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Höchstädter Tierheim darf keine Hunde und Katzen mehr halten

Das Höchstädter Tierheim braucht neue Räumlichkeiten. Doch dafür fehlt das Geld. Das Dillinger Landratsamt hat nun die Tierhaltung untersagt. Das Team will aber um eine Genehmigung kämpfen.
Foto: Christina Brummer
Landkreis Dillingen

Tierheimleiterin: „An mir geht es auch nicht spurlos vorbei“

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    Verschnupfte, verletzte, verzeckte Kätzchen, Katzen mit Schussverletzung, verwahrloste Hunde, aus einem Tiersammler-Haushalt: Solche Fälle gibt es überall in Deutschland. Kommen solche Geschichten an die Öffentlichkeit, sind sich in den sozialen Medien meist alle einig: Den Tieren muss geholfen werden. Trotzdem haben sich im Landkreis Dillingen in Sachen Tierschutz Gräben aufgetan. Zwischen Tierheim, einer Tierärztin, anderen Tierschützern und den Gemeinden. Wie konnte es so weit kommen und wie geht es mit dem Tierschutz im Landkreis weiter, wenn das Tierheim tatsächlich schließen muss?

    Rückblick: Im Februar erreicht das Tierheim ein Schreiben des Landratsamtes, das fordert, die bauliche Situation zu verbessern, ansonsten drohe die Schließung. Das Tierheim habe die Genehmigung zur Tierhaltung beantragt, erfülle aber die Standards nicht, um diese zu erhalten. Man möge nachbessern. Mitte Mai folgt dann der Entzug der Tierhaltungserlaubnis. Besuch Anfang Juni bei Tierheimleiterin Ariane Dallmaier. Am Zaun des Geländes hängt ein Plakat. „2023 planen, 2024 bauen“, steht darauf. Es geht um ein neues Katzenhaus und eine Hundequarantänestation für rund 1,5 Millionen Euro. Pläne gibt es, doch vom Bauen scheint man noch weit entfernt. Wie kam es so weit, dass das Landratsamt dem Tierheim den Stecker zog? Dallmaier sagt, das Landratsamt habe sie „gezwungen“, diese Genehmigung zu beantragen, obwohl es bereits vorher gewusst habe, dass die Zustände keine Genehmigung zuließen. Die Zahlungen der Gemeinden reichten nicht einmal für die laufenden Kosten, geschweige denn für Investitionen, so Dallmaier.

    „Ich habe die Finanzen im Griff.“

    Ariane Dallmaier, Tierheimleiterin und Vorsitzende des Tierschutzvereins

    „Über Jahrzehnte wurde zu wenig Abgabe seitens der Gemeinden bezahlt“, beklagt die Leiterin. „Ich mache Druck.“ Das gefalle nicht jedem. Zwar habe man eine Erhöhung der Abgabe seitens der Gemeinden auf 80 Cent pro Einwohner durchgesetzt, doch auch die reiche nicht. Auf die Frage, warum sie keine höhere Zahlung ausgehandelt habe, sagt Dallmaier, dass die Kommunen dazu nicht bereit gewesen seien. Dallmaier muss sich immer wieder den Vorwurf machen lassen, sie habe ihre Zahlen und ihre Buchhaltung nicht im Griff. „Ich habe die Finanzen im Griff“, betont sie gegenüber unserer Redaktion. Trotzdem: Für den Neubau fehlt das Geld.

    Das Tierheim falle bei der Kastration von Streunerkatzen aus

    An der Frage, wer wofür zahlt und zahlen muss, hängt vieles beim Tierschutz-Problem im Landkreis Dillingen. Ortswechsel. In Zusamaltheim betreibt Katja von Schlippenbach eine Tierarztpraxis. Von Schlippenbach war einmal Vertragstierärztin des Tierheims, bis sie kündigte. Schlippenbach sagt, dass seit dem Wechsel an der Spitze des Tierschutzvereins vieles schwieriger laufe als zuvor. Sie kritisiert, dass das Tierheim bei der Kastration von Streunerkatzen ausfalle. Wenn nicht kastriert werde, dann verschärfe sich das Problem weiter, man müsse eine Lösung für das immer drängendere Problem finden. Schlippenbach spricht davon, dass das Tierheim die Übernahme der Kastrationskosten teils abgelehnt habe, obwohl die Finder vorher mit dem Heim Kontakt aufgenommen hatten.

    Andere Finder seien direkt in die Praxis gekommen, um Streuner kastrieren zu lassen und erst später an das Tierheim herangetreten. In anderen Fällen habe das Tierheim selbst die Behandlungen beauftragt, aber teils nicht bezahlt. In allen Fällen muss nach Ansicht der Tierärztin das Tierheim aufkommen, denn es habe einen Vertrag mit den Gemeinden geschlossen. Von Findern ausgefüllte Fundtieranzeigen, die der Redaktion vorliegen, bestätigen die Schilderungen. Darin schreiben die Finder mehrfach, das Tierheim habe eine Kostenübernahme abgelehnt. Aus Platz- oder Geldgründen. Und an die Gemeinden verwiesen.

