Vor gut zwei Monaten verschwand die elfjährige Shalomah Hennigfeld aus Eppisburg. Dort lebte sie bei ihren Pflegeeltern. Sie war zum Joggen gegangen und kehrte nicht zurück. Es begann eine groß angelegte Suchaktion der Polizei, doch die blieb ohne Ergebnis. Später wurde bekannt, dass die leiblichen Eltern des Mädchens Teil der Sekte „Zwölf Stämme“ sein sollen. Sie hatten nur das Recht, das Mädchen regelmäßig und unter Aufsicht zu treffen. Wie ist der aktuelle Stand der Ermittlungen, wird überhaupt noch nach dem Mädchen gesucht? Laut dem Pflegevater gibt es eine neue Wendung.
„Wir geben die Hoffnung nicht auf, und vor allem geben wir die Ermittlungen nicht auf“, sagt Michael Lechner, Kripo-Chef in Dillingen. Kommentieren will er die Ermittlungen jedoch nicht. Es werde weiter nach dem Mädchen gesucht, doch sein Aufenthaltsort bleibt unklar.
Pflegevater: Shalomah hat Weihnachten immer genossen
Ebenso unklar ist auch, ob Shalomah überhaupt zu ihren Pflegeeltern zurückkehren möchte. Denn, so deren Eindruck, der Umgang mit den leiblichen Eltern sei immer ein sehr liebevoller gewesen. So schilderte es zumindest Pflegemutter Kornelia Strobel gegenüber unserer Redaktion. Acht Jahre lebte Shalomah bei der Familie in Eppisburg, die neben dem Mädchen noch weitere leibliche Kinder und Pflegekinder hat. Für Pflegevater Günter Strobel und seine Familie ist es jetzt das erste Weihnachten seit acht Jahren ohne Shalomah.
„Das ist schon ungewohnt. Manche Tage denkt man mehr daran, an anderen kann man es etwas verdrängen.“ Jedenfalls habe Shalomah immer gern Weihnachten gefeiert. „Das hat sie immer genossen, das kannte sie so ja nicht. Mit Plätzchen essen und allem.“ Bei den „Zwölf Stämmen“ lebe man nach dem Alten Testament, habe auch andere Feste. Die Familie hofft, dass es dem Mädchen, wo immer es auch ist, gut geht.
Gibt es bald eine Gerichtsverhandlung in Shalomahs Fall?
Doch nun hat sich vielleicht eine Wendung in dem Fall ergeben, berichtet Strobel. „Offenbar haben die Eltern sich wieder an ihrem Wohnort in Tschechien angemeldet.“ Die Pflegefamilie habe das über ein Schreiben des Amtsgerichts Dillingen erfahren. Offenbar hätten die Eltern einen Anwalt eingeschaltet und wollen nun das Sorgerecht auf juristischem Wege zurück. Es habe geheißen, dass Shalomah in einem Video aussagen und bestätigen könne, dass sie bei ihren leiblichen Eltern bleiben will, so Strobel. „Aber der Richter wollte das von ihr selbst hören. und hat die Familie im Januar ans Amtsgericht Dillingen vorgeladen.“
Ob die Eltern dann aber wirklich mit dem Mädchen vor Gericht erscheinen ist fraglich. Kontakt hatten die Pflegeeltern seit einer Mail kurz nach Shalomahs Verschwinden keinen mehr. „Wir glauben nur zu einem sehr geringen Prozentsatz, dass sie wieder zu uns zurückkommt“, sagt Strobel.