: Am Samstag, 27. September, stellt Michael Winkler sein Heimatbuch mit dem Titel „Eppisburg – Zeugnisse der Vergangenheit“ in der Vereinshalle in Eppisburg vor Beginn ist um 20 Uhr. Sänger aus Aislingen und Eppisburg umrahmen den Abend musikalisch. Das Buch kann vor Ort für 45 Euro erworben werden. Der Eintritt ist frei.

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