    Arne und Katja von Schlippenbach betreiben zusammen mit einem weiteren Teilhaber die Tierarztpraxis in Zusamaltheim und vermitteln auch selbst Tierschutzkatzen.
    Arne und Katja von Schlippenbach betreiben zusammen mit einem weiteren Teilhaber die Tierarztpraxis in Zusamaltheim und vermitteln auch selbst Tierschutzkatzen. Foto: Christina Brummer

    „Über zehn Jahre gab es nie die Aussage seitens des Tierheims, dass kein Geld mehr da ist, um Tiere zu versorgen“, sagt von Schlippenbach. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Tierärztin Fundtieranzeigen ausfüllen ließ, auf denen den Findern Kostenfreiheit zugesichert wurde. „Im Falle einer Absage (durch das Tierheim, Anm. der Red.) kastrieren wir trotzdem kostenlos und versuchen die Kosten bei der Gemeinde in Rechnung zu stellen“, hieß es dort. Schlippenbach sagt: „Die Aussage, wir kastrieren kostenlos, war natürlich sehr unglücklich. Korrekt hätte es heißen müssen: für den Finder kostenlos. Wir sind eben keine Juristen, sondern haben versucht, schnell und pragmatisch eine Lösung im Sinne der Katzen zu finden.“

    Tierheimleiterin: „Ich kann nicht alle Katzen im Landkreis kastrieren“

    Tierheimleiterin Ariane Dallmaier sagt, der Tierschutzverein lasse „viele Katzen pro Jahr kastrieren.“ Die Tierärztin habe aber zeitweise auf ihrer Homepage dazu aufgerufen, Katzen einzufangen und kostenlos von ihr kastrieren zu lassen, sagt Dallmaier. „Ich kann nicht als Tierschutzverein alle Katzen im Landkreis kastrieren.“

    Silke Bretzinger, Tierärztin in Lauingen, sagt: Mit Corona sei eine Katzenschwemme gekommen. Reihenweise Tiere habe man angeschafft, die seien nun drei bis vier Jahre alt und den Besitzern lästig geworden. „Die vermehren sich wie die Irren.“ Laut Bretzinger sei das Problem „pure Mathematik“: „Medizinische Kosten gehen hoch, Personalkosten gehen hoch und die Zahl der Streunerkatzen geht hoch, die Zahl der Ehrenamtlichen geht runter. Das kann gar nicht funktionieren.“ Oft hätten früher auch noch ältere Damen viel Geld in den Tierschutz gesteckt, doch auch da sei das Geld nicht mehr da.

    Wer zahlt für herrenlose Katzen?

    Wer zahlt, wenn die Kosten steigen? Tierheimleitung und Tierärztin sind sich einig darin, dass die Gemeinden für die Behandlungskosten aufkommen müssten. Denn die seien für Fundtiere zuständig. Doch da wird es rechtlich knifflig. Gemeinden jedenfalls seien für Fundtiere, nicht für herrenlose Tiere zuständig, erklärt der Kreisvorsitzende des Gemeindetags, Tobias Steinwinter. Das sei ein großer Unterschied. Er sagt aber auch: „Uns ist klar, dass man in der Praxis nicht immer klar trennen kann.“ Doch was folgt? Steinwinter stört, dass die Gemeinden in der Debatte immer als zahlungsunwillige Buhmänner dargestellt werden. „Wir können nicht die Vollkasko sein für alle Menschen, die etwas nicht mehr haben wollen.“ Für solche herrenlosen Tiere wäre das Tierschutzgesetz zuständig, und das müsse der Freitstaat Bayern vollziehen. Doch es fehle eine klare Verwaltungsanweisung. „Und das ist das Urproblem.“

    Gemeinden wollen nicht als zahlungsunwillige Buhmänner dastehen

    Aus dem Urproblem haben sich aber weitere Probleme entwickelt: Steinwinter sieht „enorme organisatorische und strukturelle Defizite“ beim Tierschutzverein. „Ich bin mir sicher, dass sich um die Tiere gut gekümmert wird, aber alles andere bleibt auf der Strecke.“ Zu den Kastrationen sagt Steinwinter: „Wichtig ist, mit der jeweiligen Kommune vorher zu reden.“ Eine Kastration sei ein planbarer Eingriff. Dann könne man eine Lösung finden. Zu den Beiträgen der Gemeinden ans Tierheim sagt Steinwinter: „Wenn es heißt, statt 80 Cent künftig 90 Cent, da wird niemand sagen, da mach ich nicht mit.“ Auch bei den Investitionskosten könne man an einem Strang ziehen. „Aber es muss auch erkennbar sein, dass man belastbare Strukturen schafft, um das Thema dauerhaft zu lösen.“

    „Ich bin mir sicher, dass sich um die Tiere gut gekümmert wird, aber alles andere bleibt auf der Strecke.“

    Tobas Steinwinter, Kreisvorsitzender des Gemeindetags

    Das Tierheim verweist auf die Gemeinden, die Gemeinden aufs Tierheim: Wie geht es nun weiter? Das Tierheim darf seit dem Bescheid keine Tiere mehr aufnehmen. Die Gemeinden müssen andere Stellen suchen, wenn ein Fundtier abgegeben wird. Häufig wird das wohl über andere Tierheime laufen. Steinwinter sagt: „Es wäre ein Paukenschlag, wenn das Tierheim schließen müsste.“ Ob es damit weitergehe oder nicht, sei offen. Sehen sich die Rathauschefs nach einem alternativen Träger um? „Momentan geht es eher darum, zu schauen, wie man klarkommt und die Tiere möglichst im Umkreis unterbringt“, sagt Steinwinter. Am Ende wolle man zu einer guten Lösung kommen.

    Tierheimleiterin Ariane Dallmaier möchte weiter für das Tierheim kämpfen. Trotz der schwierigen Lage habe sie eine neue Mitarbeiterin gefunden. „An mir geht das alles auch nicht spurlos vorbei“, sagt Dallmaier. „Aber die Tiere sind‘s wert.“

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